Friedrich Merz ist am Mittwochabend im Berliner Jakob-Kaiser-Haus sichtlich erleichtert. Gerade erst ist dem Kanzler ein Stein vom Herzen gefallen – doch ganz entspannt wirkt er noch nicht. Zwei Stunden zuvor war das Ergebnis der Wahl seines Vertrauten Thorsten Frei zum CDU/CSU-Fraktionschef bekannt geworden. 91,9 Prozent Zustimmung – ein starkes Votum, trotz der tiefen Krise, in der die CDU steckt. Merz dürfte ein Felsbrocken vom Herzen gefallen sein.
Die CDU-Krise und Söders Sticheleien
Doch während Merz aufatmet, sorgt CSU-Chef Markus Söder für neue Unruhe. Unmittelbar nach der Wahl von Thorsten Frei ließ Söder verlauten: „Ich glaube, dass der Weg von Jens Spahn nicht beendet ist.“ Damit spielt der bayerische Ministerpräsident auf den ehemaligen Gesundheitsminister an, der zuletzt wenig Rolle spielte. Die Aussage ist ein weiterer Seitenhieb gegen Merz, der Spahn nach dessen umstrittener Zeit im Amt nicht mehr in der ersten Reihe sehen will.
Söder nutzt die aktuelle Schwäche der CDU aus, um seinen Einfluss zu maximieren. Er stellt Merz öffentlich in Frage und inszeniert sich selbst als starken Mann der Union. Die Spannungen zwischen den Schwesterparteien sind spürbar, und die CDU-Krise zeigt sich in voller Härte. Während Merz um Stabilität kämpft, bohrt Söder weiter in der Wunde.
Thorsten Frei – ein strategischer Sieg für Merz
Die Wahl von Thorsten Frei zum Fraktionschef war ein wichtiger Etappensieg für den Kanzler. Frei gilt als enger Vertrauter und soll die zerrüttete Fraktion einen. Mit 91,9 Prozent fiel das Ergebnis deutlich besser aus als erwartet – ein Zeichen, dass Merz noch Rückhalt in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Viele Abgeordnete hadern mit dem Kurs der Partei und den schlechten Umfragewerten.
Die Unruhe in der CDU hatte sich in den Wochen zuvor immer weiter verschärft. Merz sah sich mit innerparteilicher Kritik konfrontiert, insbesondere aus dem Lager der Jungen Union und von konservativen Kräften. Einige forderten sogar eine Neubesetzung des Kanzlerkandidaten. Die Wahl Freis soll nun Ruhe bringen – ob das gelingt, ist fraglich.
Söders Taktik: Provokation und Machtpoker
Markus Söder verfolgt mit seinen Äußerungen eine klare Strategie. Er will Merz in der Öffentlichkeit vorführen und sich selbst als Alternative positionieren. Die Aussage über Jens Spahn ist dabei nur ein Teil eines größeren Manövers. Söder hat in den letzten Tagen mehrfach die Politik des Kanzlers kritisiert – sei es in der Migrationsfrage, bei der Wirtschaftspolitik oder in der Klimapolitik.
Der CSU-Chef weiß, dass die Union ohne die bayerische Schwesterpartei keine Mehrheiten erreicht. Sein Verhalten ist ein Risiko für Merz, denn Söder könnte jederzeit die Zusammenarbeit aufkündigen. Doch bisher hält die Koalition – wenn auch unter ständigen Spannungen.
Ausblick: Wie geht es weiter?
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die CDU ihre Krise überwindet oder ob Söders Sticheleien weitere Risse verursachen. Die Bundesregierung steht vor großen Herausforderungen – Haushaltsdebakel, Inflation und außenpolitische Krisen. Da wäre Geschlossenheit nötig, doch davon ist die Union derzeit weit entfernt. Merz muss hoffen, dass Söder bald zur Vernunft kommt – oder die eigenen Reihen stabil genug sind, um den Attacken zu trotzen.



