Schröder trifft Putin im Kreml
Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder ist am Freitag von Russlands Präsident Wladimir Putin im Kreml empfangen worden. Das Treffen fand unter vier Augen statt und dauerte nach Kreml-Angaben mehrere Stunden. Putins Berater Juri Uschakow bezeichnete das Gespräch als „gut“ und „freundschaftlich“. Zum Inhalt machte er keine Angaben, da es sich um ein vertrauliches Gespräch gehandelt habe.
Die Bundesregierung reagierte mit größtmöglicher Zurückhaltung. Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es, man kommentiere das Treffen nicht. Das Auswärtige Amt betonte, man sei in die Unterredung nicht eingebunden gewesen. Ob die deutsche Botschaft in Moskau vorab informiert war, blieb unklar. Üblicherweise bieten Auslandsvertretungen früheren Kanzlern Unterstützung bei politischen Terminen an, doch Schröder reiste offenbar nicht im Auftrag der Bundesregierung.
Stegner: Schröder als Vermittler eine Chance
Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner begrüßte das Treffen und warnte vor zu hohen Erwartungen. „Egal, was man von Gerhard Schröder hält, muss doch jeder anerkennen: Es ist eher eine Chance als ein Risiko, wenn der frühere Bundeskanzler mit Präsident Putin redet“, sagte Stegner dem Tagesspiegel. Er fragte: „Was bitte soll ein solches Vier-Augen-Gespräch schaden? Ob es am Ende nützen wird, lässt sich heute kaum abschätzen.“
Stegner betonte, Schröder sei kein aktiver Politiker mehr und treffe keine Entscheidungen. „Wer in Deutschland hat denn noch Zugänge zu Putin? Wir können froh sein, dass der Draht zwischen Schröder und Putin noch funktioniert.“ Er sei sicher, dass Schröder nicht im Kreml war, um Putin zu diesem schrecklichen Krieg zu gratulieren. „Putin hat bisher kein Kriegsziel erreicht, und er muss diesen Krieg beenden.“
Die Empörung über Schröder bringe keinen Schritt weiter, so Stegner. „Es bringt auch nichts, Putin an der Kreml-Mauer zuzurufen: Du bist ein Diktator. Stattdessen sollten wir uns über jeden, wirklich jeden Versuch freuen, wenn ein Elder Statesman wie Schröder auf Putin einwirkt.“
Putin hatte Schröder als Vermittler genannt
Putin hatte Schröder bereits im Mai als seinen bevorzugten Vermittler von europäischer Seite genannt. Der frühere SPD-Chef gilt als persönlicher Freund Putins und war auch nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für russische Energiefirmen tätig. Schröders Büro reagierte zunächst nicht auf Anfragen.



