Stefan Evers wird Spitzenkandidat der Berliner CDU: Was er bietet
Stefan Evers wird Spitzenkandidat der Berliner CDU (15.07.2026)

Die Berliner CDU hat sich für eine schnelle Lösung entschieden: Stefan Evers soll die Partei in den Wahlkampf führen. Das gaben die Bezirksvorsitzenden nach einem Treffen am Freitagabend bekannt. Der 46-Jährige ist seit 2023 Finanzsenator und seit wenigen Monaten auch Kultursenator von Berlin. Er gilt als enger Vertrauter des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner.

Werdegang und Erfahrung

Evers wuchs in Nordrhein-Westfalen auf und studierte Jura. Ende der 1990er Jahre zog er nach Berlin. 2011 wurde er erstmals in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt. Von 2018 bis 2023 war er Geschäftsführer der CDU-Fraktion, von Dezember 2016 bis Herbst 2023 Generalsekretär der Berliner CDU. Als Finanzsenator überwacht er die Haushaltsaufstellung, die städtischen Finanzen und ist an allen großen Investitionen und Vertragsverhandlungen beteiligt. Beobachter sagen, er agiere bereits jetzt eher wie ein Regierungschef denn ein Ressortsenator.

Stärken im Wahlkampf

Evers kann auf Kampagnenerfahrung zurückgreifen. Als Generalsekretär organisierte er die Strategie der CDU vor der Wiederholungswahl im Februar 2023. Dabei rückte er wiederholt die Silvesterkrawalle in den Mittelpunkt. Auf der Plattform X schlug er einen kämpferischen Ton an. Nach der Wiederholungswahl nahm er an den Koalitionsverhandlungen teil, bei denen die CDU sowohl mit der SPD als auch mit den Grünen als potenzielle Partner sprach. Evers gilt als liberal, ist offen schwul und wird als jemand gesehen, der sowohl mit den Grünen als auch mit der SPD gut zusammenarbeiten könnte. In den letzten Jahren wurde er mehrfach von der SPD-Fraktion zu Klausuren eingeladen, um Vorträge zum Haushalt zu halten.

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Ruf und Integrität

Während der Regierende Bürgermeister in den letzten sechs Monaten wegen seines Verhaltens am ersten Tag des Stromausfalls in der Kritik stand, gilt Evers als integer. Sein Ruf ist unbeschadet, und er trägt keine politische Altlast. Allerdings gilt er als enger Vertrauter von Kai Wegner und verteidigte ihn in der Kontroverse um den Stromausfall mehr, als dass er Konsequenzen forderte. Auch in den letzten Tagen positionierte er sich nicht als Nachfolger Wegners. Beobachter sagen, er sei mehr oder weniger aus Verantwortungsgefühl für die Partei gedrängt worden.

Herausforderungen

Die Frage bleibt, ob Evers die verbleibenden elf Wochen nutzen kann, um die Debatte über Wegner zu beenden und den Fokus auf andere Themen zu lenken. Das bedeutet auch, dass Evers aus einer defensiven Position startet. Anders als Wegner wird er seinen politischen Rivalen ohne den Amtsbonus eines Regierenden Bürgermeisters gegenüberstehen. Nachdem Kai Wegner seinen Rückzug angekündigt hatte, kommentierte Evers auf X: „Verantwortung für Berlin. Darum geht es in den Ämtern, in die wir gewählt sind.“ Kai Wegner habe Verantwortung übernommen und eine „schwierige persönliche Entscheidung“ getroffen. Das verdiene „Respekt“. Evers schrieb aber auch, dass nun wieder darüber gesprochen werden könne, worum es bei der Wahl am 20. September „wirklich“ gehe. „Diese Stadt steht an einem Wendepunkt. Die Wahl im September wird eine richtungweisende Wahl.“

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