Rätselhaftes Verschwinden in Niedersachsen: Zwei Kinder auf dem Weg zum Training verschwunden
In der niedersächsischen Gemeinde Barßel herrscht seit Tagen große Besorgnis um das Wohlergehen zweier junger Cousins. Amir (9) und Nawid (10) brachen am Montag von ihrer Wohngruppe auf, um zum Fußballtraining in der örtlichen Sporthalle zu gelangen. Die Strecke beträgt lediglich etwa einen Kilometer. Doch die beiden Jungen erreichten ihr Ziel nie und sind seitdem spurlos verschwunden.
Großangelegte Suche wurde eingestellt
Die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta initiierte umgehend einen Großeinsatz, der eine ganze Nacht und einen Tag andauerte. Dabei kamen verschiedene Mittel zum Einsatz: Ein Hubschrauber überflog das Gebiet, eine Rettungshundestaffel aus Bremerhaven suchte mit einem speziellen Mantrailer-Hund nach der Witterung der Kinder, und auch Gewässer wurden intensiv abgesucht. Dennoch stellten die Ermittler die aktive Suche am Dienstag gegen 16 Uhr ein – eine Entscheidung, die in der Öffentlichkeit zunächst für Verwirrung sorgte.
Polizeisprecherin Julia Göken erklärte gegenüber Medien: „Es gab triftige Gründe, die aktive Suche im Raum Barßel abzubrechen. Die Ermittlungen laufen natürlich weiter.“ Den Beamten liegen mittlerweile konkrete Hinweise vor, die darauf hindeuten, dass sich die Kinder nicht mehr in der unmittelbaren Umgebung aufhalten.
Spur führt möglicherweise ins europäische Ausland
Der Fokus der Ermittlungen hat sich deutlich verschoben. Laut offizieller Polizeimitteilung werden nun „etwaige verwandtschaftliche Kontakte im europäischen Ausland“ intensiv überprüft. Es werde „überörtlich gefahndet“. Die beiden Cousins waren ohne ihre Eltern aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet und lebten seit dem Jahr 2025 in einer betreuten Wohngruppe in Barßel, unter der Obhut des Landkreises Cloppenburg.
Ein Familiennachzug der leiblichen Eltern aus Afghanistan war laut Polizeiangaben bisher nicht möglich gewesen. Die Ermittler prüfen nun die Theorie, dass Verwandte die Jungen möglicherweise heimlich abgeholt haben könnten. Eine gezielte Entführung wird ebenfalls nicht ausgeschlossen, obwohl die Polizei derzeit nicht von einer akuten Gefährdung der Kinder ausgeht.
Hintergrund: Flucht ohne Familie
Die besondere Situation der Kinder wirft zusätzliche Fragen auf. Amir und Nawid hatten ihre Heimat Afghanistan ohne ihre direkte Familie verlassen müssen und fanden in Niedersachsen eine vorübergehende neue Heimat. Ihr plötzliches Verschwinden wirft ein Schlaglicht auf die komplexen Lebensumstände vieler unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland.
Die Polizei betont, dass ein Unfall nach den umfangreichen Suchmaßnahmen als unwahrscheinlich gilt. Dennoch mahnt Sprecherin Göken zur Vorsicht: „Ob sich die Kinder in einem gefährdeten Zustand befinden, kann man nie mit Sicherheit sagen.“ Die Ermittler arbeiten weiterhin mit Hochdruck an dem Fall und bitten die Bevölkerung um Wachsamkeit.
Die Gemeinde Barßel mit ihren rund 14.000 Einwohnern bleibt in Sorge. Während die aktive Suchaktion vor Ort beendet ist, konzentrieren sich die Behörden nun auf die internationale Spur, die möglicherweise zur Aufklärung des rätselhaften Verschwindens führen könnte.



