Wirtschaftswende aus Unternehmen: Lindner fordert Eigeninitiative
Wirtschaftswende: Lindner setzt auf Unternehmen

Deutschland diskutiert seit Jahren über eine Wirtschaftswende. In meiner Zeit in der Politik habe ich für weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Steuern, bezahlbare Energie, schnellere Planungen, mehr Arbeitsanreize und mehr Kapital für Innovation gekämpft. Nach dem Seitenwechsel in die Privatwirtschaft kann ich bestätigen, wie nötig all das wäre. Aber fast nichts geschieht in der nötigen Geschwindigkeit.

Das Problem der Vetospieler

Das ist kein Zufall. Aus der politischen Ökonomie kennen wir den Begriff der Vetospieler. Gemeint sind Akteure, deren Zustimmung nötig ist, um den Status quo zu verändern. Der Politikwissenschaftler George Tsebelis hat gezeigt: Je mehr Vetospieler es gibt und je unterschiedlicher ihre Interessen sind, desto geringer wird die Fähigkeit eines Systems zu entschlossener Veränderung. Reformen werden dann nicht unmöglich. Aber sie werden langsamer, kleiner und oft widersprüchlich. Genau das erleben wir in Berlin und Brüssel: Koalitionspartner, Bundesrat, Länder, Europäischer Rat, Parlament, Kommission, Verwaltungen, Gerichte.

Auf die Politik zu warten, ist gefährlich

Unter „Wirtschaftswende“ verstehen überdies nicht alle dasselbe. Bürgerliche Politik meint: Arbeit attraktiver machen, Investitionen erleichtern, Steuern senken und Bürokratie verringern. Links der Mitte meint man häufiger Subventionen, Schulden und Lenkung. Wenn solche Kräfte gemeinsam regieren müssen, entsteht selten der große Sprung. Außer bei den Schulden.

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Die entscheidende Einsicht lautet: Unternehmen sollten nicht darauf warten, bis die Politik die Rahmenbedingungen perfekt gestaltet. Stattdessen können sie selbst aktiv werden. Viele Betriebe haben bereits erkannt, dass sie durch interne Innovationen, Digitalisierung und effizientere Prozesse ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern können – unabhängig von politischen Entscheidungen.

Was Betriebe jetzt tun sollten: Investitionen in neue Technologien vorantreiben, Fachkräfte durch attraktive Arbeitsbedingungen binden, bürokratische Hürden im eigenen Haus abbauen und sich stärker vernetzen. Die Wirtschaftswende kommt nicht aus Koalitionsverträgen, sondern aus den Unternehmen selbst. Warten wir nicht auf Berlin!

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