Sachsen treibt Umstieg auf Akkuzüge voran: Weitere Strecken ohne Oberleitung im Fokus
Seit Anfang des Monats rollen in Sachsen die ersten Akkuzüge regulär auf der Linie RE 6 zwischen Chemnitz und Leipzig, wo sie schrittweise die bisherigen Dieselzüge ersetzen. Bis Mitte Juni sollen diese komplett abgelöst sein, womit der Schienenpersonennahverkehr auf dieser rund 80 Kilometer langen, nicht elektrifizierten Strecke deutlich klimafreundlicher wird. Die Mitteldeutsche Regiobahn als Betreiber gibt an, dass der CO2-Ausstoß im Vergleich zu den alten Doppelstockzügen mit Diesellok um zwei Drittel reduziert wird.
Ausweitung auf andere Regionen Sachsens geplant
Doch damit nicht genug: Der Einsatz von Akkuzügen soll in den kommenden Jahren auf weitere Bahnstrecken in Sachsen ausgeweitet werden. Im S-Bahn-Netz Mitteldeutschland sind ab dem Fahrplanwechsel im Dezember Triebwagen mit Stromspeicher vorgesehen, die auch den Leipziger City-Tunnel passieren werden. Konkret ist die Linie S1 zwischen Leipzig, Grimma und Döbeln betroffen, wie der Zweckverband ZVNL mitteilt. Hier kommen 16 zweiteilige Batteriezüge vom Typ Mireo Plus B des Herstellers Siemens zum Einsatz, die jeweils 100 Sitzplätze bieten und Teil eines größeren Auftrags über 75 Mireo-Züge im Wert von rund 500 Millionen Euro sind.
In Ostsachsen, im Gebiet des Verkehrsverbundes von Dresden bis Görlitz, wird der Umstieg von Diesel- auf Akkuzüge ebenfalls angestrebt, allerdings erst ab Anfang der 2030er Jahre, da die aktuellen Verträge bis Ende 2030 und 2031 laufen. Geplant sind etwa 50 Fahrzeuge für das gesamte Netz, wie eine Sprecherin des ZVVO erläutert. Für die Umstellung sind erhebliche Investitionen in die Ladeinfrastruktur notwendig, die auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt werden. Experten der Technischen Universitäten Dresden und Berlin haben jedoch in einer Untersuchung festgestellt, dass der Betrieb mit Akkuzügen über den gesamten Lebenszyklus hinweg ähnlich wirtschaftlich ist wie bei heutigen Dieselzügen.
Vergleich mit Wasserstoffzügen und regionale Unterschiede
Neben Akkuzügen werden auch Wasserstoffzüge als Alternative zu Dieselzügen auf Strecken ohne Oberleitung diskutiert. Allerdings sind diese Experten zufolge teurer, unter anderem aufgrund höherer Betriebskosten und einer schlechteren Energieeffizienz. Laut dem Elektrotechnik-Verband VDE verbraucht ein Wasserstoffzug dreimal mehr Strom als ein Akkuzug, da Wasserstoff zunächst aus Strom gewonnen und dann in der Brennstoffzelle wieder in Strom umgewandelt werden muss. Zudem ist die Umweltfreundlichkeit nur gegeben, wenn grüner Wasserstoff oder erneuerbarer Strom verwendet wird, was derzeit noch knapp ist.
In einigen Regionen Sachsens, wie dem Vogtland, ist man hingegen noch zurückhaltend. Eine Sprecherin erklärt, dass Entwicklungen zu alternativen Antriebstechnologien aufmerksam beobachtet werden, etwa der Einsatz von Akkuzügen zwischen Chemnitz und Leipzig oder in Norddeutschland. Eine Festlegung auf eine bestimmte Technologie bestehe derzeit nicht, und Entscheidungen würden auf Basis von Erkenntnissen und Rahmenbedingungen getroffen.
Erste Erfahrungen und zukünftige Pläne
Der Betrieb mit den neuen Akkuzügen auf der Strecke Chemnitz-Leipzig läuft bisher weitgehend reibungslos. Ein Viertel des Gesamtverkehrs wird bereits mit den elf Zügen vom Typ Coradia Continental des Herstellers Alstom bestritten, die für rund 70 Millionen Euro bestellt wurden, wobei sich die Auslieferung um etwa zwei Jahre verzögerte. Technisch habe in der ersten Woche alles gut funktktioniert, so ein Sprecher des Verkehrsverbunds Mittelsachsen, obwohl es Anfang der Woche Probleme durch Vandalismus an der Strecke gab.
Langfristig ist geplant, dass Züge über Chemnitz hinaus bis ins Erzgebirge nach Annaberg-Buchholz fahren könnten, zumindest in den Morgen- und Abendstunden. Ein konkreter Zeitpunkt dafür steht jedoch noch nicht fest. Insgesamt zeigt sich Sachsen damit als Vorreiter bei der Einführung von Akkuzügen, um den Schienenverkehr nachhaltiger zu gestalten und die Abhängigkeit von Diesel zu reduzieren.



