Oktoberfest-Wirt klagt gegen Zeltvergabe und beklagt Anfeindungen
Gastronom klagt gegen Zeltvergabe und beklagt Anfeindungen

München – Der Gastronom Alexander Egger, der seit 2022 das kleinere Festzelt „Münchner Stubn“ auf dem Oktoberfest betrieben hat, sorgt mit seiner Klage gegen die Vergabepraxis der großen Wiesn-Zelte für Wirbel. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ berichtet Egger von massiven Anfeindungen, die sich nicht nur gegen seine Person, sondern auch gegen seine Familie, Mitarbeiter und Lieferanten richteten. „Die Aufregung hat ein Ausmaß angenommen, das ich mir nie hätte ausmalen können und bei dem es auch um die Sicherheit von Menschen geht“, wird der Wirt zitiert.

Mit seiner Klage will Egger gerichtlich durchsetzen, dass die Zuteilung zweier großer Festzelte künftig nach europäischem Vergaberecht erfolgt. Konkret geht es um die Festhalle Schottenhamel und das Paulaner-Festzelt. Während den Standplatz der Schottenhamel-Festhalle die Stadt München nach einer Ausschreibung vergibt, wird der Standplatz des Paulaner-Festzelts von der Brauerei vergeben. Ein Eilantrag Eggers scheiterte bereits; das Hauptsacheverfahren verhandelt das Bayerische Oberste Landesgericht am 11. September – genau acht Tage vor dem Auftakt des Oktoberfestes.

In der Begründung seiner Klage kritisiert Egger das Vergabesystem als intransparent. Bei den Bewertungsverfahren habe er eine „hohe Spannbreite in den Interpretationsmöglichkeiten der Bewertungsmöglichkeiten“ festgestellt. „Bei unseren vielen Bewerbungen, die über die Jahre zusammengekommen sind, haben wir immer wieder Widersprüche festgestellt, die uns keiner erklären konnte oder wollte“, sagte der Gastronom. Er fordert, dass die Standplätze der großen Zelte EU-weit ausgeschrieben werden.

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Anfeindungen gegen Familie und Mitarbeiter

Die Reaktionen auf seine Klage haben Egger offenbar überrascht. „Es gibt Anfeindungen, nicht nur gegen mich, sondern auch gegen meine Familie, Mitarbeiter und Lieferanten“, erklärte er der SZ. Auf die Frage, von wem diese Angriffe stammen, wollte er nicht näher eingehen. Die Lage sei so ernst, dass er sich entschloss, auf den Zuschlag für die Münchner Stubn in diesem Jahr zu verzichten, obwohl ihm das Zelt erneut angeboten worden wäre. „Das tut uns natürlich weh, besonders wegen unseres tollen Teams und unserer Gäste – aber Sicherheit geht vor“, so Egger.

Der Aufbau der Festzelte konnte trotz der juristischen Auseinandersetzung Ende Juni wie geplant beginnen. Zuvor hatten etablierte Wiesn-Wirte befürchtet, dass der Aufbau verzögert oder gar verhindert werden könnte. Von Ämtern, etwa im Hotel- und Gaststättenverband, trat Egger zurück; die Arbeitsgemeinschaft der Kleinen Wiesnzelte erklärte, seine Anwesenheit sei „nicht mehr erwünscht“.

Wirte warnen vor Kommerzialisierung

Die etablierten Festwirte sehen durch die Klage die Tradition des Oktoberfests in Gefahr. Wirte-Sprecher Peter Inselkammer warnte, durch „eine grenzenlose Kommerzialisierung würde unser Oktoberfest sein unverwechselbares Gesicht verlieren und nicht mehr so sein wie früher“. Egger hält diese Sorge für unbegründet: Die Internationalität sei längst auf der Wiesn angekommen, etwa durch die Eigentümerstruktur der ansässigen Brauereien. „Die gezielt geschürte Angst vor Kölsch und Guinness auf der Wiesn ist völliger Humbug.“

Der Kläger betont, dass die Stadt auch bei einer öffentlichen Ausschreibung umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten habe. Sie könne vorgeben, welches Bier ausgeschenkt werden dürfe, und habe „Dutzende Einflussmöglichkeiten“, um zu verhindern, „dass Hendl und Haxn von Döner und Dürüm verdrängt werden“. Den Vorwurf, er selbst sei eine Gefahr für die Wiesn, weist Egger entschieden zurück: „Dass ich eine Gefahr für die Wiesn sein könnte: Das ist Propaganda.“

Enttäuschung über die Stadt München

Zugleich zeigte sich der Gastronom enttäuscht von der Stadt München als Veranstalterin des Oktoberfests. Er sehe dort keine Offenheit für einen Diskurs. Die Stadt habe sich bislang nicht kooperationsbereit gezeigt, so Egger weiter. Ob das Hauptsacheverfahren im September Auswirkungen auf künftige Vergaben haben wird, bleibt offen. Die Wiesn selbst wird nach Angaben der Verantwortlichen auch in diesem Jahr planmäßig stattfinden.

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