Kim-Alexandra Leopold aus Leipzig erhielt erst im Erwachsenenalter die Diagnosen Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Autismus. Die 33-Jährige spricht offen über ihre Erfahrungen und darüber, wie sie die Doppeldiagnose heute in ihrem Beruf und als Mutter nutzt.
Das Gefühl, anders zu sein
Bereits in ihrer Kindheit und Jugend spürte Kim, dass sie sich von anderen unterschied. Doch eine Erklärung dafür fand sie erst spät. „Ich habe immer gespürt, dass ich anders bin“, sagt sie. Der Weg zur Diagnose war lang und steinig. Erst mit Mitte zwanzig begann sie, sich intensiver mit ihren Symptomen auseinanderzusetzen.
Stricken als Therapie
Eine wichtige Strategie im Umgang mit ihrer Neurodivergenz ist das Stricken. Die gleichmäßige Bewegung der Nadeln und des Wollfadens hilft ihr, ihre Gedanken zu ordnen. „Es ist, als würden sich die 1000 Tabs in meinem Kopf schließen“, beschreibt Kim die beruhigende Wirkung. Das Stricken stabilisiert ihr Nervensystem und verschafft ihr Momente der Ruhe in einem oft chaotischen Alltag.
Doppeldiagnose: Herausforderungen und Chancen
Die Kombination aus ADHS und Autismus bringt besondere Herausforderungen mit sich. Während ADHS oft mit Impulsivität und Unruhe einhergeht, führt Autismus zu einem erhöhten Bedürfnis nach Struktur und Routine. Kim hat gelernt, diese Gegensätze zu balancieren. Sie nutzt ihre Hyperfokus-Fähigkeiten, um sich intensiv mit Themen zu beschäftigen, und schafft gleichzeitig feste Rituale, um Überreizung zu vermeiden.
Akzeptanz und Stärke
Die Diagnose war für Kim eine Erleichterung. Endlich hatte sie eine Erklärung für ihre Besonderheiten. „Es hat mir sehr geholfen, mich selbst besser zu verstehen“, erklärt sie. Heute sieht sie ihre Neurodivergenz nicht mehr als Schwäche, sondern als Teil ihrer Identität. Im Beruf und als Mutter hat sie Strategien entwickelt, die ihr helfen, ihre Stärken auszuspielen und mit den Herausforderungen umzugehen.
Kim ermutigt andere, die ähnliche Erfahrungen machen, sich frühzeitig Hilfe zu suchen. „Jeder Mensch ist einzigartig, und eine Diagnose kann der erste Schritt sein, um sich selbst zu akzeptieren“, sagt sie. Ihr Ziel ist es, das Bewusstsein für Spätdiagnosen bei ADHS und Autismus zu schärfen und Vorurteile abzubauen.



