Früherer Fifa-Reformer Mark Pieth rechnet mit Gianni Infantino ab
Fifa-Reformer Pieth rechnet mit Infantino ab

Pieth über Infantino: „Er denkt, über ihm ist nur noch Gott“

Der frühere Fifa-Reformer und Schweizer Strafrechtler Mark Pieth hat sich in einem Interview scharf gegen den amtierenden Fifa-Präsidenten Gianni Infantino ausgesprochen. Pieth, der einst die unabhängige Ethikkommission des Weltfußballverbands mit aufbaute, zeigte sich dabei überrascht über die späte Kritik von Infantinos Vorgänger Joseph Blatter an dessen Nachfolger.

„Ich finde es belustigend“, sagte Pieth mit Blick auf die jüngsten Äußerungen Blatters, der Infantino zunehmend kritisch gegenübersteht. „Joseph Blatter schließt sich immer mehr meiner Meinung an. Das hat damit zu tun, dass ihn Gianni Infantino nicht freundlich behandelt hat und er merkt, was in der Fifa alles schiefläuft. Es ist die späte Erkenntnis des Joseph Blatter.“

Infantinos Machtstellung innerhalb der Fifa

Pieth, der Blatter während dessen Amtszeit als „Sonnenkönig“ bezeichnet hatte, sieht bei Infantino ähnliche Allmachtsfantasien. „Er denkt, über ihm ist nur noch Gott“, sagte der Strafrechtler. Infantino sei trotz massiver Kritik an seiner Amtsführung derzeit nicht ernsthaft gefährdet. Der Schweizer habe die Verbandsstrukturen so umgebaut, dass er kaum angreifbar sei.

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„Bislang muss Infantino nicht um seinen Job fürchten“, so Pieth. Die Kontrollmechanismen innerhalb der Fifa seien geschwächt worden. Die von Pieth mitentwickelte unabhängige Ethikkommission sei unter Infantino entmachtet worden. Kritiker werfen dem Fifa-Chef vor, die Reformen nach den Korruptionsskandalen von 2015 rückgängig zu machen.

Wie Infantino doch noch gestürzt werden könnte

Dennoch sieht Pieth Möglichkeiten, Infantino zu Fall zu bringen. Dafür müssten jedoch mehrere Faktoren zusammenkommen. „Es bräuchte einen starken Druck von außen, etwa von Sponsoren oder nationalen Verbänden“, erklärte der Jurist. Zudem müssten die Strafverfolgungsbehörden in der Schweiz und in den USA ihre Ermittlungen gegen Infantino intensivieren.

Pieth betonte, dass Infantinos Position nicht unangreifbar sei. Die nächste Wahl des Fifa-Präsidenten stehe 2027 an. Bis dahin könnte sich die Stimmung weiter drehen. „Wenn die kritischen Stimmen lauter werden und die Justiz nachlegt, könnte Infantino ins Wanken geraten“, so Pieth.

Blatter und Pieth: Eine ungewöhnliche Allianz

Die Annäherung zwischen Pieth und Blatter ist bemerkenswert, da Pieth einst maßgeblich an Blatters Sturz beteiligt war. Blatter war 2015 nach Bekanntwerden massiver Korruptionsvorwürfe zurückgetreten. Pieth hatte ihn damals als „Sonnenkönig“ kritisiert, der den Verband autokratisch geführt habe.

Nun scheinen sich die beiden in ihrer Kritik an Infantino einig. Blatter hatte kürzlich in einem Interview gesagt, Infantino führe die Fifa in eine gefährliche Richtung. Pieth bestätigte diese Einschätzung: „Infantino hat die Reformen, die nach Blatters Abgang eingeleitet wurden, weitgehend rückgängig gemacht. Die Fifa ist wieder ein Ort der Intransparenz und der Machtkonzentration.“

Internationale Ermittlungen gegen Infantino

Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt bereits seit längerem gegen Infantino wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch und Geheimnisverrat. Auch in den USA laufen Untersuchungen. Pieth forderte eine konsequentere Verfolgung: „Die Justiz muss hier klare Signale setzen. Bislang tut sie sich schwer, gegen einen so mächtigen Mann vorzugehen.“

Sollte Infantino tatsächlich angeklagt werden, könnte dies seine Wiederwahl gefährden. Pieth hält einen Rücktritt vor der Wahl für möglich, wenn der Druck zu groß werde. „Infantino ist ein Machtmensch, aber er ist auch rational. Wenn er sieht, dass er nicht mehr gewinnen kann, könnte er gehen.“

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