Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sinken kaum noch – und das Land steuert auf eine massive Verfehlung seiner Klimaziele zu. 2025 betrug der Rückgang lediglich 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Umweltbundesamt (UBA) projiziert, dass Deutschland seine CO₂-Obergrenzen bis 2030 um bis zu 255 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente überschreiten könnte. Die mögliche Folge: Deutschland müsste auf europäischer Ebene Emissionsrechte nachkaufen – das könnte den Bund bis zu 38 Milliarden Euro kosten.
Ursachen der Klimaschutzlücke
Im Gespräch mit Handelsblatt-Redakteurin Kathrin Witsch erläutert UBA-Präsident Dirk Messner die Gründe für die stockende Emissionsminderung. Während die erneuerbaren Energien wachsen und Elektroautos sowie Wärmepumpen an Fahrt gewinnen, sinken die Gesamtemissionen nicht im erwarteten Tempo. Besonders problematisch sind die Sektoren Gebäude und Verkehr, die weiterhin hohe CO₂-Ausstoße verzeichnen. Hier hapert es an der Umsetzung von Maßnahmen – etwa bei der Sanierungsrate von Altbauten oder dem Umstieg auf emissionsarme Antriebe.
Die Kosten des Nichthandelns
Messner betont, dass das Verfehlen der Klimaziele nicht nur die genannten Summen für Emissionszertifikate nach sich ziehen würde. Langfristig seien die Folgen des Klimawandels weitaus teurer. „Wenn uns das Ökosystem um die Ohren fliegt, können die Schäden irreversibel sein“, sagte Messner im Podcast. Die Kosten von Klimaschäden wie Extremwetterereignissen, Ernteausfällen oder Gesundheitsbelastungen überstiegen die Investitionen in Klimaschutz bei Weitem. Daher sei es volkswirtschaftlich sinnvoller, jetzt zu handeln, anstatt die Rechnung später zu bezahlen.
Handlungsdruck auf die Politik
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Aktuelle Prognosen des UBA zeigen jedoch, dass dieses Ziel ohne zusätzliche Maßnahmen deutlich verfehlt wird. Die Lücke von 255 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten müsste durch den Kauf von Emissionsrechten aus anderen EU-Staaten geschlossen werden. Die finanzielle Belastung von bis zu 38 Milliarden Euro käme zu den ohnehin steigenden Kosten für Klimaanpassung und -schäden hinzu.
Messner appelliert an die Politik, die Rahmenbedingungen für eine schnellere Dekarbonisierung zu schaffen. Dazu zählen strengere Vorschriften im Gebäudesektor, ein beschleunigter Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos und eine konsequentere Bepreisung von CO₂. Nur so könne Deutschland die wachsende Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit schließen.



