Saudi-Arabien hat ein neues Militärbündnis zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer und der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab angekündigt. Der Schritt erfolgt nach gezielten Angriffen der jemenitischen Huthi-Miliz auf saudische Handelsschiffe in der vergangenen Woche. Die Allianz umfasst nach Angaben des saudischen Verteidigungsministeriums 14 Länder, darunter die Golfstaaten Kuwait, Katar und Bahrain sowie Pakistan, die Türkei, Ägypten und Jordanien. Das Bündnis solle die Freiheit der Schifffahrt sowie internationale Handelsrouten und die globale Energieversorgung schützen, teilte das Ministerium am Donnerstagabend nach einem Treffen in Riad mit.
Hintergrund der Bedrohung im Roten Meer
Die Huthi-Miliz, die weite Teile des Jemen kontrolliert, hatte bereits ab 2023 verstärkt Handelsschiffe im Roten Meer attackiert. Die Angriffe zwangen die internationale Gemeinschaft zum Handeln: Die EU-geführte Mission Aspides und der US-geführte Einsatz Prosperity Guardian wurden ins Leben gerufen, um die Schifffahrt zu sichern. Saudi-Arabien verfolgt mit seiner neuen Allianz nun einen eigenständigen regionalen Ansatz. Das Königreich ist aufgrund seiner massiven Ölexporte auf die Seewege angewiesen. Wegen der faktischen Blockade der Straße von Hormus durch den Iran pumpt Saudi-Arabien einen Teil seines Öls über eine Pipeline zum Roten Meer, doch auch dieser Exportweg wird durch die Huthi-Angriffe zunehmend unsicherer.
Ziele und Zusammensetzung des Bündnisses
„Sicherheit zur See ist eine gemeinsame Verantwortung“, teilte das saudische Verteidigungsministerium mit. Die Allianz setze auf gemeinsame Militäreinsätze, Planungen, Übungen und den Austausch von Geheimdienstinformationen. Sie sei in ihrer Natur jedoch „rein defensiv“ und richte sich nicht gegen einen Staat, ein anderes Bündnis oder eine internationale Organisation. Bemerkenswert ist, dass der Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate nicht zu den 14 Mitgliedern gehören, obwohl sie ähnliche Sicherheitsinteressen haben. Stattdessen versammelt das Bündnis die regionale Vierer-Gruppe (R4) aus Saudi-Arabien, Pakistan, Ägypten und der Türkei unter einem Dach. Diese vier Länder gelten als regionale Schwergewichte und stimmen sich zunehmend ab. Sie betrachten – in unterschiedlichem Maße – sowohl die Aktivitäten Israels als auch des Irans als Bedrohung in der Region.
Internationale Beteiligung und offene Türen
An dem Treffen in Riad am Donnerstag nahmen Vertreter aus mehr als 40 Ländern teil, darunter auch die EU-Delegation in Saudi-Arabien. Das saudische Verteidigungsministerium betonte, die Tür stehe weiteren Ländern offen. Die neue Allianz ergänzt bestehende internationale Bemühungen zur Sicherung des Roten Meeres, bleibt aber ein eigenständiges regionales Projekt mit dem Fokus auf den Schutz saudischer und verbündeter Interessen.
Die Ankündigung unterstreicht die wachsende Sorge Saudi-Arabiens um seine wirtschaftliche Infrastruktur. Das Königreich ist einer der größten Ölexporteure der Welt und sieht seine Einnahmen durch die Instabilität im Roten Meer gefährdet. Die Huthi-Miliz hat ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, den Schiffsverkehr in einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt zu stören. Mit der neuen Allianz will Riad ein klares Signal senden, dass es bereit ist, seine Interessen militärisch zu verteidigen, ohne dabei auf eine Eskalation mit dem Iran oder anderen Akteuren abzuzielen.



