Die Debatte um mögliche Elterngeldkürzungen entlarvt Deutschlands Doppelmoral, mit der wir über Kinder und Elternschaft sprechen. Das ist der Kern einer neuen Kolumne von Agatha Kremplewski, die unter dem Titel „Rabenmutter“ im Handelsblatt erschienen ist.
Die Ausgangslage
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) steht unter Druck: Sie soll 500 Millionen Euro einsparen, wie es Bundesfinanzminister Lars Klingbeil fordert – und zwar bei den Leistungen für Eltern. Über die genaue Umsetzung wird noch diskutiert. Die Reaktionen fallen je nach persönlicher Situation unterschiedlich aus, doch die Autorin lenkt den Blick auf eine grundsätzlichere Frage.
Die private Entscheidung
Einerseits sei das Kinderkriegen eine höchstprivate Angelegenheit, schreibt Kremplewski. Paare entscheiden gemeinsam, ob sie Kinder wollen – oder es passiert einfach. Anschließend passen sie ihren Lebensstil an: Erziehungsmethoden, Ernährung, Betreuungsform, Arbeitszeitreduzierung oder Karriereumplanung – all das sind private Entscheidungen.
Der gesellschaftliche Widerspruch
Doch hier offenbare sich die Doppelmoral: Während die Entscheidung für oder gegen Kinder privat sei, werde sie plötzlich zur öffentlichen Angelegenheit, wenn die Gesellschaft unter fehlendem Nachwuchs leide. „Kinder sind Privatsache – bis sie der Gesellschaft fehlen“, fasst die Kolumnistin zusammen. Dann nämlich würden Eltern plötzlich mit Forderungen konfrontiert, mehr Kinder zu bekommen, und die Politik müsse gegensteuern.
Die Debatte um Elterngeldkürzungen zeige daher nicht nur finanzielle Zwänge, sondern auch den inneren Widerspruch einer Gesellschaft, die einerseits die Freiheit der Kinderlosigkeit betont, andererseits aber die demografischen Folgen beklagt. Die Kolumne ruft dazu auf, diese Doppelmoral zu erkennen und ehrlicher über die Rolle von Kindern in der Gesellschaft zu sprechen.



