Friedrich Merz hat gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt als Bundeskanzler sein Regierungsteam grundlegend umgebaut. Auslöser der Neuaufstellung war der überraschende Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionsvorsitzender. Der Kanzler und CDU-Chef ging dabei mit großer Härte vor und nahm keinerlei Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten. Mehrere Minister und Staatssekretäre wurden entlassen, versetzt oder befördert. Die Personalentscheidungen haben in der Partei teils für Zufriedenheit, teils für offene Empörung gesorgt.
Thorsten Frei übernimmt die Fraktionsführung
Der bisherige Kanzleramtsminister Thorsten Frei (52) wird neuer Vorsitzender der Unionsfraktion. Der Mann aus Südbaden ist bei den Abgeordneten beliebt und gilt als erfahren im parlamentarischen Betrieb. Seine Ernennung stieß in der Union auf ein überwiegend positives Echo. Doch die Erwartungen sind hoch: Frei muss nun die Interessen der Fraktion vertreten und gleichzeitig sicherstellen, dass bei wichtigen Abstimmungen die Mehrheit steht – eine anspruchsvolle Aufgabe bei einer hauchdünnen Mehrheit von nur zwölf Stimmen Puffer.
Nina Warken wird Kanzleramtschefin
Die 47-jährige Baden-Württembergerin Nina Warken macht eine steile Karriere. Vor einem Jahr noch weitgehend unbekannt, holte Merz sie als Gesundheitsministerin ins Kabinett – ohne fachliche Vorerfahrung, aber mit dem Auftrag, eine umfassende Gesundheitsreform anzugehen. Diese Herausforderung nahm sie erfolgreich an. Nun befördert Merz sie zur Chefin des Kanzleramts, wo sie als rechte Hand des Kanzlers fungieren und die Regierungsgeschäfte koordinieren soll.
Carsten Linnemann wechselt ins Gesundheitsministerium
Der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann (48) übernimmt als Nachfolger von Nina Warken das Gesundheitsministerium. Bislang war Linnemann als „Mann fürs Grobe“ und lautstarker Verkünder der Merz-Linie bekannt. Nun muss er Fingerspitzengefühl beweisen: Er wird mit Ärztevertretern, Krankenkassen und Patientenorganisationen verhandeln müssen. Zudem hat er große Reformprojekte vor der Brust, darunter die Pflegereform, den Aufbau eines Primärarztsystems und Strukturveränderungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung.
Steffen Bilger wird Verkehrsminister – Schnieder gefeuert
Die Personalie Patrick Schnieder sorgte für einen handfesten Eklat. Merz erklärte dem bisherigen Verkehrsminister, dass er keine Verwendung mehr für ihn habe. Der ursprünglich als Nachfolger vorgesehene Finanzexperte Fritz Güntzler sagte dem Kanzler zuerst zu und dann ab, was die Kommunikation des Rauswurfs zum Desaster werden ließ. Besonders die rheinland-pfälzische CDU ist stinksauer. Neuer Verkehrsminister wird der bisherige Erste Parlamentarische Geschäftsführer Steffen Bilger (47), der nun den Scherbenhaufen aufräumen muss.
Philipp Amthor wechselt ins Kanzleramt
Der 33-jährige Philipp Amthor aus Ueckermünde kommt aus dem Digitalministerium und wird Staatsminister für Bund-Länder-Beziehungen im Kanzleramt. Bisher war er für Bürokratieabbau zuständig, dieses Thema bleibt ihm erhalten. Amthor betonte, „Staatsmodernisierung sowie alle Reformvorhaben seien eine gesamtstaatliche Aufgabe“. Merz erwartet von ihm die Umsetzung der föderalen Digitalisierungs- und Modernisierungsagenda.
Christiane Schenderlein: Vom Kanzleramt ins Gesundheitsministerium
Christiane Schenderlein (44) hatte als Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt keine allzu große öffentliche Strahlkraft. Merz will ihren Posten mit einer Person aus dem aktiven Sport besetzen, Ex-Fußball-Nationalspielerin Nadine Keßler ist im Gespräch. Schenderlein hat jedoch das Nachsehen nicht: Carsten Linnemann holt sie als Staatssekretärin in sein Ministerium – sehr zur Verärgerung von Tino Sorge, der seinen Posten als Staatssekretär im Gesundheitsministerium verliert.
Gitta Connemann wechselt ins Digitalministerium
Die 62-jährige Gitta Connemann behält gleich drei Aufgaben. Bislang war sie Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, doch das Verhältnis zu ihrer Ministerin Katherina Reiche galt als angespannt. Nun wird sie Nachfolgerin von Philipp Amthor als Staatssekretärin im Digitalministerium. Zudem bleibt sie Mittelstandsbeauftragte der Regierung – eine Stelle, die eigentlich im Wirtschaftsministerium angesiedelt ist – und leitet weiterhin als Bundesvorsitzende die einflussreiche Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT).
Johannes Steiniger als Versöhnungsgeste
Der 39-jährige Johannes Steiniger rückt für Connemann ins Wirtschaftsministerium ein. Bisher war der Bundestagsabgeordnete in der Unionsfraktion für Agrarpolitik zuständig. Entscheidend ist seine Herkunft: Steiniger kommt aus Rheinland-Pfalz und war bisher Generalsekretär der dortigen CDU. Seine Beförderung wird als Friedensangebot des Kanzlers an die rheinland-pfälzische CDU gewertet, die über den Rauswurf von Patrick Schnieder verärgert ist. Dies zeigt, dass Personalentscheidungen in der Politik viel mit Diplomatie zu tun haben.
Franziska Hoppermann wird CDU-Generalsekretärin
Franziska Hoppermann (44) übernimmt die Parteizentrale in schwierigen Zeiten: Umfragewerte der CDU sind schlecht, und die Landtagswahlen im Osten stehen bevor. Die Hamburgerin und engagierte Katholikin war bisher Schatzmeisterin der Partei und galt schon länger als Kandidatin für höhere Ämter. Ihr Großvater war ebenfalls CDU-Politiker und langjähriger Bundestagsabgeordneter.
Catarina dos Santos-Wintz rückt zur Ersten Parlamentarischen Geschäftsführerin auf
Die 32-jährige Anwältin Catarina dos Santos-Wintz ist erst in der zweiten Wahlperiode als Abgeordnete, hat sich aber rasant in der Fraktion hochgearbeitet. Seit 2025 ist sie Parlamentarische Geschäftsführerin und organisiert die Abläufe. In diesem Jahr wurde sie mit 97,37 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Nun wird sie als Nachfolgerin von Steffen Bilger zur Ersten Parlamentarischen Geschäftsführerin befördert und soll dafür sorgen, dass der parlamentarische Maschinenraum reibungslos läuft.



