Stauffenberg-Enkel reagiert fassungslos auf AfD-Äußerung
Karl Graf Stauffenberg (55), Enkel des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, hat empört auf eine Äußerung des Kabarettisten Uwe Steimle bei einer AfD-Veranstaltung reagiert. Steimle hatte auf einer Bühne in Dessau (Sachsen-Anhalt) über Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gesagt: „Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“ Damit spielte er auf das gescheiterte Bombenattentat vom 20. Juli 1944 an, bei dem Stauffenberg versuchte, Adolf Hitler zu töten. Der Enkel bezeichnete dies als „Geschichtsklitterung par excellence“.
Empörung über Gleichsetzung mit Hitler
In einem Interview mit BILD erklärte Karl Graf Stauffenberg: „Ich bin sprachlos. Mein Großvater hat versucht, Recht, Ordnung und Freiheit wiederherzustellen. Mein Großvater wird in den Schmutz gezogen – es ist ganz grauenhaft.“ Besonders kritisiert er die Gleichsetzung von Merz mit Hitler: „Man kann von Herrn Merz halten, was man will. Aber ihn mit Adolf Hitler gleichzusetzen, ist ganz schlimm. Wir reden von einer menschenverachtenden Diktatur, die Menschen umgebracht hat. Geht gar nicht! Eine Verharmlosung des Dritten Reichs.“
AfD-Spitzen schreiten nicht ein
AfD-Bundeschef Tino Chrupalla (51) und der sachsen-anhaltinische AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) saßen während Steimles Äußerung mit auf dem Podium, schritten jedoch nicht ein. Stauffenberg-Enkel übt scharfe Kritik: „Damit disqualifizieren sie sich für Regierungsämter. Man darf auch nicht zulassen, dass sie es jemals werden. Es fehlt einfach die geistige Reife.“
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Merkel-Spruch
Neben dem Stauffenberg-Vergleich sorgte Steimle auch mit einer Aussage über Ex-Kanzlerin Angela Merkel für Aufsehen. Er sagte: „Im Moment hängt sie erst mal“ – bezogen auf ein Merkel-Porträt im Bode-Museum in Berlin. Und weiter: „Wenn der Nagel bricht, dann stellen wir sie an die Wand.“ Dies wird als Nazi-Jargon interpretiert, der auf die Hinrichtung durch Erschießen anspielt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen Steimle wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten (Paragraf 126 StGB).
Historischer Hintergrund des Stauffenberg-Attentats
Claus Schenk Graf von Stauffenberg verübte am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler in der Wolfsschanze. Der Umsturzversuch scheiterte, Stauffenberg wurde noch in derselben Nacht im Berliner Bendlerblock hingerichtet. Sein Enkel betont, dass der Widerstandskämpfer für Recht, Ordnung und Freiheit eingetreten sei – Werte, die durch die AfD-Äußerung besudelt würden.



