Umfrage: Deutsche gespalten bei Leihmutterschaft – Grüne fordern neue Debatte
Umfrage: Deutsche gespalten bei Leihmutterschaft

Meinungsbild zur Leihmutterschaft: Deutschland tief gespalten

Die Debatte um die Legalisierung von Leihmutterschaft in Deutschland spaltet die Bevölkerung nahezu gleichmäßig. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag der „Bild“-Zeitung halten 39 Prozent der Befragten das derzeitige Verbot für richtig. Demgegenüber stehen 41 Prozent, die das Verbot für falsch erachten. Ein außergewöhnlich hoher Anteil von 21 Prozent machte keine Angabe oder gab an, keine Antwort zu wissen. Die Umfrage zeigt, dass das Thema in der Gesellschaft hoch umstritten ist und viele Menschen noch keine gefestigte Meinung haben.

Grünen-Fraktionschefin Haßelmann: Kommissionsbericht nicht in der Schublade vergessen

Angesichts dieser Diskussion fordert die Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann eine neue inhaltliche Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin aus dem Jahr 2024. Der Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn sei „absolut folgerichtig“ gewesen, erklärte Haßelmann gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Bericht der Kommission, die von der damaligen Ampel-Koalition eingesetzt worden war, sei „zu wertvoll, als dass er bei dieser Koalition in einer Schublade verschwindet“. Die Kommission hatte im April 2024 ihren Abschlussbericht vorgelegt und unter anderem empfohlen, Leihmutterschaft in bestimmten Fällen zuzulassen – „sofern insbesondere der Schutz der Leihmutter und das Kindeswohl hinreichend gewährleistet werden“. Die kommerzielle Leihmutterschaft lehnte die Kommission jedoch ab.

Altruistische Leihmutterschaft: Risiken und enge Voraussetzungen

Die Kommissionsmitglieder wiesen damals darauf hin, dass selbst die altruistische Leihmutterschaft – also ohne Bezahlung – das Risiko für Missbrauch berge. Sie sollte deshalb, wenn überhaupt, nur unter sehr engen Voraussetzungen ermöglicht werden. Dazu zähle etwa ein nahes verwandtschaftliches oder freundschaftliches Verhältnis zwischen Wunscheltern und Leihmutter. Diese Einschränkungen sollen sicherstellen, dass keine finanziellen Anreize oder Abhängigkeiten entstehen, die die Leihmutter ausbeuten könnten.

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SPD-Frauen und Linke warnen vor Kommerzialisierung

Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in der SPD hat sich beim Thema Leihmutterschaft noch nicht abschließend positioniert. Die Meinungsbildung sei noch nicht abgeschlossen, sagte die Co-Vorsitzende Ulrike Häfner den Funke-Zeitungen. Grundsätzlich kritisierten die Frauen in der SPD die zunehmende „Kommerzialisierung von Frauen in der Reproduktionsmedizin und die Ausnutzung deren materiellen Notlagen“. Auch in der Linksfraktion im Bundestag verweist man auf ein mögliches finanzielles Ungleichgewicht zwischen Leihmutter und den Paaren, die Eltern werden wollen. Die frauenpolitische Sprecherin Kathrin Gebel sieht selbst altruistische Varianten kritisch: „Gesundheitliche Risiken, Abhängigkeiten und familiärer Druck“ würden nicht automatisch verschwinden, nur weil offiziell kein Geld fließe, so Gebel.

Internationale Praxis und gesellschaftlicher Druck

Die Debatte in Deutschland findet vor dem Hintergrund statt, dass Leihmutterschaft in vielen Ländern wie den USA, Kanada oder Großbritannien unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist. Deutsche Paare reisen daher häufig ins Ausland, um diesen Weg zur Elternschaft zu nutzen. Die Befürworter einer Legalisierung argumentieren, dass ein Verbot lediglich dazu führe, dass Paare und Leihmütter in rechtliche Grauzonen oder ins Ausland ausweichen. Gegner hingegen befürchten eine Kommerzialisierung des weiblichen Körpers und eine Ausbeutung sozial schwächerer Frauen. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Gesellschaft in dieser Frage tief gespalten ist, und die Politik steht vor der Herausforderung, einen Konsens zu finden, der sowohl dem Kinderwunsch von Paaren als auch dem Schutz von Leihmüttern gerecht wird.

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