Iran-Krieg eskaliert: USA stoßen an Grenzen – Waffenbestände schrumpfen
Iran-Krieg eskaliert: USA stoßen an Grenzen

In der Nacht auf Donnerstag haben die USA den Iran erneut angegriffen. Das US-Zentralkommando (Centcom) teilte auf der Plattform X mit, die Luftangriffe seien eine Reaktion auf versuchte iranische Angriffe auf US-Streitkräfte im Nahen Osten am Dienstag. US-Präsident Donald Trump hatte wenige Stunden zuvor einen Vergeltungsschlag angekündigt: „Wir werden sie sehr hart treffen, weil wir dran sind, sie zu treffen.“ Der Krieg zwischen Washington und Teheran geht damit in den sechsten Monat.

Schwindende Abwehrraketen gefährden US-Einsatz

Die Bestände an Abfangraketen der USA sinken rapide. Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) schätzt, dass vor Kriegsbeginn 2330 Patriot-Abfangraketen und 452 THAAD-Raketen im US-Bestand waren. Am 27. Juli sei der Bestand an Patriot-Raketen auf 759 bis 827 Stück und der an THAAD-Raketen auf 234 bis 278 Stück gesunken. In einer Analyse heißt es: „Die geschrumpften Bestände könnten die Vereinigten Staaten und ihre Koalitionspartner dazu zwingen, bei Abfangmanövern größere Risiken einzugehen.“ Es gebe keine guten Alternativen zu Patriots und THAADs für die Abwehr ballistischer Raketen.

US-Generalstabschef Dan Caine hatte Trump in einem vertraulichen Gespräch gewarnt, dass eine Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen gegen den Iran zwar machbar sei, jedoch zu einer gefährlichen Verknappung der Abfangraketen führen würde, die dem US-Zentralkommando zur Verfügung stünden. Trump habe daraufhin von einem geplanten kräftigen Schlag abgesehen, berichteten mehrere US-Medien übereinstimmend. Die US-Regierung bestreitet einen Zusammenhang zwischen der Entscheidung und den schwindenden Vorräten. Trump spielte das Problem herunter: „Wir haben jede Menge Munition, verschiedene Arten.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Hohe Kosten und steigende Verluste

Der Krieg kostet die USA immer mehr Geld. Verteidigungsminister Pete Hegseth bezifferte die Ausgaben für die Militäreinsätze seit Kriegsbeginn auf 37,5 Milliarden Dollar. Experten schätzen, dass die tatsächlichen Kosten noch höher liegen. Auch die Zahl der getöteten und verwundeten US-Soldaten steigt: Seit Ende Februar sind 18 US-Soldaten getötet und 624 verwundet worden. Die US-Regierung versuchte, die Zahlen zu beschönigen, indem sie vier während einer Waffenruhe vom Iran getötete Soldaten nicht mehr zu den im Iran-Krieg Gefallenen zählt. Offiziell gibt das Pentagon daher 14 statt 18 Tote an.

Trump hatte zu Kriegsbeginn mit einer Dauer von „vier bis fünf Wochen“ gerechnet. Nun wird der sich hinziehende Konflikt zunehmend zum Problem. In weniger als 100 Tagen finden wichtige Zwischenwahlen statt, und die Amerikaner sind unzufrieden mit Trumps Kriegsführung. In einer Umfrage sagten dies sogar ein Drittel der Republikaner-Anhänger.

Iran zeigt sich widerstandsfähig

Der Iran verfügt weiterhin über ein großes Raketenarsenal. Die Revolutionswächter und die Armee setzen laut Experten zielgenauere ballistische Raketen ein, mit denen sie schwere Schäden auf US-Basen verursachen. Zudem können sie Drohnen billiger und schneller produzieren als die USA. Auch mit wirtschaftlichem Druck sei der Iran nicht in die Knie zu zwingen, sagt Alex Vatanka vom Middle East Institute: „Der Iran hat eine höhere Schmerzgrenze“ als die USA. Das Land stehe seit fast 50 Jahren unter Sanktionen und wisse sich zu arrangieren.

Vermittlungsbemühungen des Oman zur Öffnung der Straße von Hormus drohen zu scheitern. Muskat schlug ein Konsortium aller Anrainerstaaten zur Erhebung von Gebühren vor – ähnlich der Regelung für die Straße von Malakka. Der Iran lehnt ab. Der stellvertretende Außenminister Kazem Gharibabadi erklärte, Teheran erkenne die jahrzehntelange Regelung nicht mehr an und wolle die vollständige Kontrolle über den Schiffsverkehr. „Der Iran wird keine andere Lösung akzeptieren“, sagte er in einem Fernsehinterview.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Milliarden für neue Kampfmittel

Die Trump-Regierung fordert Kampfmittel im Wert von 95 Milliarden Dollar im Verteidigungsbudget für das Haushaltsjahr 2027 und 21 Milliarden Dollar im Kriegsnachtragshaushalt. US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, sagte in einem Interview, Trump habe das Problem der aufgebrauchten Kampfmittel von Vorgänger Joe Biden übernommen, unter anderem wegen der Lieferung militärischen Equipments an die Ukraine. Das US-Militär verfüge über „alles, was es benötigt, um diesen Einsatz so effektiv durchzuführen, wie es erforderlich ist“.

CSIS-Experten warnen jedoch vor einem weiteren Risiko: „Verbrauchte Kampfmittel führen zu einem kurz- bis mittelfristigen Risiko für die US-Fähigkeit, einen Krieg gegen China im westlichen Pazifik zu führen.“ Die Forderungen der Trump-Regierung spiegelten diese Dringlichkeit wider.