Stadtambulanz Altentreptow: Ein Leuchtturm gegen den Ärztemangel
Mit einem Investitionsvolumen von 4,63 Millionen Euro und einem Dutzend medizinischer Fachrichtungen unter einem Dach eröffnete in Altentreptow eine Stadtambulanz, die als wegweisendes Zukunftsmodell für den ländlichen Raum gilt. Gesundheitsstaatssekretärin Sylvia Grimm aus Schwerin bezeichnete das Projekt bei der feierlichen Einweihung als "Blaupause für ganz Mecklenburg-Vorpommern".
Vier Jahre Planung werden Wirklichkeit
Nach rund vierjähriger Planungsphase, die von zähem Ringen um Förderbescheide und Planungsrecht geprägt war, ist aus einer visionären Idee konkrete medizinische Infrastruktur geworden. Das neue Ärztehaus am Amtshof 3 ersetzt die bisherige Stadtambulanz an der Fichtestraße und bietet ein in der Region einzigartiges Versorgungsspektrum.
Das medizinische Angebot umfasst:
- Zwei Allgemeinarztpraxen für die hausärztliche Grundversorgung
- Fachärztliche Sprechstunden in Dermatologie und Neurochirurgie
- Geplante zahnmedizinische Behandlungen
- Ästhetische Medizin und Naturheilkunde
- Ernährungstherapie und logopädische Angebote
Ergänzt wird dieses breite Spektrum durch einen integrierten Pflegedienst, Physiotherapie sowie eine barrierefrei zugängliche Apotheke im selben Gebäude. Alle Bereiche sind miteinander vernetzt und ermöglichen kurze Wege für Patienten und medizinisches Personal.
Mehr als nur ein Geschäftsmodell
Initiiert wurde das ambitionierte Projekt von Allgemeinmediziner Dr. Norbert Müller-Sundt und Ernährungstherapeut Konrad Friese. Ihr erklärtes Ziel geht über wirtschaftliche Interessen hinaus: "Die langfristige Absicherung und Verbesserung der medizinischen Versorgung in Altentreptow steht im Mittelpunkt", betonen die Initiatoren.
Konrad Friese unterstreicht diesen ganzheitlichen Ansatz: "Pflege ist für uns wichtig – nicht als Renditecenter, sondern weil Pflege dazugehört." Diese Philosophie prägt das gesamte Gesundheitszentrum, das bewusst auf interdisziplinäre Zusammenarbeit und kurze Kommunikationswege setzt.
Landesförderung mit politischem Gewicht
Der Aufbau des Gesundheitszentrums wurde durch Landesmittel und eine Leader-Förderung mit insgesamt mehr als 2,6 Millionen Euro unterstützt. Diese substantielle finanzielle Beteiligung des Landes Mecklenburg-Vorpommern unterstreicht die politische Bedeutung des Projekts.
Staatssekretärin Sylvia Grimm hob in ihrer Eröffnungsrede besonders die Vorteile für Patienten hervor: "Egal ob für die haus- oder fachärztliche Betreuung, für die Apotheke oder für Physiotherapie – ein einzelner Weg führt zum Ziel." Damit adressierte sie ein zentrales Problem ländlicher Regionen, wo chronisch Kranke, ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität oft weite Strecken zwischen verschiedenen Fachärzten zurücklegen müssen.
Attraktivität für Mediziner als Schlüsselfaktor
Ein besonderer Fokus liegt auf der Attraktivität des Modells für Ärztinnen und Ärzte. Das Zentrum bietet:
- Unterstützung und kollegialen Austausch statt Einsamkeit einer Einzelpraxis
- Interdisziplinäre Arbeitsmöglichkeiten
- Teilzeitmodelle und flexible Strukturen
- Moderne Infrastruktur mit Online-Terminbuchung
Gerade für jüngere Ärztegenerationen, die häufig das Risiko und die Isolation einer Landarztpraxis scheuen, schafft das Altentreptower Modell attraktive Alternativen. Dies ist von besonderer Relevanz angesichts der alarmierenden Zahlen: In Mecklenburg-Vorpommern sind bereits 77 von über 1.000 Hausarztstellen unbesetzt, mit steigender Tendenz, da ein Großteil der aktiven Landärzte in den kommenden Jahren in Rente geht.
Ein anderer Weg gegen den Ärztemangel
Während bundesweit jährlich etwa 5.000 Mediziner fehlen und Gegenmaßnahmen wie die Landarztquote – die seit 2020 acht Prozent der Medizinstudienplätze in MV für künftige Landärzte reserviert – kaum Wirkung zeigen, setzt Altentreptow auf einen innovativen Ansatz. Statt passiv auf Nachwuchs zu warten, schafft die Stadtambulanz aktiv attraktive Strukturen, die Ärzte anziehen und halten sollen.
Die Initiatoren beschreiben ihr Haus als "verlässlichen Anlaufpunkt" und zugleich als "Leuchtturmprojekt für die Region". Ob dieser ambitionierte Anspruch in der Praxis eingelöst werden kann, werden die kommenden Monate zeigen. Sicher ist jedoch, dass Altentreptow mit seiner Stadtambulanz einen mutigen Schritt zur Sicherung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum gewagt hat – ein Modell, das Schule machen könnte.



