Sechs Republikaner rebellieren gegen Trumps Zollpolitik – Weißes Haus reagiert mit Drohungen
Republikaner rebellieren gegen Trumps Zollpolitik

Rebellion in den eigenen Reihen: Republikaner stellen sich gegen Trumps Zollpolitik

In einer seltenen Demonstration innerparteilichen Widerstands haben sich sechs republikanische Abgeordnete gegen die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump gegenüber Kanada gestellt. Die Abweichler sorgten im Repräsentantenhaus für eine knappe Abstimmungsniederlage der Präsidiallinie, die Trump umgehend mit deutlichen Drohungen quittierte.

Symbolischer Sieg mit politischem Gewicht

Die Republikaner Thomas Massie, Don Bacon, Kevin Kiley, Jeff Hurd, Brian Fitzpatrick und Dan Newhouse schlossen sich den Demokraten an und ermöglichten so die Annahme des Vorstoßes mit 219 zu 211 Stimmen. Obwohl der Schritt letztlich nur symbolischen Charakter trägt – Trump kann sein Veto einlegen und wird dies mit Sicherheit tun – markiert er eine bemerkenswerte Grenzüberschreitung in der normalerweise disziplinierten republikanischen Fraktion.

„Jeder Republikaner, der sich im Haus oder im Senat gegen ZÖLLE stellt, muss mit den Konsequenzen leben, wenn gewählt wird. Das schließt Vorwahlen mit ein“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social in einer für ihn typischen Reaktion. Der Präsident bedient sich damit einer bewährten Strategie: Abweichler werden mit der Aufstellung konkurrierender Kandidaten in Vorwahlen unter Druck gesetzt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Schadensbegrenzung und tatsächliche Empörung

Mike Johnson, der Sprecher des Repräsentantenhauses, versuchte nach der Abstimmung zunächst, die Wogen zu glätten. Gegenüber CNN betonte er, Trump sei „nicht wütend“ über den Widerstand in den eigenen Reihen. „Ich komme gerade aus dem Weißen Haus. Trump versteht, was passiert. Er wird seine Politik nicht verändern“, so Johnsons Beschwichtigungsversuch.

Doch Trumps eigene Äußerungen ließen wenig Raum für diese Interpretation. Die deutliche Drohung gegen die sechs Abweichler zeigt, dass der Präsident die Rebellion keineswegs gleichgültig hinnimmt. Interessant ist dabei, dass die Situation für Trump noch deutlich unangenehmer hätte verlaufen können: Don Bacon hatte laut CNN vor der Abstimmung von bis zu 30 möglichen Abweichlern in den republikanischen Reihen gesprochen. Intensive Lobbyarbeit durch Johnson reduzierte diese Zahl schließlich auf die sechs tatsächlichen Rebellen.

Gründe für die wachsende Unruhe

Mehrere Faktoren könnten die zunehmende Bereitschaft einiger Republikaner erklären, sich gegen die Präsidiallinie zu stellen:

  • Die im November anstehenden Midterm-Wahlen, bei denen republikanische Mehrheiten gefährdet sein könnten
  • Trumps verfassungsmäßig bedingtes Ausscheiden nach der Präsidentschaftswahl 2028, was seine Macht langfristig schwächen könnte
  • Wachsende Bedenken bezüglich der wirtschaftlichen Auswirkungen der aggressiven Zollpolitik

„Trump muss einsehen, dass wir Sachen nicht nur einfach durchwinken“, kommentierte Don Bacon die Abstimmung. Diese Aussage ist besonders bemerkenswert, da der republikanisch dominierte Kongress bisher genau diese Linie verfolgt hatte – Widerstand gegen Trump suchte man meist vergeblich.

Eskalation im Handelsstreit mit Kanada

Die aktuelle Abstimmung findet vor dem Hintergrund einer sich zuspitzenden Handelskonfrontation mit Kanada statt. Trump hatte Anfang Februar mit neuen Strafzöllen in Höhe von 50 Prozent für den Import kanadischer Flugzeuge gedroht. Zudem kündigte er an, sämtlichen Maschinen des kanadischen Flugzeugbauers Bombardier und anderen dort produzierten Jets die US-Genehmigung zu entziehen.

Als Begründung führte Trump den Umgang kanadischer Behörden mit dem US-Hersteller Gulfstream an. Kanada habe mehreren Modellen des Bombardier-Konkurrenten keine Betriebsgenehmigungen erteilt, was de facto einem Verkaufsverbot gleichkomme. Sollte diese Praxis nicht „sofort korrigiert“ werden, werde er die zusätzliche Importgebühr verhängen, drohte der Präsident.

Diese jüngste Eskalation setzt eine Reihe von Konfrontationen mit dem nördlichen Nachbarn fort, die bereits mit Drohungen über Blockaden neuer Grenzbrücken und Strafzöllen von bis zu 100 Prozent begonnen hatte. Die sechs republikanischen Abweichler positionieren sich damit in einem zentralen außen- und wirtschaftspolitischen Feld des Präsidenten – ein Schritt, der in der bisherigen Amtszeit Trumps ohne Beispiel ist.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration