Proteste in Belfast eskalieren nach Messerangriff-Video
In der nordirischen Hauptstadt Belfast sind bei Protesten gegen Einwanderung mehrere Fahrzeuge in Brand gesetzt worden, darunter ein Bus. Hunderte Menschen hatten sich versammelt, nachdem ein Video eines brutalen Messerangriffs im Internet kursierte. Britische Rechtsextreme hatten zu den Demonstrationen aufgerufen.
Luftaufnahmen des Nachrichtensenders Sky News zeigten schwarze Rauchsäulen über mehreren Stadtteilen. Auch in anderen Städten Nordirlands kam es zu ähnlichen Protesten, wie die BBC berichtete.
Hintergrund: Messerangriff und mutmaßlicher Täter
Anlass der Proteste war ein Messerangriff vom Vortag, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde. Die Polizei identifizierte den mutmaßlichen Täter als 30-jährigen Sudanesen. Er wurde wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Todesdrohungen angeklagt.
Ein im Netz verbreitetes Video zeigt den Angreifer, der auf einem blutüberströmten Opfer sitzt und mit einem Messer auf ihn einsticht. Zwischendurch ruft er etwas und hebt das Messer. Passanten versuchen schließlich, den Angreifer von seinem Opfer zu trennen.
Die Polizei bat die Bevölkerung, das Video nicht weiterzuverbreiten und sich nicht von Social-Media-Inhalten aufstacheln zu lassen. Nordirlands Polizeichef Jon Boutcher rief zur Besonnenheit auf und betonte, dass es bislang keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe.
Reaktionen aus der Politik
Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte die Tat scharf. Auf der Plattform X schrieb er: „Der furchtbare Angriff in Belfast ist widerwärtig. Ich habe absolut keine Toleranz für entsetzliche Szenen der Gewalt wie diese auf unseren Straßen.“ Auch nordirische Politiker verschiedener Parteien warnten vor Ausschreitungen.
Großbritannien hatte bereits im Sommer 2024 heftige rassistisch motivierte Ausschreitungen erlebt. Erst in der vergangenen Woche kam es in der südenglischen Stadt Southampton zu Krawallen, nachdem Bodycam-Aufnahmen einen Polizeifehler bei einer tödlichen Messerattacke gezeigt hatten. Damals war ein Student aus der Sikh-Gemeinschaft fälschlicherweise als Opfer eines rassistischen Übergriffs dargestellt worden, während das eigentliche Opfer Henry Nowak starb, nachdem er „I can’t breathe“ gerufen hatte. Auch in Southampton gingen Menschen gegen Einwanderung auf die Straße.



