Elterntaxis im Teufelskreis: So wird der Schulweg in RLP sicherer
Elterntaxis im Teufelskreis: Schulweg in RLP sicherer machen

Am 10. August beginnt in Rheinland-Pfalz für Hunderttausende Schülerinnen und Schüler wieder der Unterricht. Mit dem Schulstart rückt die Sicherheit auf dem Schulweg in den Fokus. Ein zentrales Problem sehen Fachleute in den sogenannten Elterntaxis: Wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto direkt bis zur Schule bringen, entstehen vor vielen Schulen chaotische Verkehrssituationen. Die Landesverkehrswacht Rheinland-Pfalz bezeichnet Elterntaxis als eine der größten Herausforderungen für die Verkehrssicherheit.

Unfallzahlen: Die meisten Schulwegunfälle passieren zu Fuß

Nach Angaben der Unfallkasse Rheinland-Pfalz wurden im Jahr 2025 insgesamt 4.315 Wegeunfälle bei Kindern und Jugendlichen gemeldet. Diese Zahl umfasst alle Vorfälle, die über die Schülerunfallversicherung registriert wurden, einschließlich Kitakindern und Studierenden. Die meisten Unfälle ereigneten sich zu Fuß (1.690), gefolgt von Unfällen mit Fahrrad, E-Bike, Pedelec oder Tretroller (1.079). Mit Bus und Bahn waren es 723 Unfälle, mit dem Auto 416 und mit Motorrad, Motorroller oder Mofa 407 Fälle.

Die Unfallkasse weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Statistik auch leichte Verletzungen wie umgeknickte Füße oder Rangeleien auf dem Schulweg umfasst. Eine pauschale Aussage zur Sicherheit von Schulwegen lässt sich daraus nicht ableiten. Die erfassten Unfallzahlen seien kein Maßstab für die bauliche Sicherheit eines einzelnen Schulwegs. Zugleich gelte: „Jeder Unfall ist einer zu viel.“

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Warum Elterntaxis ein Problem sind

Elterntaxis sollen Kinder sicher zur Schule bringen, können die Situation vor Schulen aber verschärfen. Viele Fahrzeuge auf engem Raum führen zu unübersichtlichen Situationen, riskanten Wendemanövern sowie Halten in zweiter Reihe oder im Halteverbot. Dadurch steigt insbesondere für Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, das Risiko.

Der Landeselternbeirat spricht von einem Teufelskreis: Je mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto bringen, desto gefährlicher wird die Situation vor der Schule. Gleichzeitig greifen mehr Eltern aus Sorge um ihre Kinder auf das Auto zurück. Dieses Verhalten verstärkt das Problem weiter, anstatt es zu lösen.

Gründe für Elterntaxis: Sicherheitsbedürfnis und Ablenkung

Nach Angaben des Landeselternbeirats spielt vor allem das Sicherheitsbedürfnis vieler Eltern eine Rolle. Wer den Schulweg als gefährlich empfindet oder schlechte Erfahrungen mit der Schülerbeförderung gemacht hat, fährt sein Kind häufig selbst. Ein weiterer Aspekt ist die Ablenkung durch Smartphones: Nicht nur Autofahrer, sondern auch ältere Schülerinnen und Schüler, die mit Blick aufs Handy und mit Kopfhörern im Ohr unterwegs sind, sind unaufmerksam. Verkehrserziehung sollte daher auch in höheren Klassenstufen regelmäßig thematisiert werden. Zudem verbinden einige Eltern den Schulweg mit ihrem Arbeitsweg und bringen ihre Kinder deshalb mit dem Auto zur Schule.

Bauliche Maßnahmen: Querungshilfen und Tempo 30

Die befragten Organisationen nennen vor allem bauliche Verbesserungen, um Schulwege sicherer zu machen. Dazu gehören sichere Querungshilfen, ausreichend breite Gehwege, gut einsehbare Kreuzungen, Fußgängerampeln, Mittelinseln, Poller und Tempo-30-Bereiche im Schulumfeld. Der Landeselternbeirat spricht sich außerdem für Hol- und Bringzonen in einiger Entfernung zur Schule sowie eine zuverlässige Schülerbeförderung aus.

Der Beirat betont, dass alle Verantwortlichen – also auch Kommunen, Schulträger und Verkehrsunternehmen – beim Thema Sicherheit zusammenarbeiten müssen. Es hänge nicht allein am Verhalten der Eltern. Auch der ADAC Mittelrhein weist auf fehlende Querungshilfen, zu schmale Gehwege, zugeparkte Sichtachsen und unübersichtliche Kreuzungen als Gefahrenpunkte hin.

Was Eltern selbst tun können

Die Landesverkehrswacht und der ADAC raten Eltern, den Schulweg rechtzeitig und mehrfach gemeinsam mit ihren Kindern zu üben. Dabei sollte die sicherste und nicht unbedingt die kürzeste Strecke gewählt werden. Die Landesverkehrswacht empfiehlt Straßen mit Gehwegen, Straßen in Wohngebieten und in Tempo-30-Zonen sowie generell gut einsehbare, gut beleuchtete und mit Fußgängerampeln ausgestattete Wege.

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Kinder, die ihren Schulweg altersgerecht möglichst selbstständig zurücklegen, entwickeln nach Einschätzung des ADAC ein besseres Gefahrenbewusstsein und bewegen sich sicherer im Straßenverkehr. Eltern sollten daher ihre Kinder ermutigen, den Weg alleine zu gehen, sobald sie dazu in der Lage sind.