Cordula Czubatynski: Vom DDR-Tabu zur Plattdeutsch-Botschafterin in Brandenburg
Der Internationale Tag der Muttersprache am 21. Februar war für Cordula Czubatynski aus Quitzöbel in der Prignitz ein besonderer Anlass, um auf die bedrohte plattdeutsche Sprache aufmerksam zu machen. In der DDR war Plattdeutsch in den Schulen strikt verboten, nur Hochdeutsch und Fremdsprachen wurden gelehrt. „Vor 90 Jahren haben die Lehrer klar zu verstehen gegeben, hier wird kein Plattdeutsch gesprochen. So bin ich mit dieser bildhaften Sprache aufgewachsen“, erinnert sich Czubatynski. Ihre Mutter und Großmutter sprachen zwar Platt, doch sie selbst entdeckte die Sprache erst später wieder.
Die Rückkehr zur Muttersprache durch Naturschutzarbeit
Den entscheidenden Impuls erhielt Cordula Czubatynski durch ihre Arbeit mit dem Biologen und Vogelkundler Frank Neuschulz aus Gartow. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze engagierte sich Neuschulz für länderübergreifenden Naturschutz an der Elbe und war von 1993 bis 2005 Leiter des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg. Czubatynski arbeitete damals bei der Naturwacht und beobachtete, dass einige seiner Projekte, wie die Deichrückverlegung am „Bösen Ort“, bei Landwirten auf Widerstand stießen.
Die Naturwacht nutzte daraufhin die plattdeutsche Sprache, um bei kulturellen Anlässen Brücken zu den Bauern zu schlagen. Diese Erfahrung weckte Czubatynskis Verbundenheit zu ihrer Muttersprache neu. Der plötzliche Tod von Neuschulz im August 2008 durch einen Herzinfarkt während eines Urlaubs in Windhoek überschattet ihre Erinnerungen, doch sein Erbe lebt in ihrem Engagement weiter.
Plattdeutsch-AG für die nächste Generation
Seit 2022 arbeitet Cordula Czubatynski als Erzieherin im Hort „Wirbelwind“ in Bad Wilsnack. Dort hat sie eine Plattdeutsch-AG ins Leben gerufen, an der sich aktuell 15 Kinder beteiligen. In der AG werden Geschichten gelesen, Lieder gesungen und kleine Aufführungen auf Plattdeutsch gemacht. „Materialien dafür erhalten wir zum Beispiel vom Verein für Niederdeutsch Land Brandenburg, in dem ich seit drei Jahren Mitglied bin“, erklärt Czubatynski. Ihr Ziel ist es, die Sprache fest im Alltag zu verankern.
Zusätzlich trifft sich regelmäßig eine plattdeutsche Gruppe donnerstags um 14.30 Uhr im Restaurant Gabis Schenke in Ledge. Eine weitere Gruppe kommt am ersten Dienstag im Monat um 14 Uhr im ehemaligen Konsum in Bälow zusammen, der direkt neben der Feuerwehr liegt. Cordula Czubatynski ist überzeugt: „Wenn die plattdeutsche Sprache nicht mehr gesprochen wird, dann geht aus meiner Sicht ein weiteres Kulturgut verloren.“ Ihr Motto lautet: „Leewer platt reden, as platt maoken.“
Internationaler Tag der Muttersprache und globale Bedeutung
Der Internationale Tag der Muttersprache am 21. Februar wurde von der UNESCO ins Leben gerufen, um die Sprachvielfalt weltweit zu erhalten. Laut UNESCO sind über die Hälfte aller gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht. Das Datum erinnert an die Proteste in Dhaka im Jahr 1952, bei denen mehrere Menschen starben, als Urdu zur alleinigen Amtssprache Pakistans erklärt wurde – obwohl es nur für drei Prozent der Bevölkerung die Muttersprache war. Dies führte zur Gründung von Bangladesch, wo Bengali gesprochen wird.
Cordula Czubatynskis Einsatz zeigt, wie wichtig lokale Initiativen für den Erhalt von Sprachen sind. In Brandenburg, wo Plattdeutsch einst tabu war, setzt sie sich dafür ein, dass die Sprache ihrer Kindheit für kommende Generationen lebendig bleibt.



