Vance forderte laut Bericht Freigabe aller Epstein-Akten von Trump
Vance forderte Freigabe aller Epstein-Akten von Trump

US-Vizepräsident JD Vance soll vergangenes Jahr in der Causa Jeffrey Epstein intern massiv auf vollständige Transparenz gedrängt haben – auch bezüglich möglicher Verstrickungen von US-Präsident Donald Trump. Das berichtet die „New York Times“ als Teil einer großen Recherche. Während Trump alles daran setzte, die Epstein-Akten unter Verschluss zu halten, sei Vance zum lautesten Fürsprecher ihrer Veröffentlichung geworden.

Diskussion über Brustwarzen im Weißen Haus

„Das ist ein riesiges Problem“, soll Vance bei einer Krisensitzung im Situation Room des Weißen Hauses im Juli 2025 den versammelten Beratern, darunter die damalige Justizministerin Pam Bondi und FBI-Chef Kash Patel, gesagt haben. Der Vizepräsident, von Teilnehmern als panisch beschrieben, glaubte demnach, dass die Affäre die MAGA-Koalition spalten könnte – und die einzige Lösung radikale Offenheit sei.

Vance argumentierte, der Kongress werde die Freigabe der Akten ohnehin erzwingen. Besser, die Regierung komme dem zuvor und veröffentliche alles freiwillig – auch belastendes Material über den Präsidenten selbst. Etwa E-Mails, in denen behauptet wird, Trump habe eine Vorliebe für Nippel. Ein Teilnehmer der Krisensitzungen sagte der „New York Times“, es sei eine „surreale“ Erfahrung gewesen, im Situation Room des Weißen Hauses über Brustwarzen zu diskutieren.

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Vance plädierte für Offensive

Nur indem man selbst mit einer Veröffentlichung in die Offensive gehe, könne man der Opposition die Initiative entreißen und Glaubwürdigkeit gegenüber der eigenen Basis zurückgewinnen, so Vance. Die Alternative sei, die Geschichte monatelang in die Länge zu ziehen und Informationen nur tröpfchenweise ans Licht kommen zu lassen. Jede neue Enthüllung würde dann für neue Unruhe sorgen, wird Vance wiedergegeben. So kam es schließlich auch.

Der stellvertretende FBI-Chef Dan Bongino wird in der Recherche als Unterstützer von Vances Kurs beschrieben.

Vorschlag: Tucker Carlson soll Ghislaine Maxwell interviewen

Zugleich habe Vance vorgeschlagen, der rechtspopulistische Polit-Kommentator Tucker Carlson könne Epsteins langjährige Komplizin Ghislaine Maxwell im Gefängnis interviewen. Eine mögliche Aussage Maxwells, dass Trump in keine Verbrechen verwickelt gewesen sei, könne dem Präsidenten helfen, so das Kalkül des Vizepräsidenten. Ein Berater habe vorgeschlagen, Maxwell von Trump begnadigen zu lassen, was aber auf großen Protest anderer Berater gestoßen sei.

Stabschefin Susie Wiles zeigte sich von Vances Argumenten laut „New York Times“ wenig beeindruckt. Sie soll gegenüber Vertrauten gesagt haben, der Vizepräsident habe sich als ausgemachter Verschwörungstheoretiker erwiesen, der die düstersten Theorien über Epstein glaube. Andere hochrangige Berater berichteten, Vance habe das Thema unaufhörlich zur Sprache gebracht.

Trump wischte Epstein-Debatte als „Fake News“ vom Tisch

Trump selbst wollte von alldem nichts wissen. Er bezeichnete die Epstein-Debatte intern als „Fake News“ und fuhr jeden an, der das Thema ansprach. Zwischen Ex-Justizministerin Pam Bondi sowie FBI-Chef Kash Patel und dessen Stellvertreter Bongino soll es regelmäßig zu Streit gekommen sein. Patel und Bongino forderten Bondis Rücktritt, während Bongino unterstellt wurde, Informationen über Epstein und Trump an die Medien geleakt zu haben. Dieser soll deswegen erbost Trumps Stabschefin Wiles angeschrien haben. Schließlich trat er von seinem Posten zurück – nicht ohne Wiles mitzuteilen, dass „Blondie“ Bondi „die ganze Sache vermasselt“ habe. Auch sie ist mittlerweile nicht mehr im Amt.

Kongress erzwang Freigabe – aber unvollständig?

Schließlich kam es so wie von Vance vorhergesagt: Der Kongress erzwang parteiübergreifend die Freigabe der Akten. Doch es ist unklar, wie viele Dokumente die US-Regierung tatsächlich veröffentlicht hat. Sie behauptet, vollständig geliefert zu haben. Opposition und unabhängige Beobachter bezweifeln das.

„Das Justizministerium hat mitgeteilt, es habe mehr als sechs Millionen potenziell relevante Seiten identifiziert. Nach Prüfung und Schwärzungen hat es jedoch nur etwa 3,5 Millionen veröffentlicht“, erklärte der Abgeordnete Ro Khanna. „Dies wirft Fragen dazu auf, warum der Rest zurückgehalten wird.“

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