Verhandlungen zwischen Iran und USA: Pakistan meldet Einigung über Abkommenstext
Mehr als drei Monate nach Beginn des Irankriegs rückt ein Abkommen zwischen Washington und Teheran zur Beendigung der Kämpfe in greifbare Nähe. Laut der pakistanischen Regierung, die zwischen den Konfliktparteien vermittelt, haben sich Vertreter aus Washington und Teheran auf einen Abkommenstext verständigt. „Wir können bestätigen, dass ein endgültiger, von allen Seiten abgestimmter Text des Friedensabkommens erreicht wurde“, schrieb Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif auf der Plattform X. Pakistan arbeite nun eng mit beiden Seiten zusammen, um die nächsten Schritte zu finalisieren.
Iranischer Außenminister: „Iran ist der Gewinner des Kriegs mit den USA“
US-Präsident Donald Trump hatte bereits am Donnerstag Hoffnungen geweckt, dass es in den bislang zähen Verhandlungen über ein Rahmenabkommen einen Durchbruch geben könnte. In der Nacht zum Samstag äußerte sich auch der iranische Außenminister Abbas Araghchi optimistisch: „Sobald die letzten Phasen unserer Verhandlungen abgeschlossen sind, wird dieses Abkommen unterzeichnet und bekannt gegeben“, sagte Araghchi im iranischen Staatsfernsehen. „Iran ist der Gewinner des Kriegs mit den USA“, verkündete er. Die Unterzeichnung des Abkommens werde „zunächst digital“ erfolgen, kündigte Araghchi an. „Jede Seite wird remote unterschreiben. Das könne in den kommenden Tagen passieren.“ Er sei „sehr zuversichtlich“.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, ein Vertrag könne am Sonntag von US-Vizepräsident JD Vance und dem Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Bagher Ghalibaf, unterzeichnet werden. Als wahrscheinlicher Ort dafür gelte Genf.
Seeblockade soll enden
Ein aktueller Entwurf des Abkommens zwischen Teheran und Washington sehe die Aufhebung der US-Blockade iranischer Häfen vor, so Irans Außenminister. „Die Seeblockade muss vollständig aufgehoben werden“, sagte er. „Das ist der erste Punkt, der in dem Abkommen erwähnt wird.“ Zudem behandelt der Entwurf Araghchi zufolge die strategisch wichtige Straße von Hormus. „Iran hat die feste Entscheidung getroffen, dass die Verwaltung der Straße von Hormus nicht mehr so sein wird wie zuvor“, sagte er. Diesbezüglich würden weiterhin Gespräche mit Oman geführt. „Unser Schwert wird immer über der Straße von Hormus hängen“, erklärte Araghchi.
Zur Frage des iranischen Atomprogramms sagte Araghchi, Einzelheiten würden innerhalb einer Frist von 60 Tagen nach Unterzeichnung der Vereinbarung erörtert werden. „Unsere Position war stets, dass der einzige Weg, mit dem Vorrat an angereichertem Material umzugehen, darin besteht, ihn innerhalb Irans zu verdünnen“, sagte er mit Blick auf angereichertes Uran in Iran. Ob die von Araghchi genannten Details zum Abkommen tatsächlich stimmen, lässt sich derzeit nicht überprüfen. Beide Konfliktparteien hatten in den vergangenen Tagen immer wieder einzelne Punkte des angeblichen Deals öffentlich gemacht, woraufhin die andere Seite diese sofort dementierte.
US-Armee schießt iranische Drohnen ab
Friedlich blieb es in der Nacht nicht, trotz offenbar laufender Verhandlungen. Die US-Streitkräfte berichten vom Abschuss mehrerer iranischer Drohnen, die Handelsschiffe in der Straße von Hormus bedroht haben sollen. Iran habe die Angriffsdrohnen gestartet, um „Handelsschiffe anzugreifen, die die Straße von Hormus passieren“, teilte das für die Golfregion zuständige US-Regionalkommando Centcom am Freitagabend im Onlinedienst X mit. Alle Drohnen seien abgeschossen worden, die Meerenge sei für die Durchfahrt von Schiffen weiterhin „offen“.
Die Straße von Hormus liegt zwischen dem Golf von Oman und dem Persischen Golf. Iran hatte die insbesondere für den Handel mit Öl und Flüssiggas wichtige Meerenge nach Beginn des Krieges mit den USA und Israel Ende Februar weitestgehend blockiert. Die USA verhängten ihrerseits eine Seeblockade gegen iranische Häfen. Immer wieder werden in der Region Schiffe angegriffen. Die Führung in Teheran gab zuletzt die „komplette“ Schließung der Meerenge bekannt, dem widersprach die US-Armee. Trotz einer seit Anfang April geltenden Waffenruhe und laufender Friedensverhandlungen hatte es in den vergangenen Tagen intensive gegenseitige Angriffe gegeben. Das US-Militär griff Ziele in Iran an, Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte in Bahrain, Jordanien und Kuwait.



