Taliban verschärfen Kleiderordnung: Frauen in Herat festgenommen
Die radikalislamischen Taliban in Afghanistan haben erneut die Rechte von Frauen eingeschränkt. In der westlichen Stadt Herat wurden mehrere Frauen von der Sittenpolizei festgenommen, weil sie angeblich gegen die strengen Kleidervorschriften verstoßen hatten. Die UN-Mission in Afghanistan (Unama) äußerte sich am Sonntag besorgt über die „mehreren Festnahmen und Inhaftierungen“ von Frauen wegen „angeblicher Nichteinhaltung der Kleiderordnung“.
Festnahmen wegen fehlender Ganzkörperschleier
Augenzeugen, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben wollten, berichteten der Nachrichtenagentur AFP, dass am Samstag Frauen festgenommen worden seien, weil sie keinen Tschador oder keine Burka trugen. Eine 23-jährige Frau sagte: „Ich sah, wie zwei Mitarbeiter des Ministeriums für die Verbreitung der Tugend und die Verhinderung des Lasters (PVPV) – einer von ihnen trug eine Peitsche – zwei Frauen, die keinen Tschador trugen, in ein Fahrzeug setzten.“ Die Festgenommenen hätten ein muslimisches Kopftuch getragen. „Alle haben Angst“, fügte sie hinzu.
Eine andere Frau berichtete, dass Beamte des Ministeriums Autos anhielten und die Kleidung der Insassen überprüften. Dabei seien mehrere Frauen in Transporter gesetzt worden. Das Ministerium selbst dementierte die Vorwürfe zunächst nicht, sondern teilte mit, es gebe „nichts Ungewöhnliches“ in Herat. Die Kleiderordnung sei „ein göttliches Gebot und ein geltendes Gesetz, und wir sind verpflichtet, sie durchzusetzen“.
Frauen meiden die Straßen aus Angst
Ein AFP-Journalist berichtete, dass sich wegen der Festnahmen viele Frauen nicht mehr auf die Straße trauen. Ein 20-jähriger Taxifahrer sagte, man sehe kaum noch Frauen in der Stadt. Taxifahrer seien angewiesen worden, „keine Frauen ohne Tschador mehr zu befördern“.
Hintergrund: Taliban-Herrschaft seit 2021
Die Taliban sind in Afghanistan seit 2021 wieder an der Macht. Zunächst hatten sie angekündigt, liberaler zu regieren als während ihrer ersten Herrschaft zwischen 1996 und 2001. Doch schnell wurden die Rechte von Frauen und Mädchen erneut drastisch eingeschränkt. Sie sind weitgehend aus dem öffentlichen Raum verbannt, der Besuch weiterführender Schulen ist ihnen untersagt, und ihre Arbeitsmöglichkeiten sind stark begrenzt. Frauen müssen sich in der Öffentlichkeit zudem vollständig verhüllen.



