Der Empfang hätte freundlicher kaum sein können: Als Sergej Lawrow Anfang Juli in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba eintraf, dem Sitz der Afrikanischen Union (AU), wurde der russische Außenminister mit offenen Armen begrüßt. Strahlende Gesichter, warmes Händeschütteln, ein Strauß Blumen – das zeigen Bilder im Internet. Der Besuch war Teil einer mehrtägigen Afrikareise Lawrows, die ihn auch nach Ägypten, Uganda und in den Kongo führte. Ziel: Russlands Einfluss auf dem Kontinent weiter ausbauen.
Russlands langjährige Präsenz in Afrika
Moskau hat seine Aktivitäten in Afrika in den letzten Jahren kontinuierlich verstärkt. Neben diplomatischen Offensiven setzt Russland vor allem auf militärische Kooperationen und Wirtschaftsabkommen. So unterhält Russland Militärstützpunkte in mehreren Ländern, darunter die Zentralafrikanische Republik und Sudan. Die private Sicherheitsfirma Wagner Group, die enge Verbindungen zum Kreml hat, ist in zahlreichen afrikanischen Staaten aktiv – von Mali bis Mosambik. Laut Schätzungen von Experten sind mehrere tausend Wagner-Söldner auf dem Kontinent im Einsatz. Sie sichern Rohstoffvorkommen, bilden lokale Truppen aus und schützen russische Interessen.
Wirtschaftlich profitiert Russland von seinen Afrikabeziehungen vor allem durch Waffenexporte und Rohstoffdeals. Russland ist einer der größten Waffenlieferanten für Afrika. Zudem haben russische Unternehmen Zugang zu Gold, Diamanten, Uran und anderen Bodenschätzen. Die Afrikastrategie des Kremls zielt darauf ab, die Abhängigkeit von westlichen Märkten zu verringern und neue Absatzmärkte zu erschließen.
Die Ukraine versucht gegenzuhalten
Die Ukraine hat ihre Afrikadiplomatie in den letzten Jahren intensiviert. Nach dem russischen Überfall 2022 sucht Kiew verstärkt Unterstützung in Afrika – sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Außenminister Dmytro Kuleba unternahm 2023 mehrere Reisen auf den Kontinent, unter anderem nach Kenia, Äthiopien und Ghana. Ziel ist es, für die ukrainische Position im Krieg gegen Russland zu werben und afrikanische Länder von einer neutralen Haltung abzubringen.
Ein wichtiges Instrument ist die Getreideinitiative: Die Ukraine ist einer der größten Getreideexporteure der Welt. Viele afrikanische Länder sind auf ukrainische Lieferungen angewiesen. Kiew bemüht sich, trotz des Krieges die Exporte aufrechtzuerhalten, um Hungerkrisen zu verhindern und sich als verlässlicher Partner zu präsentieren. Zudem bietet die Ukraine technische Hilfe und Ausbildung für afrikanische Sicherheitskräfte an.
Erfolge und Herausforderungen
Russlands Einfluss in Afrika ist unbestritten. Viele afrikanische Regierungen schätzen die pragmatische Zusammenarbeit ohne politische Auflagen – im Gegensatz zu westlichen Partnern, die oft Menschenrechte und Demokratie einfordern. Allerdings gibt es auch Widerstand: In einigen Ländern wächst die Kritik an der Wagner Group und ihren Menschenrechtsverletzungen. Die Ukraine hat es schwer, gegen die russische Übermacht anzukommen. Bislang haben nur wenige afrikanische Staaten die russische Aggression verurteilt oder Sanktionen unterstützt. Viele verfolgen eine neutrale Position.
Laut einer Studie des Africa Center for Strategic Studies (ACSS) hat Russland zwischen 2015 und 2022 seine Militärpräsenz in Afrika um mehr als 50 Prozent ausgebaut. Die Ukraine hingegen startet von einem deutlich niedrigeren Niveau. Dennoch: Kiew kann auf historische Verbindungen verweisen – viele afrikanische Länder wurden während der Sowjetzeit von ukrainischen Ingenieuren und Ärzten unterstützt. Diese Netzwerke versucht die Ukraine nun zu reaktivieren.
Der Wettbewerb um Afrika wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Beide Länder brauchen den Kontinent – Russland zur Umgehung westlicher Sanktionen, die Ukraine zur Sicherung internationaler Unterstützung. Der Ausgang ist offen.



