Der Transport der neuen Sternbrücke in Hamburg hat am Donnerstag begonnen und zieht Hunderte Schaulustige an. Der 3700 Tonnen schwere Stahlkoloss wird auf 1088 Reifen liegend 400 Meter durch die Innenstadt bewegt. Viele Anwohner verfolgen das Spektakel als Public Viewing – mit gemischten Gefühlen.
Ein Brückentausch als Volksfest
Rund zwei Jahre Bauzeit, jetzt zwei Tage Transport: In Hamburg wird eine komplette Eisenbahnbrücke ausgetauscht. Die neue Sternbrücke ersetzt ein Wahrzeichen, das 100 Jahre lang täglich von bis zu 900 Zügen überquert wurde. Der Transport findet mitten in der Stadt statt, direkt neben dem Szenestadtteil St. Pauli. Hunderte Menschen haben sich versammelt, um den Koloss in Bewegung zu sehen. „Das ist ja gigantisch, diese Brücke“, sagte ein Passant. Ein anderer verglich sie mit einem Raumschiff: „Ist ein bisschen irreal alles.“
Der SPIEGEL-Reporter Fabian Pieper berichtete vor Ort: „Dieses Volksfest hier heute in Hamburg, das wird es so nur einmal geben. Hinter mir wird die neue Sternbrücke bewegt – 3700 Tonnen Stahl, die jetzt 400 Meter in diese Richtung bugsiert werden.“ Der Transport erfordert höchste Präzision, denn die Brücke muss zentimetergenau durch enge Straßen der Innenstadt navigiert werden. Ein Restrisiko bleibt, dass das Vorhaben scheitert.
Wehmut und Begeisterung
Viele Anwohner zeigen sich emotional. Eine Passantin sagte: „Das ist die alte Sternbrücke. Und ja, das ist schon ein bisschen emotional jetzt mit der alten Sternbrücke vor der neuen Sternbrücke. Viele sagen ja, ein Mammut-Ding und hässlich und so. Ich finde sie, um ehrlich zu sein, ganz hübsch. Aber ich finde es schlimm, was dafür alle sterben musste.“
Ein anderer Zuschauer äußerte sich optimistisch: „Es ist ein neues Wahrzeichen von Hamburg. Es ist wie der Eiffelturm, den hat niemand gemocht am Anfang. Und jetzt lieben sie ihn. Und das kann mit dieser Brücke auch passieren.“ Diese Aussage spiegelt die geteilten Meinungen wider: Während einige die moderne Konstruktion begrüßen, trauern andere um die alte Brücke und die verschwundenen Kultstätten.
Der Brückentausch hat auch Schattenseiten. Legendäre Clubs und Bars im Viertel mussten weichen oder wurden umgesiedelt. Die Aktivistin Lavanya Bretschneider protestierte mit einem Schild. Sie erklärte: „Eigentlich sollte die Brücke für immer bleiben. Oder repariert werden, damit nicht dieser Aufwand betrieben wird und auch nicht so viel CO2 in der Herstellung und in den Ressourcen entsteht. Und vor allem, dass dieses schöne Viertel mit den ganzen Clubs erhalten bleibt.“
Immerhin soll die Kulturszene zurückkehren, wenn die neue Brücke in Betrieb geht. Bis dahin bleibt der Transport das Ereignis – auch wenn es zu Verzögerungen kommt. Nach wenigen Metern blieb die Brücke stehen, was die Zuschauer spekulieren ließ. Ein Passant meinte: „Einer der 1088 Reifen ist platt.“ Ein anderer scherzte: „Fortschritt ist ja nicht gegeben. Die steht ja.“ Die Verantwortlichen haben zwei bis drei Tage Zeit für den Transport.
Trotz der Pannen zeigten sich viele fasziniert. Ein Mann, der sich am Vortag unter die Brücke gesetzt hatte, sagte: „Ab und zu hab ich mal dran gedacht: Wenn es jetzt kracht, bist du weg. Gut, aber ich vertraue den Leuten dort.“ Das Spektakel lockt nicht nur Stadtbewohner an – eine Zuschauerin verabschiedete sich mit den Worten: „Ich fahre jetzt nach Hause. Ich geh jetzt schwimmen. Im Schwimmbad. Bleibt gesund, Jungs.“



