Ein Treffen hinter verschlossenen Türen in Kiew sorgt für Aufsehen: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem Interview mit dem britischen Sender „Sky News“ bestätigt, dass der russische Oligarch Roman Abramowitsch mit einer persönlichen Nachricht von Wladimir Putin zu ihm gekommen ist. Zuvor hatte die „Financial Times“ über das brisante Treffen berichtet, das als klares Signal aus Moskau gewertet wird – denn es war kein Diplomat, sondern ein enger Vertrauter des Kremlherrschers, der als Bote fungierte.
Abramowitsch: Vom Chelsea-Besitzer zum Vermittler
Roman Abramowitsch, bekannt als früherer Besitzer des englischen Fußballklubs FC Chelsea, musste den Klub aufgrund des Ukraine-Kriegs an ein Konsortium um den US-Geschäftsmann Todd Boehly verkaufen. Der Oligarch, der sein Milliardenvermögen nach dem Zerfall der Sowjetunion durch die Privatisierung von Staatsunternehmen und die Zerschlagung des Yukos-Konzerns machte, steht auf westlichen Sanktionslisten. Zu Selenskyj sagte er laut dessen Aussage: „Ich habe eine Nachricht für Sie und ich möchte eine Nachricht von Ihnen an Putin übermitteln.“ Einzige Bedingung: Stillschweigen müsse bewahrt werden.
Selenskyjs kühle Reaktion
Selenskyj habe darauf kühl reagiert. Nach eigenen Angaben antwortete er: „Es ist Ihre Entscheidung. Für uns spielt es keine Rolle, ob es öffentlich ist oder nicht.“ Er habe kein Vertrauen in Moskaus Diskretion, so Selenskyj. Und er glaube auch nicht, dass die Russen die Nachricht für sich behalten würden. Der Präsident betonte, dass es nicht um die Ukraine gehe, sondern um Russland. „Ihr kämpft gegen uns und unser Territorium“, habe er geantwortet. Die Ukraine werde den Donbass nicht aufgeben: „Wir werden euch keinen Sieg schenken – auf diese Art, und ihr werdet ihn auch nicht erringen!“
Rote Linien und Angebote
Nach diesen klaren Ansagen sei es um mögliche Kompromisse gegangen. Selenskyj habe eine rote Linie gezogen. „Ein Waffenstillstand ist unsererseits der größte Kompromiss“, erklärte er. Erst danach könne über weitere Schritte gesprochen werden. Zugleich bot er erneut direkte Gespräche mit Putin an – allerdings nicht in Russland oder Belarus. „Ich sagte: ‚Sie können einen beliebigen Zeitpunkt wählen – jeden beliebigen Tag und jedes Format. Wir können Präsident Trump einbeziehen‘“, so Selenskyj. Oder die Europäer. Er sei überzeugt, dass alle helfen wollten. Das Treffen fand statt, bevor der Ukraine-Präsident vergangene Woche einen offenen Brief an Putin versandte, in dem er Gespräche anbot. Putin hatte es abgelehnt, mit der Aussage, er sehe keinen Anlass dazu.



