Ukraine attackiert Lukoil-Raffinerie im russischen Hinterland – Mehrheit der Deutschen für Merz-Putin-Dialog
Ukraine greift Lukoil-Raffinerie an – Mehrheit für Merz-Putin-Gespräche

Ukrainische Angriffe auf russische Energieinfrastruktur intensivieren sich

Die ukrainischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben einen gezielten Angriff auf eine Ölraffinerie des russischen Konzerns Lukoil in der abgelegenen Oblast Komi durchgeführt. Das Ziel liegt mehr als 1750 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und markiert damit einen der tiefsten Vorstöße in russisches Territorium seit Kriegsbeginn. Der ukrainische Generalstab teilte über den Kurznachrichtendienst Telegram mit, dass der Angriff auf dem Gelände der Anlage ein signifikantes Feuer ausgelöst habe.

Diese Attacke ist Teil einer systematischen Eskalation der ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur in den vergangenen Monaten. Primäre Ziele sind dabei Ölraffinerien und Depots, mit denen die Regierung in Kiew den Nachschub für die russische Armee stören und die Exporteinnahmen Moskaus aus Energieprodukten erheblich schmälern will. Parallel dazu gab es weitere Angriffe auf ein Militärobjekt in der Region Wolgograd, wo durch herabfallende Trümmer ein Brand auf dem Gelände des Verteidigungsministeriums ausbrach und Evakuierungen notwendig machte.

Erste Exportlizenzen für ukrainische Rüstungsindustrie seit Kriegsbeginn

In einer parallelen Entwicklung hat die ukrainische Rüstungsindustrie erstmals seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 offizielle Exportlizenzen erhalten. Rustem Umjerow, Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, bestätigte diesen Schritt, ohne konkrete Zahlen zu den erteilten Genehmigungen zu nennen. Die ukrainische Regierung verfolgt damit eine doppelte Strategie: Einerseits sollen durch die Ausfuhren dringend benötigte finanzielle Mittel für den weiteren Ausbau der heimischen Rüstungsindustrie generiert werden.

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Andererseits dienen die innovativen Waffensysteme, insbesondere im Drohnenbereich, als diplomatisches Druckmittel zur Stärkung internationaler Bündnisse. Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge gibt es in der Ukraine mittlerweile etwa 450 Hersteller von Drohnen, während der gesamte Verteidigungssektor auf über 1000 meist private Unternehmen angewachsen ist. Die jährliche Produktionskapazität des Sektors übersteigt laut Umjerow die Marke von 55 Milliarden Dollar.

Mehrheit der Deutschen befürwortet direkte Merz-Putin-Gespräche

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zeigt, dass 58 Prozent der Deutschen direkte Gespräche zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über ein Ende des Ukraine-Kriegs befürworten. Nur 26 Prozent der Befragten lehnen solche Kontakte ab. Besonders ausgeprägt ist die Zustimmung im eigenen Lager des CDU-Chefs Merz, wo 64 Prozent der Unionswähler für Gespräche plädieren.

Kanzler Merz selbst äußerte sich jedoch skeptisch zu direkten Verhandlungen mit Putin und verwies auf das Beispiel des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, dessen Moskau-Besuch nur wenige Tage später zu heftigen Bombardements in Kiew geführt habe. „Ich möchte keine Gespräche führen, die zu solchen Ergebnissen führen, sondern ich möchte alle Gespräche unterstützen, die dem Ziel dienen, diesen Krieg zu beenden“, betonte Merz. Europäische Initiativen müssten stets abgestimmt mit der Ukraine und den USA erfolgen und keine unabgestimmten Einzelmaßnahmen darstellen.

Internationale Reaktionen und diplomatische Entwicklungen

Der französische Präsident Emmanuel Macron drängt angesichts der bisher erfolglosen Vermittlungsbemühungen der USA auf direkte europäische Gespräche mit Putin. Gleichzeitig forderte Bundesaußenminister Johann Wadephul die Länder Zentralasiens auf, sich eindeutig an die Seite der Europäischen Union zu stellen und Sanktionsumgehungen zu unterbinden. „Versuche, diese Sanktionen zu umgehen, stützen den russischen Angriffskrieg und bedrohen damit direkt die Sicherheitsinteressen der Europäischen Union“, warnte Wadephul vor einem Treffen mit Außenministern aus Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisien, Usbekistan und Kasachstan.

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Die Nato schätzt die russischen Verluste im Angriffskrieg mittlerweile auf insgesamt etwa 1,3 Millionen getötete oder verletzte Soldaten, darunter schätzungsweise 350.000 Tote. Ein ranghoher Nato-Beamter bezeichnete diese Verluste als die höchsten in einem europäischen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg. Trotz dieser enormen Verluste und eines vorübergehenden Defizits bei den Rekrutierungszahlen im Januar 2026 setzen russische Truppen den Druck auf ukrainische Stellungen entlang der Frontlinie unvermindert fort.

Die humanitäre Lage in der Ukraine bleibt angespannt, nachdem russische Raketen- und Drohnenangriffe erneut Energieanlagen in Kiew, Odessa und Dnipro trafen. Präsident Selenskyj meldete mindestens zwei Tote und mehr als zehn Verletzte, während in Odessa fast 300.000 Menschen vorübergehend von Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten waren. Der ukrainische Staatschef forderte die Nato-Partner zu schnelleren Lieferungen von Patriot-Raketenabwehrsystemen auf, die sich als besonders effektiv gegen russische ballistische Raketen erwiesen haben.