Washington. US-Präsident Donald Trump hat die erst wenige Stunden zuvor von ihm selbst angekündigten Militärschläge gegen den Iran wieder abgesagt. Grund seien weit fortgeschrittene Verhandlungen, die von der obersten iranischen Führung sowie einer breiten Koalition regionaler Mächte gebilligt worden seien, teilte Trump am Donnerstag auf seiner Plattform Truth Social mit.
Gespräche auf höchster Ebene
„Da die Gespräche mit der Islamischen Republik Iran auf die höchste Ebene der iranischen Führung gehoben und von dieser gebilligt wurden, habe ich als US-Präsident die für heute Abend geplanten Angriffe und Bombardierungen gegen den Iran abgesagt.“ Die Vereinbarung werde von allen beteiligten Parteien unterstützt, darunter Israel, Saudi-Arabien, Katar und der Türkei.
Aus dem Iran gab es zunächst keine Reaktion auf Trumps Mitteilung. In der Vergangenheit hatte Trump schon wiederholt von Fortschritten und einer nahen Einigung gesprochen, ohne dass es dazu kam. Vielmehr war die Lage zuletzt wieder eskaliert.
Seeblockade bleibt bestehen
Die Seeblockade bleibe aber in vollem Umfang in Kraft, bis das Abkommen abgeschlossen sei, schrieb Trump. Zeit und Ort der Unterzeichnung sollen in Kürze bekanntgegeben werden.
Nach der Ankündigung gaben die Ölpreise deutlich nach. Die Nordseesorte Brent wurde 3,6 Prozent günstiger und lag wieder knapp unter 90 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Leichtöl WTI verlor 3,7 Prozent auf 86,78 Dollar. Auch die Wall Street konnte ihre Gewinne weiter ausbauen.
Noch wenige Stunden vorher hatte Trump gedroht, die USA würden den Iran „heute Abend sehr hart“ treffen. Dabei brachte er zudem eine Einnahme der Insel Charg ins Spiel, der wichtigsten Ölexport-Anlage des Landes. In den Tagen davor hatten sich beide Seiten den zweiten Tag in Folge gegenseitig angegriffen, was die Sorge vor einem umfassenden Krieg am Golf schürte.
Die Insel Charg ist die wichtigste Drehscheibe für iranische Ölexporte, von der aus üblicherweise rund zwei Millionen Barrel pro Tag vor allem nach China geliefert werden. Dies entspricht etwa zwei Prozent des weltweiten Angebots. Eine US-Besetzung der Insel hätte derzeit jedoch keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Ölmärkte, da die Exporte wegen der US-Blockade ausgesetzt sind.
Streit um eingefrorenes iranisches Geld
Der iranische Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf hatte im Vorfeld von Trumps Kehrtwende vor unüberlegten Schritten gewarnt. Falsche Strategien und impulsive Entscheidungen würden die Lage drastisch verschlechtern, die Energieinfrastruktur und die Märkte zerstören und einen endlosen Sumpf schaffen, in dem man jahrelang feststecken werde, schrieb er auf der Plattform X.
UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief beide Seiten auf, ihre Bemühungen um ein friedliches und dauerhaftes Abkommen zu verstärken, wie UN-Sprecher Stephane Dujarric mitteilte.
Ein zentraler Streitpunkt ist die Freigabe von eingefrorenen iranischen Geldern in Milliardenhöhe. Iranische Insider erklärten, der Krieg sei militärisch eine Sackgasse, bei den Verhandlungen gebe es jedoch Fortschritte. Trump hatte wiederholt erklärt, eine Einigung stehe kurz bevor.
Eskalation der vergangenen Tage
Die jüngste Eskalation begann am Montag mit dem Abschuss eines US-Hubschraubers vom Typ Apache nahe der Straße von Hormus. Als Reaktion flogen die USA am Donnerstag vierstündige Angriffe auf Überwachungs- und Kommunikationssysteme sowie Stellungen der Luftabwehr im Iran. Nach iranischen Angaben seien dabei mindestens fünf Menschen verletzt worden.
Die iranischen Revolutionsgarden hätten daraufhin nach eigenen Angaben 18 US-Ziele in Kuwait und Bahrain angegriffen, darunter das Hauptquartier der Fünften Flotte der US-Marine. Zudem sei ein US-Stützpunkt in Jordanien beschossen worden. In Bahrain wurde ein elfjähriges Mädchen durch Trümmerteile abgefangener Drohnen leicht verletzt. Kuwait sperrte vorübergehend seinen Luftraum.



