Der Krieg zwischen den USA und dem Iran flammt erneut auf. Nach gegenseitigem Raketenbeschuss scheint der Waffenstillstand hinfällig. Ein Friedenswunder ist nicht in Sicht. Die wichtigste Ölschlagader der Welt, die Straße von Hormus, bleibt vom Iran blockiert. Dadurch klafft im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg eine Lücke bei den Ölexporten aus dem Golf von rund 14 Millionen Barrel pro Tag. Die Folgen sind hohe Benzinpreise, knapper Flugtreibstoff und ein Dämpfer für Europas Sommerurlaubssaison. Seit Kriegsbeginn stiegen die Preise an den Zapfsäulen um etwa zehn Prozent. Knappheiten beim Kerosin führten zu höheren Flugpreisen und Streichungen von Routen. Allein die Lufthansa hat 20.000 Kurzstreckenflüge bis Oktober gestrichen.
Ölnotausgänge aus dem Golf sollen ausgebaut werden
Da keine schnelle Verhandlungslösung absehbar ist, machen die Scheichs nun mit einem Plan B gegen die Hormus-Blockierer in Teheran mobil. Das Ziel: das Ölnadelöhr mit Umgehungsrouten eines Tages irrelevant zu machen und dem Mullah-Regime sein Machtmittel zu entreißen. Einige Notausgänge beim Ölstau haben sich bereits als belastbar erwiesen:
- Saudi-Arabien besitzt den wichtigsten Ausweichweg: die East-West-Pipeline quer durchs Land vom Golf zum Roten Meer.
- Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) nutzen die Habshan-Fujairah-Pipeline. Sie bringt Öl aus Abu Dhabi nach Fujairah am Golf von Oman, außerhalb der Hormus-Blockade. Eine zweite Pipeline nach Fujairah, die mehr Kapazität bringen soll, ist halb fertig.
- Im Irak gibt es im Norden eine kleinere Alternative: Über eine Pipeline-Route fließt Öl aus der Kurdenregion zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Das Volumen bleibt jedoch mit 250.000 Barrel pro Tag begrenzt. Deshalb plant der Irak mit der Basra-Haditha-Akaba-Pipeline einen echten Hormus-Bypass ins jordanische Akaba am Roten Meer.
- Kuwait verhandelt laut der Financial Times ebenfalls über neue Pipelines durch Saudi-Arabien und die Emirate.
Experte: Investitionen gegen Erpressung
Ex-US-Militärgeheimdienstler Michael Pregent sieht bereits einen breiteren Umbruch im Nahen Osten: „Die Golfstaaten investieren in Umgehungsrouten als strategisches Machtspiel gegen Teheran!“ Und weiter: „Sie investieren sich aus der Erpressbarkeit durch den Iran heraus!“ Rund um die Hormus-Krise entsteht damit eine neue Nahost-Ölordnung: Staaten mit Ausweichrouten profitieren, Exporteure ohne solche Alternativen – wie derzeit Katar oder Bahrain – stecken fest.
US-Energieexperte Clayton Seigle warnt dagegen: „Investitionen in neue Exportrouten sind ein Teil der Lösung, aber kein Allheilmittel.“ Denn auch die neue Infrastruktur sei anfällig für Attacken. Wirkliche Sicherheit entstehe erst „durch eine politische Entspannung mit Teheran“, argumentiert er. Auch Pregent räumt ein, dass viele Investitionen erst langfristig greifen. In naher Zukunft hält die Hormus-Krise den Ölpreisdruck hoch. Ob der Plan B also schon diesen Sommer rettet, ist unklar. Aber vielleicht den nächsten.



