Bürgerprotest in Banzkow: Nach 25 Jahren plötzlich Strafzettel für Parken auf gepflegtem Grünstreifen
Banzkow: Strafzettel nach 25 Jahren für Parken auf Grünstreifen

Bürgerprotest in Banzkow: Nach 25 Jahren plötzlich Strafzettel für Parken auf gepflegtem Grünstreifen

In der Gemeinde Banzkow herrscht derzeit blankes Unverständnis unter den Anwohnern. Seit Jahren pflegen sie einen Grünstreifen vor ihren Häusern und nutzten ihn mit Genehmigung als Parkplatz. Nun verhängt das Amt Crivitz plötzlich Bußgelder dafür, was zu heftigen Protesten führt.

Jahrzehntelange Duldung endet abrupt

Karl Liebeheim, ein 80-jähriger Ehrenbürger von Banzkow, wohnt seit 2001 in der Straße der Befreiung 88. Gemeinsam mit seiner Frau und Nachbarn hat er den braunen Erdstreifen vor seinem Grundstück urbar gemacht, Bäume gepflanzt und Rasengittersteine verlegt. Mit der ausdrücklichen Genehmigung des damaligen Amtsleiters Wilfried Kunzel durften sie dort ihre Autos abstellen. Diese Praxis wurde über 25 Jahre geduldet, bis im Januar 2026 die erste Strafe von 55 Euro für Falschparken ins Haus flatterte.

„Ein Unding“, moniert Liebeheim. „Ich verstehe nicht, warum wir jetzt plötzlich dafür Strafe zahlen, dass wir vor unseren Grundstücken auf einer Fläche parken, die wir selbst angelegt haben und pflegen.“ Seine Tochter, die den Strafzettel erhielt, erhielt bei einem Nachsichtigkeitsgesuch die knappe Antwort, sie solle froh sein, dass das Bußgeld nicht höher ausgefallen sei.

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Amt verweist auf neue Rechtslage

Amtsleiterin Iris Brincker erklärt die neue Vorgehensweise mit einer Grünanlagensatzung aus dem Jahr 2016. Seitdem werde strikt nach dieser Regelung verfahren. Eine Ausnahmegenehmigung liege dem Amt nicht vor, und die Anwohner konnten keine schriftliche Vereinbarung vorlegen. Brincker empfahl, eine Pflegevereinbarung mit der Gemeinde abzuschließen, die eine Ausnahmeregelung ermöglichen könnte.

Für Karl Liebeheim ist das schwer nachzuvollziehen. Als Ehrenbürger engagiert er sich ehrenamtlich im Dorf und betont: „Da kommt es mir als Letztes in den Sinn, Grünanlagen zu beschädigen.“ Er plant, bei Bürgermeister Guido Klüver vorzusprechen, um eine Parkkarte oder Ausnahmegenehmigung zu erwirken.

Nachbarn solidarisieren sich

Auch Nachbar Ralph Baumgart hat einen Strafzettel erhalten. In seiner Stellungnahme verweist er darauf, dass die Fläche ursprünglich Ackerland war und er sie seit 26 Jahren pflegt – ebenfalls mit Duldung des damaligen Amtsvorstehers. Er stellt die rechtliche Einordnung infrage, da keine öffentlich-rechtliche Widmung als Grünanlage vorliege. Die Fläche sei durch das Parken nicht beschädigt worden, und mangels Kennzeichnung sei für Dritte nicht erkennbar gewesen, dass das Parken unzulässig sei.

„Es kann so einfach sein, wenn das Amt Crivitz mehr Bürgernähe zeigen würde, um eine Lösung zum Vorteil für alle Seiten zu finden“, merkt Baumgart an. Würde das Amt auf einem Parkverbot beharren, würden die Pflegeleistungen der Anwohner hinfällig.

Nachbar Ronald Oldenburg, der bislang keinen Strafzettel erhalten hat, ist ebenso alarmiert. Er nutzt die Fläche für sich und Besucher und betont die Gefahr durch enge Straßen und viel Verkehr. „So geht man nicht mit unbescholtenen Bürgern um“, sagt er entschieden.

Bürgermeister sucht nach Lösung

Bürgermeister Guido Klüver kennt das Problem und hat es bereits im Bauausschuss thematisiert. Er weist darauf hin, dass der Streifen vor den Grundstücken nicht im Eigentum der Gemeinde, sondern des Landkreises liegt. Die nächste Sitzung des Bauausschusses ist für den 12. März 2026 geplant, wo die Satzung erneut diskutiert werden soll.

Die Anwohner hoffen auf eine pragmatische Lösung, die ihre jahrzehntelange Pflegearbeit würdigt und die Sicherheit im Straßenverkehr berücksichtigt. Der Fall zeigt, wie bürokratische Härten das Vertrauen der Bürger in die Behörden erschüttern können.

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