Thüringer Kommunen setzen auf finanzielle Anreize gegen Ärztemangel
In Thüringen verschärft sich die Situation um unbesetzte Arztpraxen zunehmend, da ausscheidende Mediziner häufig keine Nachfolger finden. Besonders betroffene Kommunen reagieren nun mit einem innovativen Ansatz: Sie vergeben attraktive Stipendien an Medizinstudierende, um diese langfristig an ihre Region zu binden.
Sieben Kommunen mit eigenen Förderprogrammen
Insgesamt sechs Landkreise und eine kreisfreie Stadt in Thüringen haben mittlerweile Stipendienprogramme für angehende Ärztinnen und Ärzte aufgelegt. Zu diesen gehören die Landkreise Sonneberg, Schmalkalden-Meiningen, Gotha, Altenburger Land, Greiz und Kyffhäuser sowie die Stadt Gera. Diese Informationen gehen aus einer aktuellen Übersicht der Kassenärztlichen Vereinigung hervor.
Die Programme richten sich vorrangig an künftige Haus- und Fachärzte, in einigen Regionen werden auch Zahnmedizinstudierende berücksichtigt. Gefördert werden können sowohl Studienanfänger als teilweise auch bereits immatrikulierte Studierende, die sich im Gegenzug verpflichten, nach ihrem Facharztabschluss mehrere Jahre in der jeweiligen Region tätig zu sein.
Ergänzung zum bestehenden Thüringen-Stipendium
Die kommunalen Angebote stellen eine wichtige Ergänzung zum seit über fünfzehn Jahren existierenden „Thüringen-Stipendium“ dar. Diese von der Stiftung ambulante ärztliche Versorgung Thüringen getragene Initiative unterstützt Medizinabsolventen während ihrer Facharztweiterbildung – vorausgesetzt, sie verpflichten sich, anschließend mindestens vier Jahre in Thüringen zu arbeiten.
Bisher hat die von Kassenärztlicher Vereinigung und Land getragene Stiftung mehr als vier Millionen Euro für dieses Programm aufgebracht. Allein im Jahr 2025 wurden 42 Stipendiatinnen und Stipendiaten gefördert.
Attraktive finanzielle Unterstützung bis zu 1.000 Euro monatlich
Während das landesweite Thüringen-Stipendium monatlich 250 Euro pro Person auszahlt, locken die Kommunen mit deutlich höheren Beträgen. Die Förderspannen reichen von 500 bis zu 1.000 Euro im Monat, wobei der Höchstbetrag aktuell im Landkreis Greiz gewährt wird.
Renate Matthes vom Verein für Gesundheit und Soziales betont, dass diese Summen insbesondere für Studierende an privaten Hochschulen eine entscheidende Entlastung darstellen, da dort Studiengebühren anfallen. Ihr Verein akquiriert Sponsorengelder für die Finanzierung des Stipendiums in Greiz.
Konkrete Beispiele zeigen die Bandbreite der Förderungen: Die Stadt Gera bietet bis zu drei Studierenden pro Kalenderjahr maximal fünf Jahre lang monatlich 750 Euro. Im Altenburger Land können seit dem Wintersemester 2024/25 bis zu zwei Studierende monatlich 600 Euro erhalten. Der Landkreis Sonneberg an der thüringisch-bayerischen Grenze hat seine Förderung jüngst von 300 auf 500 Euro monatlich erhöht und unterstützt derzeit eine Stipendiatin.
Akuter Bedarf: Rund 100 Hausarztsitze vakant
Alle Kommunen mit eigenen Stipendienprogrammen zählen bereits jetzt zu den Engpass-Regionen bei der Hausarztversorgung in Thüringen. Die Zahlen verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf: Im Altenburger Land sind aktuell acht Hausarztsitze unbesetzt, in Gera sieben und im angrenzenden Landkreis Greiz acht. Im Kreis Gotha und im Kyffhäuserkreis könnten jeweils sechs Hausarztsitze neu vergeben werden.
Thüringenweit werden derzeit etwa 100 Hausärztinnen und Hausärzte gesucht. Die längsten Erfahrungen mit einem kommunalen Medizinstipendium hat der Landkreis Schmalkalden-Meiningen, der sein Programm bereits seit 2022 betreibt und inzwischen acht Studierende aus der Region fördert.
Diese gezielten finanziellen Anreize sollen dazu beitragen, den medizinischen Nachwuchs in strukturschwachen Regionen zu halten und so die flächendeckende Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern.



