Ljudmila Pawlitschenko: Stalins Scharfschützin mit 309 Abschüssen
Scharfschützin Pawlitschenko: 309 Abschüsse im Krieg

Ljudmila Michailowna Pawlitschenko, die erfolgreichste Scharfschützin aller Zeiten, tötete im Zweiten Weltkrieg 309 bestätigte Gegner. Die Sowjetführung schickte den Propaganda-Star aus der Region Kiew in die USA, um dort für den Kampf gegen Nazi-Deutschland zu werben.

Vom Schützenverein zur Legende

Pawlitschenko wurde am 12. Juli 1916 in der Region Kiew geboren. Während ihres Geschichtsstudiums in der ukrainischen Hauptstadt verbesserte sie ihre Fähigkeiten in einem Schützenverein und absolvierte eine Ausbildung zur Scharfschützin. Bei Kriegsausbruch wollte die Armee die junge Frau jedoch nicht aufnehmen. „Sie wollten keine Mädchen in die Armee aufnehmen, also musste ich auf alle möglichen Tricks zurückgreifen, um reinzukommen“, schrieb sie später.

Ihr erster Einsatz in der Nähe von Odessa war trotz ihres Talents nur ein halber Erfolg. Sie zielte auf zwei Offiziere in etwa 380 Metern Entfernung ab. „Ich traf das erste Ziel mit dem dritten Schuss und das zweite bei meinem vierten Versuch“, erinnerte sie sich. Am nächsten Tag kehrte sie zurück und tötete zehn Gegner an derselben Stelle.

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Meisterin der Tarnung

Pawlitschenko erwies sich als Meisterin der Tarnung und unerreichte Schützin. Nach einer Verwundung im Juni 1942 wurde sie von den Gefechten abgezogen und fortan zu Propagandazwecken eingesetzt. Ihre 309 Abschüsse erreichte sie in nur zehn Monaten. Anders als der berühmte finnische Scharfschütze Simo Häyhä oder sowjetische Kollegen wie Semyon Nomokonov und Wassili Saizew war Pawlitschenko keine geborene Jägerin. Sie lernte die Waffe durch die sowjetische Wehrertüchtigung kennen. In ihren Memoiren beschrieb sie den ersten Moment mit dem Gewehr wie eine Liebe auf den ersten Blick: „Ich empfand das kalte, kalte Metall des Laufes und des Abzugs als sehr angenehm.“

Nachdem sie sich kurz mit der Waffe vertraut gemacht hatte, durfte sie ihre ersten vier Schüsse auf ein Papierziel abgeben. Ihr Ausbilder lobte sie: „Für einen Anfänger ist das erstaunlich. Es ist klar, dass du fähig bist.“

Propagandareise in die USA

Auch in die USA wurde Pawlitschenko geschickt, um den Kampfeswillen der Verbündeten zu entfachen. Dort freundete sie sich mit Eleanor Roosevelt, der Gattin des US-Präsidenten, an. Die Begegnung mit den USA schockierte die Kriegsheldin. Während die Sowjetmenschen um ihr Leben kämpften, schienen die Vereinigten Staaten in tiefem Frieden zu leben. „Die Männer in den USA seien Feiglinge, die sich viel zu lange hinter meinem Rücken versteckt haben“, sagte sie bei einer Veranstaltung in Chicago. Von Reportern wurde sie gefragt, ob sie vor einem Gefecht Make-up auftragen würde. Ihre Antwort: „Es gibt kein Gesetz dagegen, aber wer hat Zeit, daran zu denken, die Nase zu pudern, wenn draußen gekämpft wird?“

Nachkriegszeit und Vermächtnis

Insgesamt dienten im Zweiten Weltkrieg etwa 2000 Frauen als Scharfschützinnen in der Roten Armee, rund 500 von ihnen erlebten den Sieg über Nazi-Deutschland. Pawlitschenko arbeitete später als Dozentin und für die sowjetische Marine. Mitleid für die getöteten Gegner empfand sie nie, aber sie war Zeit ihres Lebens eine Gegnerin der Jagd. Sie sagte: „Die Tiere des Waldes sind wehrlos und haben keine Chance gegenüber Menschen, die mit Schnellfeuergewehren bewaffnet sind. Die Jagd auf Tiere lehne ich ab.“

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