Der Pächter der Schlei-Fähre „Missunde III“ hat seinen Vertrag gekündigt. Diese Nachricht mag auf den ersten Blick unbedeutend wirken, doch wer die Geschichte dieser Fähre kennt, erkennt darin ein Sinnbild für die Krise, in der unser Land steckt.
Die alte Fähre: Zuverlässig wie Deutschland einst
Die „Missunde III“ ist eine Elektro-Fähre, die ihren Vorgänger, die dieselbetriebene „Missunde II“, ersetzen sollte. Die alte Fähre war nicht besonders modern oder schick, aber sie war zuverlässig. Sie brachte in Schleswig-Holstein Menschen bei fast jedem Wetter von einem Ufer der Schlei zum anderen – selbst bei Windstärke 9 bis 10. Sie war ein bisschen wie Deutschland: solide, verlässlich, aber in die Jahre gekommen.
Der teure Traum von der Zukunft
Also beschloss man, sie durch eine moderne, größere Solar-Fähre zu ersetzen. Jahrelang wurde geplant, gebaut, getestet, nachgebessert und verschoben. Millionen Euro flossen in das Prestigeprojekt. Die Zukunft sollte auf der Schlei beginnen. Die alte Fähre wurde für 17.000 Euro verschrottet. Die neue sollte 2,5 Millionen Euro kosten und 2022 in Betrieb gehen. Heute wissen wir: Aus 2,5 Millionen wurden mehr als fünf Millionen Euro. Aus 2022 wurde 2026. Und aus einem Vorzeigeprojekt wurde eine Chronik aus Verzögerungen, Umbauten und Pannen.
Absurdität mit Ansage
Der absurdeste Punkt: Die neue Millionenfähre bekam Probleme beim sicheren Anlegen – bereits ab Windstärke 3. Windstärke 3 ist laut Beaufort-Skala eine schwache Brise: Blätter rascheln, Fahnen wehen, dünne Zweige bewegen sich. Für Norddeutsche ist das schönes Wetter. Die alte Fähre konnte noch bei Windstärke 9 fahren. Die neue hat Probleme bei Windstärke 3 – und kostet über fünf Millionen Euro.
Der teure Rückkauf der alten Fähre
Nun musste die alte „Missunde II“ wieder her. Für 50.000 Euro gab der Käufer, ein Däne, sie zurück – aber nur für ein paar Monate. Bis die „Missunde III“ endlich flott ist. Doch das ging nicht schnell genug, und der Staat zahlte weitere 50.000 Euro für eine Verlängerung. Ein Geschäft: 17.000 Euro bekommen, 100.000 Euro bezahlt. Wenn mein Nachbar sein altes Auto für 17.000 Euro verkaufen und für 100.000 Euro zurückkaufen würde, weil der neue nicht fährt, würde ich ihn fragen, ob er noch ganz dicht ist.
Ein Lehrstück für Deutschland
Die Geschichte der „Missunde II“ und „Missunde III“ ist mehr als eine norddeutsche Provinzposse. Man könnte darüber lachen, wenn es nicht unser Geld wäre. Erstaunlich ist, dass niemand aufstand und sagte: Hört mal, das wird absurd. Aktuell ist der Fährverkehr unterbrochen – die „Missunde III“ ist zu Pfingsten kaputtgegangen. Das schwarz-grün regierte Land will an ihr festhalten. Nur der Pächter hat die Schnauze voll. Es wird darüber diskutiert, ob die „Missunde III“ durch eine „Missunde IV“ ersetzt werden könnte – kleiner, auch elektrisch. Problem: Der Neubau wird Jahre dauern und wieder viel Geld kosten.
Ich weiß nur eins: Wenn ich so mit meinem Geld umgehen würde, wäre ich pleite. Aber der Staat macht einfach weiter. Dieses Fährdebakel offenbart, wie Planungsversagen, Kostenexplosionen und mangelnde Weitsicht unser Land lähmen – ein warnendes Beispiel für die Zukunft.



