Verkehrskollaps droht: Mega-Baustellen an der Ostsee
Die meistbefahrene Straße in Mecklenburg-Vorpommern wird im Sommer gesperrt. Auf der L22 in Rostock werden unter anderem die Gleise Höhe Doberaner Straße ausgetauscht. Dies ist nur eine von hunderten Baustellen, die den Verkehr an der Ostsee 2026 massiv beeinträchtigen werden.
40 Millionen Euro für Bundes- und Landesstraßen
Allein das Straßenbauamt Stralsund investiert rund 40 Millionen Euro in die Sanierung von Bundes- und Landesstraßen in den Kreisen Rostock und Vorpommern-Rügen. Der Fokus liegt dabei vorrangig auf dem Erhalt bestehender Straßen, Brückenprojekten und dem Ausbau der Radinfrastruktur. „Erhalt geht vor Neubau“, betont Ralf Sendrowski, Leiter des Straßenbauamtes Stralsund. „Wo immer möglich, bündeln wir Arbeiten, um Einschränkungen so gering wie möglich zu halten.“ Dennoch werden Verkehrsteilnehmer mit erheblichen Behinderungen rechnen müssen.
Kritische Projekte auf Rügen
Zu den besonders herausfordernden Maßnahmen zählt die Fahrbahnerneuerung der B196 auf Rügen zwischen Süllitz und Lancken-Granitz. Eine Umleitung ist hier nicht möglich, weshalb die etwa zwei Wochen andauernden Arbeiten im Oktober vorwiegend nachts unter Vollsperrung stattfinden werden. Tagsüber wird die Strecke für den Verkehr freigegeben. „Wir wissen, dass das harte Einschränkungen sind, weil die B196 die Lebensader ist“, erklärt Manfred Borowy vom Stralsunder Amt. Die geringe Fahrbahnbreite, der Alleebaumbestand sowie angrenzende Schutzgebiete und fehlende Umleitungsstrecken machen diesen Schritt notwendig.
Ebenfalls auf Rügen wird die Deckenerneuerung auf der L30 zwischen Altenkirchen und Glowe eine Wanderbaustelle mit halbseitiger Sperrung erfordern, da auch hier keine Umleitung möglich ist. Mit ersten Baumfällungen wurde bereits im Dezember 2025 begonnen. „Während der Ferienzeit ist die Straße wieder zweispurig befahrbar“, so Borowy. Die Gesamtmaßnahme wird eine Bauzeit von 17 Monaten in Anspruch nehmen.
Wichtige Bauvorhaben des Straßenbauamts Stralsund
- B103 Klueß - Bahnübergang Güstrow: Deckenerneuerung von Juni bis Oktober
- B105 Bargeshagen - Lambrechtshagen: Deckenerneuerung im Juli und August
- B194 A20-Anschlussstelle Grimmen Ost - Poggendorf: Deckenerneuerung von Mai bis Juli
- B196 Süllnitz - Wirtschaftsweg: Deckenerneuerung im Oktober
- B196 Ortslage Baabe: ab März Deckenerneuerung
Parallel wird der Ausbau der Radinfrastruktur weiter vorangetrieben. Größere Radwegprojekte sind unter anderem an der L11 zwischen Bützow und Tarnow sowie an der L21 zwischen Niepars und Duvendiek geplant.
Größtes Einzelprojekt: Brückenneubau in Langenhagen
Das umfangreichste Um- und Ausbauvorhaben 2026 mit einem Volumen von acht Millionen Euro ist der Ersatzneubau für die Brücke über die Bahnstrecke in Langenhagen auf der L11 in der Nähe von Kuchelmiß. Im Mai sollen die ersten Arbeiten starten und rund 20 Monate andauern. Eine besondere Herausforderung besteht darin, die Erreichbarkeit zur A19 für Anwohner und die Industrie aufrechtzuerhalten. Daher ist angedacht, den Verkehr einspurig per Ampel über die alte Brücke zu führen, während der Neubau nördlich der bestehenden Brücke entsteht.
500 Baustellen in Rostock
Die Hansestadt Rostock plant ebenfalls sehr umfangreiche Bauvorhaben für dieses Jahr. Rund 500 Baustellen wird es im Stadtgebiet geben, ähnlich wie in den Jahren zuvor, so der zuständige Leiter des Tiefbauamtes der Stadt, Heiko Tiburtius. Auch auf der meistbefahrenen Straße des Landes, der L22, wird erneut gebaut – eine „knackige Maßnahme“, wie er erklärt. Dafür wird die Straße zeitweise sogar voll gesperrt. Im Zeitraum vom 13. Juli bis 22. August soll im Bereich Lübecker Straße/Doberaner Straße die Gleisquerung erneuert und Kanalarbeiten durchgeführt werden. Vom 25. bis 31. Juli wird die L22 dafür voll gesperrt.
