USA verhandeln über Ausweitung nuklearer Arsenale in Europa
Washington. Die USA führen offenbar Gespräche über eine deutliche Aufstockung ihrer nuklearen Präsenz in Europa. Nach einem Bericht der Financial Times haben US-Beamte grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, zusätzliche atomfähige Bomber in europäischen Ländern zu stationieren. Dies würde über die derzeit sechs Länder hinausgehen, die bereits solche Flugzeuge beherbergen. Drei mit den Verhandlungen vertraute Personen bestätigten die Informationen.
Fokus auf „Dual-capable aircraft“
Im Mittelpunkt stehen sogenannte „Dual-capable aircraft“ (DCA) – Flugzeuge, die sowohl konventionelle als auch nukleare Angriffe durchführen können. Länder an der östlichen Nato-Flanke, insbesondere Polen und die baltischen Staaten, haben bereits Interesse bekundet, solche Stützpunkte aufzunehmen. Die Gespräche finden in Nato-Gremien statt, doch eine Einigung steht laut Financial Times nicht unmittelbar bevor.
Keine offizielle Bestätigung
Reuters konnte den Bericht nicht unabhängig bestätigen. Das Weiße Haus, das US-Verteidigungsministerium und die Nato reagierten nicht auf Anfragen. Der für Rüstungspolitik zuständige Pentagon-Staatssekretär Elbridge Colby hatte jedoch zuvor öffentlich erklärt, die USA würden ihre Atomwaffen weiterhin zum Schutz der Nato-Mitglieder einsetzen – auch wenn die europäischen Verbündeten bei den konventionellen Streitkräften die Führung übernähmen.
Hintergrund: Truppenreduzierung trotz nuklearer Aufrüstung
Die Trump-Regierung hatte zuletzt angekündigt, die Truppenstärke in Europa zu reduzieren. Die mögliche Stationierung zusätzlicher atomfähiger Bomber scheint diesem Trend jedoch zu widersprechen. Experten sehen darin einen Versuch, die nukleare Abschreckung zu stärken, während konventionelle Kräfte abgezogen werden.
Die Entwicklung könnte die Sicherheitsarchitektur in Europa grundlegend verändern. Insbesondere osteuropäische Nato-Mitglieder fordern seit Jahren eine verstärkte militärische Präsenz des Bündnisses. Sollte es zu einer Einigung kommen, wäre dies ein bedeutender Schritt in der nuklearen Teilhabe innerhalb der Nato.



