Brandenburgs CDU-Landesvorsitzender Jan Redmann sieht bei den Reformvorhaben der Bundesregierung zwar Fortschritte, betont aber, dass das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Koalition noch nicht zurückgewonnen ist. „Natürlich ist die Koalition im Bund längst nicht da, wo sie sein wollte, das ist doch vollkommen klar“, sagte der Innenminister und CDU-Landeschef der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. „Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger, das ist noch nicht zurückgewonnen worden.“
Fortschritte bei Reformen, aber große Baustellen bleiben
Die Bundesregierung habe in den vergangenen Monaten „ein paar Fortschritte“ bei Reformen gemacht, so Redmann. „Wichtig ist jetzt, hier nicht nachzulassen, sondern die großen Baustellen, die auf der Bundesebene weiter bestehen, anzugehen.“ Diese Aussage unterstreicht den Anspruch der Union, trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiterhin Gestaltungswillen zu zeigen.
Redmann äußerte sich auch zur jüngsten Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dessen Kabinettsumbildung. „Es ist zunächst mal das gute Recht des Bundeskanzlers, eine Mannschaft selbst zusammenzustellen“, erklärte er. Dass der gesamte Prozess kommunikativ nicht glücklich gelaufen sei, habe Merz selbst eingeräumt. „Es geht aber insgesamt um etwas Größeres, nämlich darum, dieses Land zu reformieren, auch Handlungsfähigkeit dieser Bundesregierung zu beweisen. Und das ist eine Aufgabe, die aus meiner Sicht wichtiger ist als Stilfragen.“
Unmut in der Union über Personalumbau
Der Personalumbau im Kabinett hatte in den Reihen der Union erheblichen Unmut ausgelöst. Besonders bemerkenswert: Brandenburgs JU-Landesvorsitzende trat aus Protest gegen den CDU-Kurs zurück und verließ sogar die Partei. Diese Entwicklung zeigt, wie tief die Verstimmung innerhalb der Partei reicht.
Zudem geraten die Rentenpläne von Kanzler Merz derzeit durch Kritik vor allem ostdeutscher Ministerpräsidenten unter Druck. Die Diskussion um die Alterssicherung könnte sich als weiterer Stolperstein für die Koalition erweisen.
Warnung vor AfD-geführter Regierung in Sachsen-Anhalt
Mit Blick auf die Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt warnte Redmann eindringlich vor den Folgen einer AfD-geführten Regierung. „Ich empfehle jedem, da mal fünf bis zehn Minuten die Augen zu schließen und sich vorzustellen, was es aus diesem Land macht, wenn beispielsweise ein AfD-Ministerpräsident dort im Amt wäre“, sagte der Innenminister.
Die Bürgerinnen und Bürger sollten sich fragen, ob das Land unter einer AfD-geführten Regierung weiterhin entschlossen gegen Extremismus vorgehe, eine von radikalen Inhalten unbeeinflusste Schulbildung gewährleiste und wettbewerbsfähig sowie für internationale Unternehmen attraktiv bleiben würde. „Das sind doch die ganz, ganz entscheidenden Fragen. Auf die, so wie ich das sehe, die AfD bislang entweder keine Antwort hat oder Antworten hat, die den Menschen zu Recht Angst machen“, so Redmann.
Umfragen sehen AfD vorn, aber Wahlausgang offen
In aktuellen Wahlumfragen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt mit 41 Prozent Zustimmung deutlich vorn. Dennoch warnt Redmann davor, einen hypothetischen Wahlausgang vorwegzunehmen. „Jetzt ist der Zeitpunkt, wo es darum geht, über die Zukunft dieses Landes zu diskutieren und die verschiedenen Wahlprogramme gegeneinander zu halten und die Konzepte auf Zukunftsfähigkeit abzuklopfen und nicht einen hypothetischen Wahlausgang vorwegzunehmen“, erklärte er.
Die Wahlentscheidung der Bürgerinnen und Bürger manifestiere sich meist erst in den letzten zwei bis drei Wochen vor der Wahl, so Redmann. Daher sei es jetzt entscheidend, inhaltlich zu überzeugen und die Weichen für eine stabile Regierung zu stellen.
Die Landes-CDU in Sachsen-Anhalt steht vor einer schwierigen Aufgabe, denn die AfD profitiert von Unzufriedenheit und Protestwählerpotenzial. Redmanns Appell richtet sich an alle demokratischen Kräfte, geschlossen für eine verlässliche und zukunftsorientierte Politik einzutreten.



