Kanzler Merz nach CSD-Terror: „Feiern Sie wieder!“ – Berlin in Trauer
Merz nach CSD-Terror: „Feiern Sie wieder!“

Einen Tag nach dem Terroranschlag auf den Christopher Street Day in Berlin hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die queere Community eindringlich zum Weitermachen aufgerufen. „Feiern Sie wieder! Zeigen Sie den Gegnern unserer Gesellschaft das fröhliche und das einvernehmliche Gesicht einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft“, sagte Merz am Sonntag bei einer Gedenkandacht in der Marienkirche am Alexanderplatz. Zuvor hatten Hunderttausende am Samstag auf den Straßen gefeiert, nun herrscht tiefe Trauer um die Opfer des Anschlags.

Gedenkandacht mit Spitzenpolitikern

In der voll besetzten Marienkirche suchten Tausende Menschen Trost. Über dem Altar lag eine Regenbogenflagge, Kerzenlicht flackerte. Viele weinten, andere hielten sich in den Armen. Neben Merz beteten auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) und Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) für die Opfer. Der mutmaßliche Täter ist der polizeibekannte IS-Anhänger Abdul Ballout (21).

Merz‘ persönliche Worte an die LGBTQ-Community

Merz richtete ein „sehr persönliches Wort an die queere Community“. Er betonte: „Nicht erst ein solcher Anschlag wie gestern Abend gefährdet unsere Freiheit. Intoleranz, Ausgrenzung, Diskriminierung, dumme Redensarten, schlechte Witze … sind bereits Teil einer solchen Gewalt.“ Applaus brandete auf. „Wir werden alles tun, um die Freiheit unseres Landes und unserer Gesellschaft zu schützen. ALLES!“, rief der Kanzler. Die Szene war bemerkenswert, da Merz 2020 mit Aussagen zur Homosexualität für Irritation gesorgt hatte.

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Imamin Ates zitiert den Koran

Auch Imamin Seyran Ates (63) sprach in der Kirche. Sie erinnerte an einen Vers aus dem Koran: „Wer einen Menschen tötet, so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet. Und wer einem Menschen das Leben erhält, so ist es, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.“ Für Gott sei es nicht wichtig, welche Religion, Herkunft oder sexuelle Orientierung jemand habe, so Ates. Sie sehe keinen Widerspruch zwischen Koran und Grundgesetz.

Trauerzug zum Brandenburger Tor

Nach der Andacht zogen die Trauernden zum Brandenburger Tor. Merz besuchte den Tatort, legte weiße Rosen nieder. Schon am Nachmittag hatten sich Hunderte dort versammelt, um zu trauern. Wegner sagte: „Berlin ist die Stadt der Freiheit. Wir werden uns diese Haltung von Freiheit, Vielfalt und Offenheit niemals und von niemandem nehmen lassen.“ Die Botschaft des Kanzlers war eindeutig: Trotz des Terrors soll die queere Gemeinschaft weiter feiern – im Zeichen einer offenen Gesellschaft.

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