Fünf Männer sind am Mittwoch im brasilianischen Rio de Janeiro wegen des Mordes an der Stadträtin Marielle Franco zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Die Erste Kammer des Obersten Gerichtshofs sprach unter anderem zwei Politiker-Brüder schuldig und verhängte Haftstrafen von jeweils mehr als 76 Jahren. Zudem müssen sie Entschädigungen an die Angehörigen zahlen.
Franco, eine schwarze und bisexuelle Politikerin, die sich für die Rechte marginalisierter Gruppen einsetzte, wurde im März 2018 im Alter von 38 Jahren bei einem gezielten Schusswaffenangriff getötet. Auch ihr Fahrer Anderson Gomes kam ums Leben. Der Mord sorgte international für Entsetzen und machte Franco zu einem Symbol des Widerstands gegen Gewalt und Machtmissbrauch.
Francos Schwester Anielle, Ministerin für die Gleichstellung ethnischer Gruppen, begrüßte das Urteil. Nach dem achtjährigen Kampf beginne Brasilien „ein neues historisches Kapitel im Kampf gegen politische Gewalt aufgrund von Geschlecht und Hautfarbe“, schrieb sie auf X.
Das Gericht befand die Angeklagten unter anderem wegen doppelten Mordes, versuchten Mordes und Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation für schuldig. Neben den beiden Politikern wurden auch zwei Polizisten und ein früherer Polizeichef zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Ex-Chef von Rios Zivilpolizei wurde vom Mordvorwurf freigesprochen, jedoch wegen Korruption und Behinderung der Justiz verurteilt.
Richter Alexandre de Moraes sagte: „Der Mord an Marielle muss nicht nur als Anschlag auf eine Parlamentarierin verstanden werden, sondern als Verbrechen im Sinne der Machtdominanz des organisierten Verbrechens und auch als geschlechtsspezifische Gewalt.“ Nach Darstellung der Ermittler ging es um einen Streit über ein Gesetzesvorhaben zur Regulierung von Flächen für sozialen Wohnungsbau. Die Politiker-Brüder hätten mit ihrer Miliz diese Flächen illegal besetzt.
Bereits Ende Oktober 2024 waren zwei geständige Ex-Polizisten wegen der tödlichen Schüsse zu Haftstrafen von jeweils mehr als 78 und 59 Jahren verurteilt worden.



