Die Bundesanwaltschaft wird die Ermittlungen zu dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) übernehmen. Das kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig an. Der Vorfall ereignete sich am Samstagabend, als ein Auto in eine Menschenmenge fuhr und eine Frau tötete. 29 weitere Menschen wurden verletzt, ihr Zustand ist nach Polizeiangaben nicht mehr lebensbedrohlich.
Islamistischer Hintergrund bestätigt
„Der Innenminister hat bereits mitgeteilt, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handelt. Der Generalbundesanwalt wird die Ermittlungen übernehmen“, sagte die SPD-Politikerin. „Natürlich werden wir die Verantwortlichen mit aller Härte verfolgen und dann auch vor ein Gericht stellen.“ Noch ist die Berliner Generalstaatsanwaltschaft zuständig, doch die Zuständigkeit wechselt bald zur obersten Anklagebehörde Deutschlands.
Der Generalbundesanwalt ist unter anderem für Fälle von islamistisch motiviertem Terrorismus zuständig und kann Verfahren mit besonderer Bedeutung an sich ziehen. Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verließ der Fahrer nach der Tat das Auto und floh. Er sei mutmaßlich auch mit einer Machete auf Passanten losgegangen. Der Mann habe sich radikalisiert und gehöre der islamistischen Szene an.
Täterdetails und Vorstrafen
Der Tatverdächtige, 2005 in Deutschland geboren, ist deutscher Staatsbürger mit libanesischem Hintergrund; seine Mutter wurde 2002 eingebürgert. Dobrindt erklärte, der Beschuldigte sei bereits zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft habe dagegen Beschwerde eingelegt.
Die Bundesanwaltschaft unterscheidet bei ihren Verfahren zwischen Personen, die in Deutschland islamistisch motivierte Anschläge begangen oder geplant haben, und solchen, die im In- oder Ausland für eine Terrororganisation tätig waren. „Das Spektrum reicht vom individuell radikalisierten Täter bis zu konspirativ agierenden Terrorzellen“, heißt es auf der Behördenwebsite.
Bedrohungslage in Deutschland
Das Bundesamt für Verfassungsschutz zählte im vergangenen Jahr 28.645 Menschen der Islamismus-Szene zu (2024: 28.280). Als gewaltorientiert gelten rund 9.110 Personen (2024: 9.540). „Die Gefährdung durch den islamistischen Terrorismus in Deutschland ist anhaltend hoch“, so der Verfassungsschutz. Die Anschläge von 2025 in Berlin, Bielefeld, Essen und München unterstreichen die Bedrohung durch dschihadistische Akteure.
Der CSD wurde nach der Tat am Samstagabend abgebrochen. Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft sollen nun die genauen Hintergründe und mögliche Netzwerke des Täters klären.



