Die Stadt Augsburg plant eine Verkehrswende in der Innenstadt. Einem Konzept zufolge sollen Busse und Straßenbahnen künftig im Fünf-Minuten-Takt fahren – also zwölf Mal pro Stunde. Zugleich soll das Parken in einer neu geschaffenen City-Zone kostenlos werden. Nach Informationen aus dem Rathaus liegt der Plan dem Stadtrat zur Beratung vor.
Die Ausgangslage: Stau und Abgase
Augsburg leidet wie viele Städte unter zunehmendem Verkehr. Der Durchgangsverkehr und der Pendlerstrom aus dem Umland führen täglich zu Staus und erhöhen die Luftbelastung. Der öffentliche Nahverkehr ist zwar gut ausgebaut, aber die Taktung ist vielerorts zu ausgedünnt, um eine echte Alternative zum Auto zu sein. Besonders auf den Hauptlinien in der Innenstadt drängen sich die Fahrgäste zu den Stoßzeiten.
Ein Fünf-Minuten-Takt würde hier Abhilfe schaffen. Er bedeutet, dass an stark frequentierten Haltestellen alle fünf Minuten ein Bus oder eine Straßenbahn abfährt. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber dem bisherigen Zehn-Minuten-Takt, der in Augsburg auf vielen Linien Standard ist. Fahrgäste müssten dann kaum noch planen – ein großer Anreiz, das Auto stehen zu lassen.
Die City-Zone: Gratis-Parken als Lockmittel
Das Konzept sieht vor, einen Großteil der Innenstadt zur City-Zone zu erklären. Innerhalb dieser Zone sollen alle Parkplätze gebührenfrei sein. Das klingt zunächst widersprüchlich – wer will, dass mehr Menschen mit dem Auto kommen, wenn er gleichzeitig den Nahverkehr fördern will? Die Idee dahinter ist jedoch, dass Autofahrer, die ohnehin mit dem Auto in die Stadt kommen, dort ihr Auto kostenlos abstellen und dann für den innerstädtischen Verkehr auf Busse und Bahnen umsteigen. So sollen die letzten Kilometer in der Innenstadt ohne Auto zurückgelegt werden.
Das kostenlose Parken wird ergänzt durch eine Ausweitung der Park-and-Ride-Angebote am Stadtrand. Von dort aus sollen Pendler mit dem ÖPNV schnell und bequem in die City gelangen. In Kombination mit dem Fünf-Minuten-Takt würde das selbst für Menschen, die außerhalb wohnen, attraktiv.
Finanzierung: Einnahmeverluste und Mehrkosten
Die Pläne haben einen Haken: Sie sind teuer. Der Verzicht auf Parkgebühren kostet die Stadt Augsburg jährlich einen siebenstelligen Betrag. Der Fünf-Minuten-Takt erfordert zusätzliche Fahrzeuge und Personal. Die Stadtwerke müssen dafür in neue Bahnen und Busse investieren und mehr Fahrer einstellen. Das alles muss gegenfinanziert werden.
Die Stadt setzt auf höhere Fahrgastzahlen. Wenn mehr Menschen den ÖPNV nutzen, steigen die Einnahmen aus Ticketverkäufen. Zudem könnte eine Nahverkehrsabgabe eingeführt werden, wie es sie in anderen Städten gibt. Eine solche Abgabe, die alle Einwohner zahlen, würde eine stabile Finanzierungsbasis schaffen. Auch von Sponsoring-Modellen ist die Rede.
Unterstützung und Kritik
Im Augsburger Stadtrat ist das Konzept umstritten. Die Freien Wähler und die Grünen unterstützen die Pläne als wichtige Maßnahme zur Verkehrswende. Sie verweisen auf erfolgreiche Beispiele aus anderen Städten, die mit ähnlichen Modellen ihre Innenstädte entlastet haben. Die CSU und die FDP äußern sich skeptisch. Sie befürchten, dass das kostenlose Parken ein falsches Signal setzt und den motorisierten Individualverkehr in der Innenstadt weiter anheizt, statt ihn zu reduzieren.
Der Einzelhandelsverband begrüßt die Idee des kostenlosen Parkens. Er erhofft sich mehr Kunden in den Geschäften. Die Industrie- und Handelskammer fordert jedoch eine gründliche Prüfung der Auswirkungen auf den Wirtschaftsverkehr. Auch Anwohner haben Bedenken, weil sie eine Zunahme von Parksuchverkehr in den Wohnvierteln befürchten.
Auswirkungen auf Handel und Umwelt
Die Augsburger Innenstadt hat mit den typischen Problemen vieler Stadtzentren zu kämpfen: Leerstände, abnehmende Kundenfrequenz und hohe Luftbelastung. Die Stadt erhofft sich von der Kombination aus kostenlosem Parken und besserem Nahverkehr eine spürbare Belebung. Wenn Autofahrer ihr Fahrzeug günstig abstellen und dann bequem zu Fuß oder mit der Straßenbahn weiterkommen, könnte das mehr Menschen in die Geschäfte locken.
Gleichzeitig würde der Fünf-Minuten-Takt dazu beitragen, dass der motorisierte Individualverkehr in der Innenstadt abnimmt. Das hätte direkte positive Effekte auf die Luftqualität. Messungen in der Innenstadt zeigen immer wieder, dass die Stickoxidwerte die Grenzwerte überschreiten. Weniger Autos, die im Stau stehen, würden die Situation entspannen.
Kritik: Zu teuer und zu einseitig
Doch das Konzept hat auch Gegner. Insbesondere die hohen Investitionen in den Nahverkehr werden hinterfragt. Die Stadtwerke müssen für den Fünf-Minuten-Takt neue Fahrzeuge anschaffen und zusätzliches Personal einstellen. Bei der aktuellen Fachkräftesituation ist das eine große Herausforderung. Auch ist unklar, ob die zusätzlichen Fahrgäste die Mehrkosten decken können.
Manche Kritiker bezweifeln grundsätzlich, dass kostenloses Parken den Umstieg vom Auto auf Busse und Bahnen fördert. Im Gegenteil: Es könnte den Autoverkehr in die Innenstadt sogar verstärken, weil Autofahrer keine Parkgebühren mehr zahlen müssen. Eine positive Wirkung sei nur dann zu erwarten, wenn gleichzeitig die Zahl der Parkplätze reduziert und die Zufahrt in die City eingeschränkt wird.
Wie es weitergehen soll
Das Konzept wird derzeit in den städtischen Gremien beraten. Eine Bürgerbeteiligung ist geplant. Sollte der Stadtrat zustimmen, könnte ein Pilotversuch starten. Effektiv könnte der Fünf-Minuten-Takt frühestens in zwei Jahren flächendeckend umgesetzt werden. Das kostenlose Parken in der City-Zone lässt sich einfacher realisieren und könnte bereits früher an den Start gehen.
Augsburg wäre mit diesem Modell eine Vorreiterin in Bayern. Andere Städte schauen bereits auf die Lechstadt, denn die Lösung dieses Interessenkonflikts zwischen Auto- und ÖPNV-Fahrern ist eine der größten Herausforderungen der Verkehrswende in deutschen Städten.



