Lula offiziell für vierte Amtszeit nominiert – Duell gegen Bolsonaro-Sohn
Lula will vierte Amtszeit – Duell gegen Bolsonaro-Sohn

Die Arbeiterpartei Brasiliens hat ihre Entscheidung getroffen: Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva wird bei der Präsidentschaftswahl am 4. Oktober erneut antreten. Die offizielle Nominierung erfolgte bei einem Parteitag in São Paulo vor zahlreichen Anhängern. Lula, der bereits zum dritten Mal als Präsident regiert und nun eine vierte Amtszeit anstrebt, warb bei den Delegierten für sich und versprach Kontinuität. „Ich bin unendlich viel besser in Form als damals, als ich 57 Jahre alt war und mein erstes Amt antrat. Ich bin topfit“, sagte der 80-Jährige unter großem Applaus.

Lula blickt auf eine lange Regierungsgeschichte zurück. Von 2003 bis 2010 führte er Brasilien bereits zwei Amtszeiten lang. Seit 2023 steht der Linke erneut an der Spitze des südamerikanischen Riesenstaats. Die Verfassung erlaubt einem Präsidenten nur eine direkte Wiederwahl in Folge – ein Wahlsieg im Oktober wäre daher seine vierte Amtszeit insgesamt. Erneut soll Geraldo Alckmin als Vizepräsident an seiner Seite kandidieren. Alckmin war bereits bei Lulas bisheriger Amtszeit Vize.

Bolsonaro-Sohn als Herausforderer

Sein wichtigster Gegner im Rennen um den Palácio do Planalto heißt wieder Bolsonaro. Vor vier Jahren setzte sich Lula gegen Jair Bolsonaro durch, nun schickt die Familie den ältesten Sohn ins Rennen: Flávio Bolsonaro, Senator und Mitglied der Liberalen Partei (PL). Die PL nominierte ihn vergangene Woche offiziell. Der Vater, der wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt wurde und derzeit unter Hausarrest steht, spielt im Wahlkampf eine widersprüchliche Rolle.

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Flávio Bolsonaro pflegt enge politische Verbindungen zu US-Präsident Donald Trump, doch seine Popularität reicht nicht an die seines Vaters heran. Das konservative Lager unterstützt ihn bislang nicht geschlossen. Auch in Umfragen liegt er deutlich hinter Lula zurück. Eine aktuelle Erhebung des Instituts Datafolha sieht den Amtsinhaber klar vorn, während andere Kandidaten kleinerer Parteien abgeschlagen folgen.

Milei sorgt für diplomatischen Eklat

Für Spannungen auf internationaler Ebene sorgte ein Auftritt von Argentiniens ultraliberalem Präsidenten Javier Milei bei der Veranstaltung der PL. Milei griff Lula und die brasilianische Justiz scharf an. Die Aktion löste einen schweren diplomatischen Konflikt zwischen den beiden südamerikanischen Nachbarländern aus, der als einer der heftigsten seit Jahrzehnten gilt. Lulas Lager wertete die Einmischung Mileis als Versuch, den Wahlkampf zu beeinflussen.

KI-Video mit Ex-Präsident Bolsonaro

Zusätzliche Kontroversen begleiten den Wahlkampf um das höchste Staatsamt. Ein mit Künstlicher Intelligenz erstelltes Video, das Jair Bolsonaro zeigt, sorgte für Aufsehen. Laut der Verteidigung des unter Hausarrest sitzenden Ex-Präsidenten hat dieser die Verwendung des Videos nicht genehmigt. Die brasilianischen Wahlbehörden prüfen mögliche Verstöße gegen das Wahlrecht. Eine Aberkennung der Kandidatur seines Sohnes Flávio gilt allerdings als unwahrscheinlich.

Wahltermin und Stichwahl

Die Präsidentschaftswahl in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas findet am 4. Oktober statt. Da keiner der Bewerber in den Umfragen eine absolute Mehrheit sicher hat, könnte es zu einer Stichwahl kommen. Diese ist für den 25. Oktober geplant. Für Brasilien geht es dabei um eine Richtungsentscheidung zwischen dem linken Kurs Lulas und dem rechtskonservativen Lager Bolsonaros – die weit über die Landesgrenzen hinaus aufmerksam verfolgt wird.

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