Weitere größere Vorhaben in Rostock
- Hundertmännerstraße: Sanierung der Gehwege von März 2026 bis Oktober 2027 mit halbseitiger Sperrung
- Pressentinstraße in Gehlsdorf: Arbeiten bis Ende des Jahres
- Nobelstraße: Deckenerneuerung im Juli und August
- Neubrandenburger Straße: grundhafter Ausbau nördlich des Bahnübergangs ab Mai bis Ende 2027
- Trotzenburger Weg: Reparatur der Fahrbahn ab Juni
- Südring Richtung Goetheplatz: Deckenerneuerung im dritten Quartal unter halbseitiger Sperrung
- Bertolt-Brecht-Straße in Evershagen: Deckenerneuerung ab Juni
Landkreis Rostock: 11,7 Millionen Euro für Straßenprojekte
Im Landkreis Rostock stehen für dieses Jahr Baukosten von rund 11,7 Millionen Euro für Straßenprojekte zur Verfügung. Ein besonderes Projekt ist die unter Denkmalschutz stehende Pflasterstraße in Teschendorf, die LRO120. Sie soll von April bis Dezember umgepflastert werden – allein für dieses Projekt sind 1,3 Millionen Euro veranschlagt. Aber auch die letzten Schotterstraßen im Landkreis sollen angegangen werden, darunter die LRO40 bei Gnemern an der A20, die von August bis November ausgebaut wird.
Für Mai ist der Baustart zur Weiterführung des Radwegs an der LRO21 zwischen Mühl Rosin und Badendiek geplant. Rund 400.000 Euro fließen in diesen letzten Bauabschnitt.
Weitere Projekte im Landkreis Rostock
- LRO11 Brücke Parum bis Abzweig Parum: Ausbau von April bis August unter Vollsperrung
- LHRO13 Straße und Brücke Hohen Sprenz: Ersatzneubau Brücke, Ausbau der Straße und Entwässerung ab März bis Dezember unter Vollsperrung
- LRO29 Knegendorf bis Diekhof: Ausbau zwischen Mai und November unter Vollsperrung
- LRO106 Glashagen bis Bad Doberan: Ausbau unter Vollsperrung von April bis November
- LRO107 Spriehusen bis Rerik: Weiterbau des Radwegs zwischen Mai und Oktober
- LRO40 Klein Sien bis Abzweig Moltenow: grundhafter Ausbau ab April
- LRO50 Brücke Alt Sührkow: Ausbau der Straße auf 1,9 Kilometern ab Mai unter Vollsperrung
- LRO105 Ortsdurchfahrt Satow: Ausbau im Juli und August unter Vollsperrung mit Austausch von Pflaster durch Asphalt
- LRO27 Hinzenhagen bis Bansow: Ausbau der Straße unter Vollsperrung von August bis November
- LRO126 Brücke in Westenbrügge: Instandsetzung während der Sommerferien
Landkreis Vorpommern-Rügen: Fünf Millionen Euro für Kreisstraßen
Der Landkreis Vorpommern-Rügen will in diesem Jahr ebenfalls erhebliche Mittel in seine Kreisstraßen investieren. Insgesamt rund fünf Millionen Euro sind dafür veranschlagt, um von den insgesamt 322 Kilometern Kreisstraße knapp sechs Kilometer zu sanieren. Zusätzlich werden 1,6 Kilometer Radweg neu gebaut und noch einmal 1,3 Kilometer erneuert, wie Sven Frohberg vom Landkreis mitteilt.
Unter anderem soll die Kreisstraße RÜG6 auf dem Abschnitt L301-Rappin unter Vollsperrung ausgebaut werden. „Eine Neverending Story“, so Frohberg. Im letzten Quartal sollen die Arbeiten starten, die bis zum zweiten Quartal 2027 angesetzt sind. Auch die grundhafte Erneuerung der RÜG15 in Güstelitz soll nun definitiv umgesetzt werden, sobald es die Witterung zulässt.
Weitere Vorhaben im Landkreis Vorpommern-Rügen
- Neubau des Radwegs auf der Kreisstraße RÜG12 zwischen Poseritz und Samtens ab drittem Quartal
- Um- und Ausbau der RÜG8 unter Vollsperrung zwischen dem Abschnitt mit den Betonplatten bis Gager Ende des Jahres
- Erneuerung des Radwegs an der Kreisstraße NVP6 zwischen Ahrenshagen und Gruel ab dem dritten Quartal
- Erneuerung der NVP15 unter Vollsperrung zwischen Hoikenhagen und Schönwalde ab Mitte 2026
- NVP8 bei Forkenbeck ab drittem Quartal 2026
- NVP14 zwischen Grammendorf und Bronkow: grundhafte Erneuerung ab drittem Quartal
Die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen werden den Verkehr in der gesamten Region massiv beeinträchtigen. Autofahrer, Anwohner und Urlauber müssen sich auf erhebliche Einschränkungen, Umleitungen und verlängerte Fahrzeiten einstellen. Die Behörden betonen zwar, dass sie die Beeinträchtigungen so gering wie möglich halten wollen, doch angesichts des Umfangs der Bauvorhaben werden spürbare Verkehrsbehinderungen unvermeidbar sein.



