DGB-Chefin Fahimi fordert verpflichtende Betriebsrente für alle Beschäftigten
DGB-Chefin Fahimi fordert Betriebsrenten-Pflicht

Kurz vor dem für Mittwoch angesetzten Reformgipfel im Kanzleramt hat die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge für alle Beschäftigten ins Spiel gebracht. Rund 20 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland verfügten derzeit über keine betriebliche Rente, erklärte Fahimi dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Diesen Zustand will sie mit einem verpflichtenden Modell ändern.

Das Modell von Fahimi im Detail

Fahimi schlägt ein konkretes Modell vor: „Wir wollen, dass es eine verpflichtende betriebliche Alterssicherung für alle gibt, und zwar mit uns als Tarifvertragsparteien“, so die DGB-Chefin. Diese zusätzliche Absicherung solle zur gesetzlichen Rente hinzukommen. Zur Finanzierung machte sie keine genauen Angaben, betonte jedoch: „Die betriebliche Altersvorsorge darf nicht einseitig zulasten der Arbeitnehmer gehen.“ Der Vorstoß spiegelt die gewerkschaftliche Position für anstehende Verhandlungen wider.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte Ende April in einer Rede beim Bankenverband seine Rentenidee dargelegt: Die staatliche Rente werde für viele nicht mehr ausreichen, daher müssten private Vorsorge und Betriebsrente gestärkt werden. Dieser Gedanke findet sich auch im schwarz-roten Koalitionsvertrag. Auf dem DGB-Bundeskongress Mitte Mai warb Merz erneut für tiefgreifende Sozialreformen, wurde jedoch von vielen Delegierten mit Pfiffen und Buhrufen bedacht.

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Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) war Anfang Mai in einer Regierungsbefragung auf die Reform der Betriebsrente eingegangen und hatte angemerkt, dass es „Luft nach oben“ gebe. Konkrete Vorschläge blieben bislang rar.

Aktuelle Regelung der Betriebsrente

Das Statistische Bundesamt zählte im April 2026 insgesamt 45,61 Millionen erwerbstätige Personen in Deutschland. Schätzungen zufolge haben rund 21 Millionen von ihnen eine betriebliche Rentenversicherung abgeschlossen. Laut der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba) hat sich diese Zahl seit 2017 kaum verändert; sie stieg lediglich um etwa 500.000.

Die Betriebsrente ist bislang eine freiwillige und staatlich geförderte Einrichtung. Es gibt fünf Varianten: Direktversicherung über den Arbeitgeber, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse und Direktzusage des Arbeitgebers. Jeder Arbeitnehmer hat laut Deutscher Rentenversicherung einen Anspruch, Teile seines Lohns für die Betriebsrente anzusparen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, auf Wunsch des Arbeitnehmers Beiträge vom Bruttolohn abzuführen, sofern keine tarifvertraglichen Regelungen widersprechen. Die Beiträge werden steuerlich begünstigt oder durch Zuschüsse gefördert. Wer heute eine Betriebsrente von 400 bis 600 Euro brutto erhält, zählt zu den Spitzenempfängern.

Reaktionen auf den Vorstoß

Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, unterstützt die Forderung nach einer verpflichtenden Betriebsrente. „Um ein Rentenniveau zu sichern, von dem man im Alter in Würde leben kann, wird man die drei Säulen künftig noch vernetzter denken müssen“, sagte Radtke. „Die betriebliche Altersversorgung verpflichtend für alle zu machen, ist ein richtiger Schritt.“ Es gebe bereits hervorragend funktionierende Modelle in der Chemieindustrie und anderen Tarifbereichen.

Auch die SPD-Bundestagsfraktion stellte sich hinter den DGB-Vorstoß. „Für eine gute Absicherung im Alter sind mehr finanzielle Mittel nötig. Diese müssen auch die Arbeitgeber mindestens paritätisch mit erbringen“, sagte Vizefraktionschefin Dagmar Schmidt. „Daher begrüßen wir den Vorschlag des DGB.“

FDP-Chef Wolfgang Kubicki wies Fahimis Vorstoß hingegen als „Schnapsidee“ zurück. „Wir brauchen mehr Flexibilität bei der Rente, auch bei der Betriebsrente, und nicht noch mehr Zwang“, sagte Kubicki. „Wer die Wirtschaft jetzt mit zusätzlichen Belastungen bedroht, weiß nicht, was die Stunde geschlagen hat.“ Er legte Kanzler Merz nahe, Fahimi vom geplanten Reformgipfel auszuladen.

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Stand der Rentenreform

Bis Ende Juni soll die von der Regierung eingesetzte 13-köpfige Rentenkommission Vorschläge erarbeiten, auf deren Grundlage die Bundesregierung die Rentenreform gestalten will. Ministerin Bas wünscht sich eine einstimmige Empfehlung der Kommission. „Dann werden wir das so umsetzen. Anderenfalls müssen wir in der Koalition darüber reden“, schrieb sie in einem Gastbeitrag. Über den Stand der Gespräche innerhalb der Kommission ist wenig bekannt; die Runde hat strikte Vertraulichkeit vereinbart.

Ziele des Reformgipfels

Der Gipfel am Mittwoch im Kanzleramt soll die Spitzen der schwarz-roten Koalition mit Vertretern der Sozialpartner – Gewerkschaften und Arbeitgeber – zusammenbringen. Die Vorbereitungen laufen seit Tagen. Ziel ist es, Lösungen im Streit über die geplanten Sozialreformen zu finden, die neben der Rente auch Steuern, Arbeitsmarkt und Bürokratieabbau umfassen. Kanzler Merz zeigte sich optimistisch: „Wir schaffen das“, sagte er am Samstag beim CDU-Landesparteitag in Linstow. „Wir können das schaffen, wenn wir alle zusammenstehen und wieder ein bisschen mehr an uns selbst glauben.“ Deutschland habe die Kraft für die notwendigen Reformen und einen neuen Aufbruch.