Einen Tag nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin ist der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Der 21-jährige Abdul B. wurde von Polizeikräften gestellt und nach einem Schusswechsel tödlich verletzt. Die Berliner Senatsinnenverwaltung bestätigte den Tod des Mannes, der nach dpa-Informationen seinen Verletzungen erlag. Zuvor hatten mehrere Medien über den Einsatz im Westen der Stadt berichtet.
Polizeieinsatz endet tödlich für Tatverdächtigen
Der Polizeieinsatz erfolgte am Sonntagabend im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Beamte hatten den flüchtigen Abdul B. aufgespürt und forderten ihn auf, sich zu ergeben. Als der Mann der Aufforderung nicht nachkam und sich aggressiv verhielt, setzten die Einsatzkräfte Schusswaffen ein. Der 21-Jährige wurde getroffen und starb noch am Einsatzort. Die genauen Umstände des Schusswaffengebrauchs werden nun von der Staatsanwaltschaft untersucht. Die Polizei betonte, dass die Beamten nach aktueller Lage im Rahmen der Notwehr gehandelt hätten.
Details zum Anschlag auf den CSD
Bei dem Angriff am Samstagabend war der Täter zunächst mit einem Auto in eine Menschenmenge am Rande der CSD-Parade gefahren. Anschließend attackierte er weitere Personen mit einer Machete. Nach Angaben von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kam dabei eine Frau ums Leben, 29 Menschen wurden verletzt. Die Polizei gab am Nachmittag Entwarnung: Keines der Opfer schwebte mehr in Lebensgefahr. Die Verletzten wurden in verschiedenen Krankenhäusern behandelt, einige von ihnen erlitten schwere, aber nicht lebensbedrohliche Verletzungen.
Radikalisierung und Vorstrafen des Täters
Bundesinnenminister Dobrindt bezeichnete den Täter als islamistischen Einzeltäter. „Abdul B. ist schon in der Vergangenheit durch ein hohes Maß von Straftaten aufgefallen und zeigte eine islamistische Radikalisierung“, sagte Dobrindt. Nach Angaben der Berliner Generalstaatsanwaltschaft hatte der 21-Jährige im vergangenen Jahr mehrfach versucht, sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. In einem früheren Verfahren war er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen dieses Urteil Beschwerde eingelegt. In der damaligen Verhandlung habe sich Abdul B. „überwiegend geständig“ gezeigt und sich vom IS distanziert, so die Generalstaatsanwaltschaft.
Reaktionen aus Politik und Sicherheitsbehörden
Politiker aller Fraktionen zeigten sich bestürzt über den Anschlag und dankten den Einsatzkräften für ihr schnelles Handeln. Berlins Regierender Bürgermeister sprach von einem „feigen Angriff auf unsere freiheitliche Gesellschaft“. Die Sicherheitsbehörden haben die Ermittlungen zu möglichen Hintermännern und weiteren Gefährdern aufgenommen. Der Innenminister kündigte eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen bei Großveranstaltungen an.



