Ivanka Trump plant Luxus-Resort auf albanischer Insel Sazan
Ivanka Trump: Luxus-Resort auf albanischer Insel Sazan

Washington. Gemeinsam mit ihrem Mann Jared Kushner will die Tochter des US-Präsidenten die Insel Sazan in ein touristisches Nobel-Resort verwandeln. Von Dirk Hautkapp, Korrespondent in Washington

Ivanka Trump hat die Insel im Bikini gefunden. So ungefähr erzählt sie es jedenfalls in einem neuen, reichlich ätherisch geratenen Internetauftritt, der nach Meersalz, Selbstverwirklichung und sehr viel Geld klingt. Sie, die Tochter des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, und ihr Mann Jared Kushner, der regelmäßig als Sonder-Emissär für seinen Schwiegervater im Weißen Haus und die eigene Investment-Firmenkasse um die Welt fliegt, arbeiten an einem „unglaublichen Projekt im Mittelmeer“. Man habe von einem Boot aus gebadet, sei hinübergeschwommen, hinaufgestiegen und „einfach überwältigt“ gewesen – dauerhaft. Nun sollen „einige der größten lebenden Architekten unserer Zeit“ helfen, das Potenzial des Ortes zu heben – „mit viel Zurückhaltung und Sorgfalt, weil das Land so schön ist“.

Die Insel Sazan: Vom Militärstützpunkt zum Luxus-Resort

Das Stück Land heißt Sazan. Es liegt vor dem albanischen Vlora, dort, wo Adria und Ionisches Meer ineinander übergehen. Es war lange Sperrgebiet, erst italienischer Vorposten, dann U-Boot- und Bunkerinsel des kommunistischen Albanien, später ein halb vergessenes Militärmuseum unter freiem Himmel. Zivilisten kamen kaum hin. Es gibt alte Kasernen, Tunnel, Rost, Munitionsreste und mediterrane Verwilderung, die auf Werbebildern gern „unberührt“ genannt wird. Die Insel selbst ist nur etwa 5,7 Quadratkilometer groß, doch ihr Symbolwert ist größer. In der Karaburun-Sazan-Meeresparkzone wachsen seltene Pflanzen; die Buchten dienten lange der Marine, nicht dem Markt. Was für Investoren eine leere Projektionsfläche ist, ist für Historiker ein Archiv des Kalten Krieges und für Naturschützer ein Restbestand mediterraner Wildnis. Es ist ein kleiner Ort auf der Karte, aber ein sehr großer Test.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Investition von 1,4 Milliarden Euro und strategischer Investor

Aus diesem Ort soll nun, so das Ehepaar Kushner seinen Willen bekommt, ein Luxusressort werden. Die albanische Regierung hat Kushners Firma Atlantic Incubation Partners den Status eines „strategischen Investors“ verliehen. Die Investition wird mit rund 1,4 Milliarden Euro beziffert. Nach Regierungsunterlagen geht es auf Sazan um 45 Hektar Bebauung; der Staat soll über eine gemeinsame Gesellschaft beteiligt sein. Ministerpräsident Edi Rama verspricht Arbeit, Glanz und den Sprung Albaniens in die Liga der teuren Mittelmeerziele. Man könnte sagen: Monaco II, auferstanden aus Bunker-Ruinen. Doch die Idylle hat einen Zaun.

Proteste und Widerstand vor Ort

Die Proteste entzünden sich nicht nur an Sazan, sondern auch an den mit Kushners Plänen verknüpften Flächen bei Zvërnec und Pishë Poro in der Vjosa-Narta-Landschaft. Dort stehen Lagune, Dünen, Schildkrötenstrände, Flamingos, Pelikane und Mönchsrobben gegen Baggerlogik und Hotelphantasien. Anwohner und Umweltgruppen sprechen von einer Privatisierung der Küste. Auf einem Plakat stand: „Vlora gehört Albanien! Nicht der Mafia, nicht der Oligarchie.“ Seit Ende Mai ist der Streit rauer geworden. Nachdem Stacheldrahtzäune den Zugang zu einem Strand blockierten, kam es zu Zusammenstößen zwischen Aktivisten und privaten Sicherheitsleuten. Videos sollen zeigen, wie Demonstranten geschlagen und weggezerrt werden. In Tirana gingen daraufhin Tausende auf die Straße, unter dem Slogan: „Albanien steht nicht zum Verkauf.“ Die Polizei leitete Verfahren gegen mehrere Beteiligte ein. Regierungschef Rama verteidigte das Vorhaben und sagte, ein endgültiger Antrag liege noch nicht vor; auch die Umweltverträglichkeitsprüfung sei nicht abgeschlossen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Rechtliche und ökologische Bedenken

Das klingt beruhigend, aber nur bis man die Aktenlage genauer anschaut. Medien-Recherchen beschreiben hinter dem Zvërnec-Projekt ein Geflecht aus Offshore-Strukturen, anonymen wirtschaftlich Berechtigten, alten Eigentumsstreitigkeiten und Figuren mit fragwürdiger Vergangenheit. Die albanische Spezialstaatsanwaltschaft SPAK prüft inzwischen Änderungen aus 2024 am Schutzstatus und an Eigentumsfragen der Vjosa-Narta-Zone. Es geht nicht um ein Urteil, sondern um einen Verdacht: Wurde Natur erst herabgestuft, damit später gebaut werden kann? Auch die Europa-Zentrale Brüssel schaut hin, allerdings mit der diskreten Energie einer Behörde, die niemanden aufwecken möchte. Die EU-Kommission erklärte im Mai, sie beobachte die Entwicklung in Pishë Poro-Narta „genau“. Für Albaniens EU-Beitritt, Kapitel Umwelt, sei entscheidend, dass künftige Naturgebiete geschützt und Lebensräume nicht verschlechtert werden. Das ist freundlich formuliert. Gemeint ist laut Insidern: „Wer europäische Regeln will, sollte Schutzgebiete nicht wie Reserveflächen für Fünf-Sterne-Träume behandeln.“

Politische Dimension und Kritik

Kushners Balkan-Geschäfte sind ohnehin politisch aufgeladen. Seine Investmentfirma Affinity Partners verwaltet Geld aus dem Nahen Osten, unter anderem aus Saudi-Arabien. In Serbien wollte Kushner ein bombardiertes Armeeareal in Belgrad entwickeln; dort wurde das Projekt von Protesten und Fragen zur Rechtmäßigkeit eingeholt. In Albanien kommt hinzu, dass Trumps Schwiegersohn privat verdient, während sein Schwiegervater wieder im Weißen Haus sitzt. Kushner und die albanische Regierung weisen den Verdacht politischer Bevorzugung zurück. Für Edi Rama ist das Projekt ein Versprechen: Albanien soll nicht länger billiger Geheimtipp sein, sondern Premiumadresse. Für viele Gegner ist es ein Symbol für das Gegenteil: ein armes Land, das seine schönsten öffentlichen Räume den Reichsten der Welt überlässt.

Ivanka Trump spricht von Schönheit, Zurückhaltung und Sorgfalt. Das sind erhabene Wörter. In Sazan und Zvërnec müssen sie nun gegen Stacheldraht, Offshore-Firmen, Umweltschutzrecht und albanische Wut bestehen. Abwarten, was davon tragfähiger ist: die Sprache der verzückten Präsidententochter oder der Beton.