Der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat sich nach dem Rückzug von Kai Wegner als CDU-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im September offen für eine Koalition mit der CDU gezeigt. „Mit Stefan Evers arbeiten wir aktuell zusammen und natürlich ist das auch eine Möglichkeit für die Zukunft“, sagte Krach dem Nachrichtenportal „Politico“. Evers ist derzeit Finanz- und Kultursenator in Berlin und soll die CDU als Spitzenkandidat in die Wahl führen.
Neue Situation nach Wegner-Rückzug
Krach hatte zuvor eine Zusammenarbeit mit dem amtierenden Regierenden Bürgermeister Kai Wegner ausgeschlossen. „Ich habe aber ausdrücklich nicht gesagt, dass eine Zusammenarbeit mit der CDU nicht mehr infrage kommt. Und natürlich ist das jetzt eine neue Situation“, betonte Krach. Dennoch äußerte er Vorbehalte gegenüber Evers, der Wegner bis zuletzt unterstützt habe. „Von daher ist das System Wegner ja nicht beendet. Und natürlich stellt sich auch die Frage, welche Rolle der Finanzsenator in der Fördergeldaffäre gespielt hat.“
Wegners Rückzug und die Folgen
Wegner hatte am Freitag angekündigt, auf die Spitzenkandidatur zu verzichten, nachdem seine Krisenkommunikation während eines großen Stromausfalls in Berlin im Januar massiv kritisiert worden war. Er war in die Kritik geraten, weil er während der Krise privat Tennis gespielt und zudem falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement gemacht hatte. Die Grünen-Politikerin Renate Künast forderte sogar seinen sofortigen Rücktritt als Regierender Bürgermeister. Der CDU-Landesvorstand kommt am späten Nachmittag zusammen, um über Evers' Kandidatur endgültig zu entscheiden.
Wahlkampf in Berlin: Enges Rennen
Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im September zeichnet sich ein enges Rennen um den ersten Platz ab. Umfragen zufolge liegen Linke, Grüne, AfD und CDU dicht beieinander, während die SPD meist etwas zurückliegt. Die CDU hat mit dem Absturz Wegners einen schweren Stand, während die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp auf Klassenkampf-Populismus und Bürgernähe setzt. Krach sieht nun neue Chancen für eine schwarz-rote Zusammenarbeit, die nach dem Wegner-Rückzug wieder möglich erscheint.



