Gut fünf Monate nach einem Gerangel an einem AfD-Infostand in Oberbayern hat sich der Fall überraschend gewendet: Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt nun nicht mehr gegen die drei mutmaßlichen Angreifer, sondern gegen das vermeintliche Opfer. Der damalige AfD-Bürgermeisterkandidat Michael Maurer aus Rott am Inn steht im Verdacht der falschen Verdächtigung, wie die Behörde mitteilte.
Staatsanwaltschaft sieht Anhaltspunkte für Straftat
Die Ermittlungen wegen Körperverletzung gegen die drei Männer, die Maurer nach dem Vorfall angezeigt hatte, wurden eingestellt. Stattdessen gebe es nun Anhaltspunkte, dass Maurer selbst eine verfolgbare Straftat begangen haben könnte, so die Staatsanwaltschaft. Das Verfahren gegen den 47-Jährigen stehe jedoch noch ganz am Anfang; die Ergebnisse würden vor einem Abschluss sorgfältig geprüft.
Maurer selbst wollte sich auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht zu dem Verfahren äußern. Er kenne die konkreten Vorwürfe nicht, wolle die Sache aber „auf sich beruhen lassen“. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Video wirft Zweifel an AfD-Darstellung auf
Schon früh waren an der von der AfD zunächst verbreiteten Version der Ereignisse vom 28. Februar Zweifel aufgekommen. Videoaufnahmen vom Rosenheimer Infostand, die in Umlauf kamen, zeigen ein Gerangel zwischen mehreren AfD-Politikern und linken Aktivisten um ein Banner. Darauf ist zu sehen, wie Maurer zu Boden geht und sich das Knie hält – jedoch ohne dass ein direkter Angriff von außen erkennbar ist.
Die Staatsanwaltschaft schildert den Vorfall nun so: Der AfD-Kandidat habe sich für einen kurzen Moment an der Rangelei beteiligt, dann sein Gleichgewicht verloren und sei nach vorn zu Boden gefallen. „Eine aktive Einwirkung auf den Kandidaten durch eine andere Person ist nicht festzustellen“, sagte eine Behördensprecherin.
Linke Aktivisten verhielten sich passiv
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde Maurer weder ein Bein gestellt noch wurde er am Boden liegend angegriffen. Die der linken Szene zuzuordnenden Menschen hätten sich vielmehr passiv verhalten und sich von Maurer entfernt. Zwei unbeteiligte Zeuginnen hätten diese Darstellung bestätigt.
Der AfD-Landtagsabgeordnete und Rosenheimer Kreisverbandschef Andreas Winhart hatte nach Bekanntwerden des Videos erklärt, Maurer sei vorrangig durch das Ziehen und Drücken der Gegenseite zu Fall gekommen. Für eine Stellungnahme zum aktuellen Ermittlungsstand war Winhart zunächst nicht erreichbar.



