Die FDP würde einer neuen Insa-Umfrage zufolge bei einer Bundestagswahl wieder den Einzug ins Parlament schaffen. Der Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts, den diese wöchentlich für die „Bild am Sonntag" erhebt, sieht die Liberalen erstmals seit rund eineinhalb Jahren wieder bei fünf Prozent. Damit würden die Freien Demokraten die Fünfprozenthürde überwinden und in den Bundestag einziehen.
FDP knackt die Fünfprozenthürde
In der am Sonntag veröffentlichten Erhebung erreicht die FDP exakt fünf Prozent. Das ist insofern bemerkenswert, als die Partei bei Insa zuletzt im Januar 2025 auf diesen Wert gekommen war. Nach dem Bruch der Ampelkoalition und der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar 2025 war die FDP mit lediglich 4,3 Prozent der Stimmen deutlich an der Fünfprozenthürde gescheitert und aus dem Bundestag ausgeschieden. In den Monaten danach war sie in Umfragen zwischenzeitlich auf drei Prozent abgerutscht.
Die aktuelle Erhebung deckt sich mit Ergebnissen anderer Meinungsforschungsinstitute. So hatte zuletzt YouGov die FDP ebenfalls bei fünf Prozent gesehen, während das Institut Allensbach sogar einen Wert von 5,5 Prozent ermittelt hatte. Die Insa-Zahl bestätigt damit einen allgemeinen Aufwärtstrend der Partei, die unter ihrem Vorsitzenden Wolfgang Kubicki wieder an Zustimmung gewinnt.
AfD bleibt stärkste Kraft
Bei den anderen Parteien registriert das Institut im Vergleich zur Vorwoche keine Veränderungen. Stärkste Kraft bleibt demnach die AfD mit 28 Prozent. Die Union aus CDU und CSU kommt unverändert auf 21 Prozent, die Grünen erreichen 14 Prozent. Die SPD liegt mit 12 Prozent weiterhin auf dem vierten Platz, gefolgt von der Linken mit 11 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) stagniert bei vier Prozent und würde mit diesem Wert erneut den Einzug in den Bundestag verpassen.
Interessant ist die aktuelle Sitzverteilung, die sich aus diesen Zahlen ergeben würde: Rechnerisch hätten AfD (28 Prozent), Union (21 Prozent), Grüne (14 Prozent), SPD (12 Prozent), Linke (11 Prozent) und FDP (fünf Prozent) zusammen 91 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Die restlichen neun Prozent entfallen auf sonstige Parteien, darunter auch das BSW, das mit vier Prozent an der Sperrklausel scheitern würde. Die genaue Mandatsverteilung hängt allerdings von den Zweitstimmen und Überhangmandaten ab.
Umfragewerte im Detail
Für die aktuelle Erhebung befragte Insa vom 27. bis zum 31. Juli insgesamt 1201 Personen. Die statistische Fehlertoleranz gibt das Institut mit plus/minus 2,9 Prozentpunkten an. Nach Angaben von Insa sind die Daten repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Umfrage wurde im Auftrag der „Bild am Sonntag" durchgeführt.
Wahlumfragen sind grundsätzlich mit Unsicherheiten behaftet. So erschweren nachlassende Parteibindungen und kurzfristige Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Die Ergebnisse sind daher nur als Stimmungsbild zu verstehen und nicht als exakte Prognose für den Ausgang einer Wahl.
Die Rückkehr der FDP in den Bundestag hätte politische Konsequenzen: Mit fünf Prozent würden die Liberalen wieder als Fraktion im Parlament vertreten sein und könnten bei Koalitionsverhandlungen eine Rolle spielen. Aktuell verfügen Union und SPD rechnerisch über keine Mehrheit (21 plus 12 Prozent ergeben nur 33 Prozent), auch mit den Grünen (35 Prozent) reicht es nicht für eine Regierung. Eine Koalition aus Union, SPD und FDP käme zusammen auf 38 Prozent – eine denkbare Option, sollte die FDP den Einzug schaffen. Allerdings sind die Umfragewerte mit Vorsicht zu betrachten, wie das Institut selbst betont.
Bereits in der vergangenen Woche hatte die FDP in anderen Umfragen leichte Gewinne verzeichnet. Der nun auch bei Insa gemessene Anstieg auf fünf Prozent könnte ein Signal für eine Stabilisierung der Partei sein, die nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag und dem Führungswechsel umgebaut hat. Wolfgang Kubicki, der die Partei seit 2025 führt, wertete die Entwicklung in der Vergangenheit als Beleg für eine „Rückkehr der liberalen Stimme" – auch wenn er dies in der aktuellen Umfrage nicht konkret kommentierte.



