Umfrage: Nur 17 Prozent der Deutschen halten Staat für handlungsfähig
Umfrage: Nur 17% der Deutschen halten Staat für handlungsfähig

Das Vertrauen der Deutschen in die Handlungsfähigkeit des Staates ist auf einen neuen Tiefpunkt gefallen. Laut der aktuellen Bürgerbefragung des dbb Beamtenbunds, für die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Juli 2026 eine repräsentative Gruppe von 2018 Menschen befragte, halten nur noch 17 Prozent der Bundesbürger den Staat für in der Lage, seine Aufgaben zu erfüllen. Vier von fünf Befragten sehen ihn hingegen als überfordert an. Dies ist der niedrigste Vertrauenswert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2019, als noch gut ein Drittel der Befragten angab, der Staat erledige seinen Job.

Vertrauensverlust im Vergleich zu früheren Jahren

In der Anfangsphase der Corona-Pandemie im Jahr 2020 vertrauten sogar 56 Prozent dem Staat – ein Wert, der möglicherweise der damaligen Krisensituation geschuldet war. Auch im zweiten Corona-Jahr 2021 gab fast die Hälfte der Befragten an, der Staat erfülle seine Aufgaben. In den Jahren 2022 bis 2025 schwankten die Werte zwischen 30 und 20 Prozent. Der aktuelle Wert von 17 Prozent markiert nun einen historischen Tiefstand.

Wandel der Sorgen: Von Migration zu Alltagsthemen

Die Erhebung zeigt auch, dass sich die Sorgen der Deutschen verschoben haben. Während in den vergangenen zwei Jahren die Asyl- und Flüchtlingspolitik als das Feld galt, in dem der Staat am meisten überfordert sei – 2024 und 2025 nannten dies jeweils 30 Prozent der Befragten –, sind es 2026 nur noch 16 Prozent. Ein Rückgang um 14 Prozentpunkte, der vor allem auf die von der Union angestoßene „Migrationswende“ zurückgeführt werden könnte.

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Stattdessen rücken nun Alltagsthemen in den Vordergrund, die in diesem Jahr massiv diskutiert wurden: 26 Prozent der Befragten halten den Staat bei den sozialen Sicherungssystemen und der Rente für überfordert – ein Anstieg um zehn Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. 18 Prozent nennen die Steuer- und Finanzpolitik als Bereich staatlicher Überforderung, elf Prozent die Wirtschaftspolitik.

Wichtigste Aufgaben und schlechteste Noten

Als die drei wichtigsten Aufgaben des Staates nennen die Deutschen die Reform der sozialen Sicherungssysteme (55 Prozent „sehr wichtig“), die Sicherung von Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen (54 Prozent) sowie den Ausbau der Infrastruktur (53 Prozent). Doch just bei diesen drei Bereichen attestieren sie dem Staat das schlechteste Abschneiden: Nur elf Prozent der Befragten glauben, dass es ihm bei Sozialstaat und Wirtschaft gut gelingt, und nur 15 Prozent beim Thema Infrastruktur.

Zugleich wird die Bewertung des öffentlichen Dienstes immer kritischer. 51 Prozent der Befragten sagen, die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Einrichtungen sei in den vergangenen Jahren geringer geworden – so viele wie nie zuvor. Nur zehn Prozent glauben, sie sei gewachsen.

Digitalisierung: Schulnote 4,0 für Staat und Verwaltung

Ein Schwerpunkt der Befragung lag auf der Digitalisierung. Die Bundesbürger vergeben dem Stand der Digitalisierung von Staat und öffentlicher Verwaltung die Schulnote 4,0. Die Bundesministerien erhalten sogar eine 4,2 – ein deutlich schlechterer Wert als im Vorjahr und der schwächste aller abgefragten Institutionen.

Als Hauptgrund für die schleppende Digitalisierung sehen 69 Prozent der Befragten die mangelnde Kooperation zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. 59 Prozent bemängeln zu hohe Datenschutzanforderungen, 55 Prozent fehlenden Veränderungswillen in der Verwaltung, 54 Prozent fehlende IT-Fachkräfte und 41 Prozent nennen fehlende finanzielle Mittel.

Dem im Zuge der Digitalisierungsbemühungen neu geschaffenen Digitalministerium trauen die Bürger nicht viel zu: Nur ein Fünftel der Befragten glaubt, dass es in den nächsten Jahren spürbare Fortschritte erzielen wird. 62 Prozent sind skeptisch. Selbst unter den Unionsanhängern, deren Partei das Ministerium stellt, haben nur 46 Prozent Vertrauen – bei AfD-Anhängern sind es lediglich zehn Prozent.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Behörden wird von einer knappen Mehrheit von 50 Prozent grundsätzlich positiv gesehen, während 44 Prozent Bedenken haben. Jüngere zeigen sich hier offener als Ältere; Anhänger von Union, SPD und Grünen sind aufgeschlossener als jene von Linke und AfD.

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Wünsche der Bürger an die Verwaltung

Die Bürger haben klare Forderungen an die Verwaltung: 86 Prozent wünschen sich eine deutliche Verringerung und Vereinfachung der Vorschriften, 78 Prozent kürzere Bearbeitungszeiten und 72 Prozent mehr Online-Dienstleistungen – ein Anstieg um sechs Prozentpunkte gegenüber 2025. Der Wunsch nach Digitalisierung wächst also, während das Vertrauen, dass sie kommt, auf dem Tiefpunkt ist.

Allerdings wissen lediglich ein Drittel der Befragten, welche Behördenleistungen in ihrer Stadt online bereits verfügbar sind. Selbst unter den im öffentlichen Dienst Beschäftigten sind es weniger als die Hälfte.

Ansehen von Berufen: Feuerwehr und Pflege vorne, Politiker am Ende

Das jährliche Berufe-Ranking bleibt an der Spitze stabil: Feuerwehrleute genießen bei 94 Prozent der Befragten ein hohes Ansehen, gefolgt von Pflegekräften (91 Prozent) und Ärztinnen und Ärzten (84 Prozent). Am Ende rangieren – unverändert – Politiker. Nur noch sieben Prozent der Befragten attestieren ihnen ein hohes Ansehen – ein Rückgang um vier Punkte gegenüber 2025 und der niedrigste Wert in der Geschichte der Erhebung.

Das Bild von Beamten bleibt gemischt: Als verantwortungsbewusst und pflichtbewusst sehen sie jeweils knapp 60 Prozent der Befragten – weniger als in den Vorjahren. 40 Prozent bescheinigen ihnen Sturheit.