CSD Berlin: Eine Tote bei mutmaßlich islamistischem Anschlag – Täter flüchtig
CSD-Anschlag in Berlin: Eine Tote, Täter flüchtig

Ein mutmaßlich islamistischer Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat am späten Samstagabend eine Tote und mindestens 16 Verletzte gefordert, davon drei lebensgefährlich. Gegen 22:15 Uhr raste ein weißer Kleinbus auf dem Gelände der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor in eine Menschenmenge. Die Polizei fahndet nach dem 21-jährigen Abdul B., der dem islamistischen Milieu zugerechnet wird. Er soll erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen worden sein und mit dem Islamischen Staat sympathisieren.

Fahrzeug leer aufgefunden – möglicher zweiter Täter

Das Tatfahrzeug kam an einem Baum zum Stehen und wurde von der Polizei leer aufgefunden. Laut Sicherheitskreisen, wie der Tagesspiegel exklusiv berichtete, haben beide Airbags ausgelöst – sowohl auf der Fahrer- als auch auf der Beifahrerseite. Dies könnte auf einen zweiten Täter hindeuten, müsse aber nicht zwingend, da bei manchen Fahrzeugmodellen beide Airbags standardmäßig auslösen. Die Ermittler prüfen den konkreten Fahrzeugtyp. In einer gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft hieß es, nach der Tat seien „eine oder mehrere Personen“ aus dem Fahrzeug geflüchtet. Die Hintergründe und die genaue Zahl der Beteiligten sind noch unklar. Auch eine mögliche zweite Tatphase mit einer Stichwaffe wird untersucht.

Politiker am Tatort – Trauerkundgebungen angekündigt

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) äußerten sich am Mittag am Tatort vor der Presse. Unterdessen füllte sich der Pariser Platz am frühen Nachmittag mit rund 2000 Trauernden. Der FLINTA-Chor D-Dur Dykes* rief zu einer spontanen Trauerkundgebung auf. Die Organisatorin Franziska Eiles sagte: „Wir wollen einen Space geben um zu trauern. Wir wollen zeigen, dass wir uns als Community zusammenstehen und uns nicht einschüchtern lassen.“ Offiziell wurden 600 Teilnehmer angemeldet, die Resonanz auf Social Media sei jedoch sehr groß. Auch die queere Opferberatungsstelle Maneo organisierte einen Trauermarsch ab 17:30 Uhr von der Marienkirche zum Brandenburger Tor. Berlins Regierender Bürgermeister Wegner soll daran teilnehmen. Der CSD selbst sagte alle für Sonntag geplanten Veranstaltungen ab und empfahl, sich in kleinen Gruppen zu treffen.

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Reaktionen aus Politik und Community

CDU und SPD im Berliner Abgeordnetenhaus beantragten eine Sondersitzung des Innenausschusses. „Der brutale Angriff auf friedlich feiernde Menschen mitten in Berlin erschüttert uns zutiefst“, erklärten die Fraktionsvorsitzenden Dirk Stettner (CDU) und Raed Saleh (SPD). Die AfD-Fraktion forderte ebenfalls eine Sondersitzung. Deren innenpolitischer Sprecher Thorsten Weiß kritisierte: „Das Sicherheitskonzept hat versagt.“ Er verwies darauf, dass der Attentäter trotz über 250 Zufahrtschutzelementen ungehindert in die Menge habe rasen können. Die Sängerin Sarah Connor, die kurz vor der Tat auf der Bühne gestanden hatte, schrieb auf Instagram: „Ekelhaft und sinnlos diese Tat!“ Ihre vier Kinder seien dabei gewesen. Sie wolle sich die Liebe und Freude der Menschen bewahren und schloss mit: „Noch lauter, noch bunter! Happy Pride.“ Auch Rapperin Ikkimel äußerte sich bestürzt: „Wenigstens Berlin sollte ein sicherer Ort sein.“

Gedenkveranstaltungen und Sicherheitslage

Der LSVD – Verband Queere Vielfalt sagte eine geplante Gedenkveranstaltung am Denkmal für die verfolgten Homosexuellen „aufgrund der aktuellen Sicherheitslage“ ab. Stattdessen soll in den kommenden Tagen eine zentrale Gedenkveranstaltung stattfinden. Bischof Christian Stäblein hielt um 16:30 Uhr einen Gedenkgottesdienst in der Marienkirche. Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach Abdul B. Die Ermittlungen zur Tat und möglichen Hintermännern laufen auf Hochtouren.

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